Wenn die Blase normal funktioniert, wird sie im Alltag kaum wahrgenommen. Das liegt daran, dass sie einen Großteil ihrer Funktionen ohne Beteiligung des Willens ausführt. Wenn sich etwa die Blase füllt, müssen im Körper viele Vorgänge gleichzeitig ablaufen bzw. koordiniert werden. Die Blase muss sich ausdehnen, um die Flüssigkeit aufnehmen zu können. Gleichzeitig muss sich die Harnröhre mit ihrem Schließmuskel-Apparat zusammenziehen, damit der Urin nicht gleich wieder abfließt. Wenn der Mensch all dies bewusst steuern müsste, wäre er einen Großteil des Tages nur mit seiner Blase beschäftigt. Deshalb macht sich das Organ im allgemeinen lediglich dann bemerkbar, wenn es so stark gefüllt ist, dass eine Entleerung notwendig wird. Der Mensch spürt dann einen schnell stärker werdenden Drang, eine Toilette aufzusuchen. Bis dahin kann er den Urin jedoch üblicherweise zurückhalten, indem er willentlich den Schließmuskel der Harnröhre anspannt. Dies ist eine intellektuelle Leistung, die neben dem Menschen übrigens nur noch einige wenige Tiere beherrschen.

Steuerung der Blasenfunktion

Die unbewusste Steuerung der Blase geht - wie die bewusste auch - vom Zentralen Nervensystem aus, das durch ein komplexes System von Nerven mit allen Organen verbunden ist. Das Gehirn empfängt Signale von der Blase und sendet Befehle an diese zurück. Dies geschieht über das Nervensystem mit der Hilfe verschiedener Botenstoffe, sogenannter Neurotransmitter. Die Muskeln an Blase und Harnröhre ziehen sich zusammen oder dehnen sich aus - je nachdem, welche Botenstoffe sie empfangen. Viele Medikamente entfalten ihre Wirkung, indem sie diese Neurotransmitter beeinflussen.

Die Füllphase der Blase

Aus dem Blutplasma filtern die Nieren ständig den Urin, der sich dann in der Blase ansammelt. Wenn sich die Blase füllt, sendet sie entsprechende Signale an das Gehirn. Dieses antwortet, indem es Impulse an Blase und Harnröhre sendet. Dort wird dann ein bestimmter Botenstoff freigesetzt, der zweierlei bewirkt: Erstens entspannt sich die Muskulatur, die für das Austreiben des Urins zuständig ist. Die Blase kann sich also weiter füllen, ohne dass in ihr der Druck steigt. Zweitens zieht sich die Muskulatur der Harnröhre und der Schließmuskel zusammen. Der Urin kann nicht aus der Blase entweichen. Zusätzlich kann die Verschlusskraft des Schließmuskels auch willentlich erhöht werden.

Die Entleerungsphase der Blase

Wenn die Blase ihre maximale Füllmenge erreicht, sendet sie erneut Signale an das Gehirn. Dort werden durch das so genannte Miktionszentrum Impulse an Blase und Harnröhre gesendet und die Entleerung wird in die Wege geleitet. Die harnaustreibenden Muskeln ziehen sich zusammen, gleichzeitig entspannt sich die Schließmuskulatur. Der Urin wird so aus der Blase herausgepresst. Der Mensch kann dies willentlich aufschieben, indem er den Harnröhrenschließmuskel zusammenzieht. Jeder hat bereits selbst die Erfahrung gemacht, dass dies eine bewusste Anstrengung erfordert, die mit jeder Minute anwachsen kann. Bei einer Dranginkontinenz meldet die Blase zu früh, dass sie gefüllt ist. Der Harndrang setzt bereits ein, wenn nur wenig Urin in der Blase ist.

Druckverhältnisse und Blasenfunktion

Die Druckverhältnisse im Unterleib sind entscheidend für die normale Funktion der Blase. Sie können sich nicht nur durch das Einwirken von Impulsen aus dem Gehirn verändern. Wenn sich einzelne Organe - vor allem Blase, Harnröhre, Scheide und Gebärmutter - in eine andere Position verlagern, kann das einen dauerhaften Einfluss auf die Druck- und Spannungsverhältnisse im Unterleib haben. So liegen Blase, Harnröhre und Scheide im Normalfall eng beieinander und stützen sich gegenseitig. Wenn das Gewebe im Beckenboden geschwächt wird und sich die Gebärmutter absenkt, ändert sich auch die Lage der Scheide. Der Harnröhre fehlt in der Folge der Gegendruck, sie kann einer gefüllten Blase weniger Verschlusskraft entgegenhalten. Dies kann ein Grund sein, warum z.B. auch viele Frauen während und nach einer Schwangerschaft unter einer Harninkontinenz leiden. Aus einer solchen Verlagerung von Organen resultiert meist eine Belastungsinkontinenz.