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Was ist das?

Durch ein Ungleichgewicht von vorhandenem Zucker im Blut und der Insulinmenge, die dem Körper zur Verfügung steht, kann es zu ungewollten Komplikationen bei einer Diabetes-Erkrankung kommen.

Am wichtigsten ist es, seinen Körper gut zu kennen und die Beschwerden, die in der jeweiligen Situation auftreten, richtig einzuschätzen, um sie wirksam behandeln zu können.

Unterschieden wird zwischen kurzzeitig auftretenden Komplikationen, die entstehen können, wenn der Blutzucker zu hoch oder zu niedrig ist, und chronischen Komplikationen.

Welche akuten Komplikationen können auftreten?

Der Blutzucker ist zu hoch

Eine so genannte Hyperglykämie liegt dann vor, wenn der Blutzuckerwert vor dem Essen über 120 mg/dl (6,7 mmol/l) liegt oder zwei Stunden nach dem Essen mehr als 160 mg/dl (8,9 mmol/l ) gemessen werden. Für eine Überzuckerung kann es verschiedene Ursachen geben:

  • Zu wenig Insulin: Das kommt vor, wenn man z.B. das Spritzen von Insulin vergessen hat, zu wenig Insulin gespritzt hat, in Hautverhärtungen gespritzt hat oder der Pen zur Insulinverabreichung defekt ist.
  • Zu viele Kohlenhydrate: Passiert meistens dann, wenn die im Essen enthaltene Kohlenhydratmenge falsch eingeschätzt wurde.
  • Zu wenig Bewegung: Weniger körperliche Anstrengung als sonst (z.B. aufgrund von Krankheit) verursacht höhere Blutzuckerwerte.
  • Fieberhafte Infekte, Erkrankungen, Entzündungen: Hier wirkt das vorhandene Insulin schlechter und der Insulinbedarf steigt.
Diabetes-Blutzucker

Eine Hyperglykämie kann sich durch folgende Anzeichen bemerkbar machen:

  • Harndrang
  • Durst
  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit
  • Juckreiz
  • Sehstörungen
  • Schlecht heilende Wunden
  • Infektionen der Geschlechtsorgane
  • Harnwegsinfektionen

Ständig erhöhte Blutzuckerwerte, die zu den genannten Symptomen führen können, müssen ernst genommen werden, da sie Dauerschäden verursachen können. Der Arzt und das Diabetesteam sind hier die richtigen Ansprechpartner.

Generell ist es im Fall von häufigen Hyperglykämien richtig, viel zu trinken, sich ausreichend zu bewegen und regelmäßig den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. In Absprache mit dem Behandlungsteam kann auch die Insulindosis erhöht werden.

Steigen die Blutzuckerwerte durch akuten Insulinmangel eklatant an, kann es bei Typ-1-Diabetikern zu einem diabetischen Koma kommen. Man spricht von einer Ketoazidose.

Im fortgeschrifttenen Stadium der Ketoazidose werden die Patienten bewusstlos und können in eine lebensbedrohliche Lage geraten. In einem solchen Fall muss unbedingt schnell ärztliche Hilfe herbeigeholt werden!

Typ-1-Diabetiker sollten bei Blutzuckerwerten über 250 mg/dl (13,8 mmol/l) und eventuellen Beschwerden an die Gefahr einer Ketoazidose denken und rasch reagieren. Wichtig ist, den Ketonwert im Urin (Teststreifen) zu überprüfen. Fällt der Ketontest positiv aus (++ bis +++), sind sofortige Maßnahmen notwendig:

  • Blutzuckerkorrektur mit kurz wirksamem Insulin
  • Viel trinken
  • Keine körperliche Belastung
  • Alle 2 Stunden Blutzucker und Keton testen
  • Nicht einschlafen
  • Diabetesteam unverzüglich verständigen!

Bei Erbrechen ist sofort eine Klinik aufzusuchen!

Keton darf innerhalb von 6 Stunden nicht mehr nachweisbar sein. Danach muss die Stoffwechselentgleisung im Krankenhaus mit Insulin, Flüssigkeit und Mineralstoffen behandelt werden.

Ketonkörper können auch bei niedrigen Blutzuckerwerten vorkommen, wenn man sehr wenig isst. Diese Ketonkörper stellen jedoch keine Gefahr dar. Hierbei ist der Blutzucker niedrig oder normal.

