ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist die häufigste psychiatrische Erkrankung des Kindes- und Jugendalters. Aktuellen Prävalenzschätzungen zufolge sind in Deutschland ca. 5 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren betroffen, wobei die Erkrankung bei Jungen etwa viermal häufiger diagnostiziert wird als bei Mädchen (1). Bei bis zu 60% der Betroffenen bleiben wesentliche Symptome der ADHS auch im Erwachsenenalter bestehen (2).

ADHS - Häufigkeit

Vermutungen, die Erkrankung habe heute zugenommen und sei ein Zeichen unserer Zeit, sind nicht belegt. Der ADHS wird vielmehr eine größere Beachtung geschenkt. Einerseits ist das auf neuere Diagnostikmethoden zurückzuführen, die eine ADHS heute deutlicher von einer anderen Störung abgrenzen. Auf der anderen Seite hat es Veränderungen in den Lebensstrukturen und der Familienstruktur und Erziehung gegeben. In den Familien mit 1 oder 2 Kindern wird jedem einzelnen Kind ein größerer Stellenwert eingeräumt, als dies noch in den kinderrreichen früheren Großfamilien möglicherweise der Fall war. Es werden aber auch größere Anforderungen an die Kinder gestellt. Kinder mit einer Aufmerksamkeitsstörung sind in besonderem Maße durch Stress und Stimulation erregbar und störbar. Es wird vermutet, dass aufgrund der Zunahme an Stress und Hektik sowie gestiegenen Anforderungen in den letzten Jahrzehnten - nicht zuletzt an schulische und akademische Leistungen - die Symptome der Erkrankung möglicherweise störender hervortreten, zu größeren Beeinträchtigungen führen und dadurch häufiger diagnostiziert werden.

Quellen

  1. Schlack R et al., Bundesgesundheitsblatt, 2007, 50:827-835.
  2. Wender PH et al. Adults with ADHD. Ann NY Acad Sci 2001; 932:1-16

 

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