
Eine Reihe von Faktoren hat Einfluss auf das persönliche Risiko eines Menschen, an Harninkontinenz zu erkranken. Einige dieser Faktoren - etwa Übergewicht oder Rauchen - kann man aktiv beeinflussen. Andere haben genetische Ursachen und unterliegen nicht der eigenen Entscheidung. Dies ist jedoch kein Grund, sich einfach mit der Situation abzufinden. Wer um sein persönliches Risiko weiß, sollte durch gezieltes Handeln einer möglichen Harninkontinenz vorbeugen. Wer z.B. rechtzeitig mit einem Beckenbodentraining beginnt, wirkt der natürlichen Erschlaffung des Gewebes im Unterleib entgegen und mindert das persönliche Risiko, etwa an einer Belastungsinkontinenz zu erkranken.
Vor allem die folgenden Faktoren werden in Zusammenhang mit der Entstehung einer Harninkontinenz gebracht:
- Geschlecht: Harninkontinenz ist ein typisches Frauenleiden. Insgesamt sind zwei- bis dreimal so viele Frauen wie Männer davon betroffen. Bei der speziellen Form der Belastungsinkontinenz ist das Verhältnis sogar noch extremer2. Ein Hauptgrund dafür ist die von Natur aus weniger stabile Struktur des weiblichen Beckenbodens, die durch Geburten oder Operationen oft noch zusätzlich geschwächt wird.
- Alter: Mit zunehmendem Alter kann das Gewebe im Unterleib erschlaffen. Die Organe können ihre Lage verändern und somit an Stabilität einbüßen. Während junge Frauen stärker vom unwillkürlichen Harnverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder Sport betroffen sind als junge Männer, verteilt sich die Krankheit im Alter annähernd gleichmäßig auf beide Geschlechter4.
- Schwangerschaft und Geburten: Eine Schwangerschaft strapaziert das Gewebe des Unterleibs in beträchtlichem Ausmaß. Bei Geburten wird das Gewebe stark gedehnt oder sogar verletzt. Viele Frauen leiden während oder nach der Schwangerschaft unter einer Harninkontinenz, meist in Form einer Belastungsinkontinenz.
- Wechseljahre: Durch die hormonelle Umstellung des weiblichen Körpers in den Wechseljahren wird die Scheide weniger mit dem Hormon Östrogen versorgt. Darunter leidet die Durchblutung. Die Scheide verliert oftmals einen Teil ihrer Stabilität.
- Operationen: Unterleibsoperationen können das Entstehen einer Harninkontinenz ebenfalls begünstigen. Ein typischer Fall bei Frauen ist die Entfernung der Gebärmutter, durch die sich andere Organe verlagern können. Bei Männern können besonders Prostataoperationen Probleme verursachen.
- Krankheiten der Blase: Entzündungen, Blasensteine oder Tumore können Symptome einer Dranginkontinenz verursachen.
- Demenz: Bei einem Verlust der bewussten Körperkontrolle, etwa nach einem Schlaganfall oder bei Parkinsonpatienten, kann sich ebenfalls eine Dranginkontinenz entwickeln.
- Übergewicht: Stark übergewichtige Menschen haben ein höheres Risiko, an einer Belastungsinkontinenz zu erkranken. Ursache dafür ist meist eine Bindegewebeschwäche.
- Rauchen: Ein Raucherhusten kann die Auswirkungen einer Belastungsinkontinenz verschlimmern. Das häufige Husten erzeugt einen starken Druck auf die Blase. Bei einer gestörten Verschlussfunktion der Harnröhre kann unkontrolliert Urin verloren gehen.