Der Blutzucker ist zu niedrig

Bei Menschen mit Diabetes, die Insulin verwenden, kann es auch zu einer Unterzuckerung kommen. Bei Blutzuckerwerten unter 50 mg/dl (2,8 mmol/l) spricht man dann von einer Hypoglykämie. Sie kann ausgelöst werden durch

  • die falsche Anwendung von Insulin, also etwa, wenn zu viel Insulin oder das Insulin zur falschen Zeit gespritzt wurde
  • zu wenig Kohlenhydrate, wenn zu wenig oder zu spät gegessen wurde
  • außergewöhnlich viel Bewegung, die einen höheren Energieverbrauch und eine stärkere Wirkung des Insulins erzeugt
  • Alkoholkonsum, da durch Alkohol die Zuckerfreisetzung aus der Leber gehemmt wird
Diabetes-Blutzucker

Anzeichen für eine Unterzuckerung sind vor allem

  • Heißhunger
  • Herzklopfen
  • Schweißausbrüche
  • Unruhe und Gereiztheit bis hin
    zu Aggressivität
  • Sehstörungen
  • Kribbeln um den Mund
  • Angst
  • Zittern
  • Sprachstörungen

Merke: Erst essen, dann messen!

Einer leichten Hypoglykämie kann Abhilfe geschaffen werden: Meist kann der Blutzuckerspiegel schon durch 2 Broteinheiten schnell wirkender Kohlendydrate kurzfristig wieder angehoben werden. Günstig sind z.B. 4-6 Täfelchen Traubenzucker, ein Glas gesüßter Fruchtsaft oder ein Glas normale Cola.

Prinzipiell sollten zusätzlich zu den schnellwirksamen etwas verzögert wirksame Kohlenhydrate (Kekse, Brot, Schokoriegel) gegessen werden, um das Wiederauftreten von Hypoglykämien zu vermeiden.

Leichte Unterzuckerungen sind unbedenklich. Werden die ersten Anzeichen jedoch nicht bemerkt oder beachtet, kann ein starker Zuckermangel im Gehirn entstehen, der zu Bewusstlosigkeit führen kann. Angehörige sollten für einen solchen Fall geschult sein und Glukagon unter die Haut oder intramuskulär verabreichen. Bei fehlendem Ansprechen muss ein Notarzt gerufen werden, der Glukose intravenös spritzen kann. Glukagon ist ein Hormon, das wie Insulin in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es wirkt als Gegenspieler zum Insulin und setzt bestehende Zuckerreserven aus Leber und Muskeln frei.

Als Vorsichtsmaßnahme sollten Diabetiker immer einen Notfallausweis bei sich tragen, um Außenstehende in möglichen Notsituationen informieren zu können. Alleinstehende sollten besonders aufmerksam mit ersten Anzeichen umgehen, da sie im Falle einer starken Unterzuckerung auf fremde Hilfe angewiesen sind.

Den Umgang mit zu hohen und zu niedrigen Blutzuckerwerten sollten Sie einmal in Ruhe mit Ihrem Arzt besprechen.

Welche chronischen Komplikationen gibt es?

Menschen mit Diabetes, die Blutzucker- und Blutdruckwerte regelmäßig kontrollieren und in einem normalen Bereich halten, können ohne Komplikationen ein langes und gutes Leben führen, ohne an schwerwiegenden Folgeerkrankungen zu leiden. Diese entstehen erst dann, wenn die Blutzuckerwerte ständig außerhalb des normalen Bereichs liegen und z.B. ein erhöhter Blutdruck hinzukommt.

Mögliche chronische Erkrankungen sind:

  • Gefäßleiden:
    Dazu gehören Durchblutungsstörungen, Arterienverkalkung, Thrombose, erhöhte Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.

  • Erkrankungen der Augen und der Nieren:
    Sie können ebenfalls durch Durchblutungsstörungen der kleinsten Gefäße (Kapillaren) entstehen.

  • Schädigung der Nerven:
    Die Nerven der Haut und der Muskulatur sowie Nerven, die die inneren Organe versorgen, sind bei erhöhtem Blutzucker betroffen.

  • Erhöhtes Infektionsrisiko:
    Es ergibt sich durch die eingeschränkte Funktion des Immunsystems bei erhöhtem Blutzuckerspiegel.
Diabetes-chronische Komplikationen
  • Diabetischer Fuß:
    An der Entstehung des diabetischen Fußes ist vor allem die Neuropathie beteiligt. Verletzungen werden durch eine verminderte Empfindung der Nerven nicht bemerkt. Es bilden sich dann Entzündungen mit ernsthaften Folgen. Deshalb ist es so wichtig, dass Sie Ihren Füßen viel Aufmerksamkeit schenken.

Quellen:

Lilly Deutschland GmbH: Diabetes und Insulin – wie Sie selbst das Beste daraus machen.

Weiterführende Links: