
Das kennen sehr viele Diabetiker: Schmerzen und Taubheitsgefühle vor allem in den Füßen und ein Kribbeln, als ob Ameisen über die Haut liefen. Eine häufige Ursache ist eine Nervenschädigung, denn bei etwa jedem vierten Diabetiker kann die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 1 und 2) auch das Nervensystem schädigen. Eine im Rahmen eines Diabetes mellitus auftretende Nervenschädigung wird als „Diabetische Polyneuropathie“ (abgekürzt: DPN) bezeichnet.
Bei einem Teil der Patienten mit der schmerzhaften Form der sogenannten „peripheren“, d. h. an den Füßen und Händen beginnenden und dann sich weiter körperwärts ausbreitenden DPN, kommt es im Rahmen der Nervenschädigung zu chronischen Schmerzen, die vielfach als brennend, einschießend oder stechend beschrieben werden. Man spricht dann von einer schmerzhaften diabetischen Polyneuropathie (auch als diabetischer peripherer neuropathischer Schmerz oder DPNP bezeichnet).
Die DPN ist also eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus, bei der meist viele Nerven gemeinsam geschädigt und dadurch ganze Körperpartien betroffen sind; die Schädigung nur eines einzelnen Nerven findet sich eher selten.
Häufig wird DPN auch als „Spätfolge“ des Diabetes mellitus bezeichnet. Das stimmt und ist doch zugleich irreführend. Die Schädigung der Nerven kann sich schon sehr früh entwickeln, auch, wenn Sie selbst noch nichts oder kaum etwas davon spüren.
Neuropathische Schmerzen – was passiert?
Bei gesunden Nerven ist Schmerz eine normale Sinnesempfindung. Treten Sie beispielsweise auf einen spitzen Stein, so registrieren dies spezielle Schmerzfühler (Nozizeptoren) und leiten den Reiz als elektrischen Impuls über das Rückenmark weiter an das Gehirn. Erst dort werden die Reize als Schmerz empfunden. Die Stärke des wahrgenommenen Reizes hängt daher nicht nur davon ab, wie stark der Schmerzimpuls war, sondern auch ganz entscheidend von der Art und Weise, wie er im Gehirn verarbeitet wird. Hierbei sind Gefühle, Gedanken und Erinnerungen („Schmerzgedächtnis“) entscheidend. Es ist daher nicht übertrieben zu sagen: Schmerzen entstehen im Kopf! Gleichzeitig sorgt das Nervensystem über absteigende, hemmende Bahnen dafür, dass Schmerzreize gebremst werden. Vermittelt wird dieser hemmende Effekt durch verschiedene Botenstoffe, z. B. Noradrenalin und Serotonin.
Sind die Nerven durch krankhafte Stoffwechselvorgänge – wie sie beim Diabetes auftreten – geschädigt, leiten sie manchmal die Signale der „Schmerzfühler“ weniger oder gar nicht mehr weiter, dadurch entstehen Taubheitsgefühle und eine Verminderung der Wahrnehmung äußerer Reize. Es ist aber auch möglich, dass die Nerven selbst, ohne äußeren Reiz, eigenständig Impulse erzeugen. Dies kann dann zu Missempfindungen, einer erhöhten Berührungsempfindlichkeit und vor allem zu Schmerzen führen, die als scharf, dumpf oder auch kribbelnd beschrieben werden. Die andauernde Überaktivität bzw. eine verminderte Hemmung dieser Impulse kann die Entwicklung von chronischen Schmerzen begünstigen.
Im weiteren Verlauf der Erkrankung werden der Nerv und seine Umgebung immer mehr geschädigt. Entsprechend werden oftmals ankommende äußere Reize wie Berührung, Kälte, Wärme oder Druck zunehmend schlechter wahrgenommen. Man spürt die zunehmende Schädigung durch das Auftreten eines Taubheitsgefühls oder durch zunehmende Schmerzen. Patienten, die hauptsächlich unter Sinnesverlusten leiden, empfinden manchmal gar keine Schmerzen mehr. Auch Druckstellen und Verletzungen werden von ihnen nicht mehr wahrgenommen. Damit steigt die Gefahr, dass sich ein so genannter „diabetischer Fuß“ entwickelt.

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