
Die Angehörigen depressiver Patienten registrieren Veränderungen im Verhalten des Familienmitglieds, wissen aber zu diesem Zeitpunkt nicht, worauf diese zurückzuführen sind. Der Betroffene hilft ihnen in dieser Situation in der Regel auch wenig weiter.
Denn in den seltensten Fällen ist der Betroffene in der Lage, das, was er momentan erlebt, in Worte zu fassen und anderen gegenüber begreiflich zu machen. Es ist also nicht verwunderlich, dass es zu missverständlichen Situationen und den daraus resultierenden Spannungen zwischen Angehörigen und Patient kommt.
Wird dann endlich die Diagnose gestellt, sollte das für Angehörige und Betroffene kein Erschrecken, sondern eine Erleichterung bedeuten. Denn kennen Betroffene und Angehörige den Grund für die Verhaltensänderungen, und ist die Erkrankung Depression erstmalig offen ausgesprochen worden, so fällt es häufig leichter, auch innerhalb des Familienkreises das Gespräch zu suchen. Auch auf anfänglich unerklärlich scheinende Reaktionen des Patienten kann so entsprechend reagiert werden.
Angehörige sind wichtig für den Gesundungsprozess
Damit es jedoch zu dem offenen Gespräch zwischen Angehörigem und depressivem Patienten kommen kann, muss die Erkrankung erst einmal erkannt werden. Hierzu ist professionelle Hilfe erforderlich.
Und genau an dieser Stelle kommen die Angehörigen ins Spiel. Häufig sind sie es, die den Betroffenen überhaupt erst dazu bewegen, mit seinen Beschwerden einen Arzt aufzusuchen.
Doch nicht nur bei der Diagnose, sondern auch bei der weiteren Behandlung spielen sie eine sehr wichtige Rolle. Denn in der Regel kennt niemand den Patienten besser als der Angehörige selbst. Beschreibt der Angehörige den Zustand des Patienten im Gespräch mit dem Arzt, kann diese Beschreibung dem Arzt wichtige Hinweise für die Erstellung eines entsprechenden Therapieplanes liefern.
Und im Laufe der Behandlung kann die Aufforderung des Patienten durch den Angehörigen, seine Medikamente regelmäßig einzunehmen und sich auch bei potenziellen Rückschlägen an die Therapie zu halten, sehr wichtig sein.
Auch bei ergänzenden Therapien, wie z. B. der Psychotherapie, ist die Unterstützung der Angehörigen sehr hilfreich, wenn nicht gar erforderlich. Um diese Unterstützung leisten zu können, müssen Angehörige und Partner das Krankheitsbild kennen und auch über die Behandlungsmöglichkeiten informiert sein.
Denn nur das Verstehen der Situation des Betroffenen und das Wissen über potenzielle Hilfsangebote ermöglicht es, den Patienten ganzheitlich in der auch für ihn neuen Situation zu begleiten.

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