
Anhaltend starker Husten über mehrere Wochen, Atemnot oder Schmerzen in der Brust können Hinweise auf eine ernsthafte Lungenerkrankung sein. Ob es sich dabei tatsächlich um Lungenkrebs handelt, kann Ihr Arzt mithilfe verschiedener Untersuchungen abklären werden.
Symptome - keine typischen Frühsymptome für Lungenkrebs
Lungenkrebs verursacht im frühen Stadium nur selten Beschwerden, das heißt es gibt keine typischen Frühsymptome. Deshalb werden Tumoren fast immer zufällig entdeckt, z.B. bei einer Röntgenuntersuchung des Brustbereichs aus anderem Anlass. Die Krankheitszeichen sind oft uncharakteristisch, so dass sie auch Ursache ganz anderer, harmloser Erkrankungen sein können. Umso wichtiger ist eine rasche und gründliche Abklärung der Beschwerden, denn auch für Lungenkrebs gilt: Je früher er erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Aber selbst im fortgeschrittenen Stadium kann eine frühzeitige Therapie dazu beitragen, möglichst schmerz- und beschwerdefrei mit dem Tumor zu leben.
Beschwerden, die auf Lungenkrebs hinweisen können:
- über mehrere Wochen anhaltender Husten
- Raucherhusten, der sich plötzlich ändert oder verschlimmert
- Bronchitis oder „Erkältung“, die sich trotz Behandlung nicht bessert
- Auswurf beim Husten mit oder ohne Blutbeimengung
- Atemnot
- Schmerzen im Brustkorb
- Abgeschlagenheit
- Gewichtsverlust
Kleinzellige Lungenkarzinome können, ähnlich wie Drüsen, hormonartige Substanzen bilden, die ins Blut abgegeben werden. Da diese Stoffe unkontrolliert im Übermaß produziert werden, führen sie zu körperlichen Veränderungen wie einem Vollmondgesicht oder einer erhöhten Thromboseneigung. Solche, so genannten paraneoplastischen Symptome sind manchmal erste Anzeichen der Erkrankung.
Untersuchungsmethoden
Anamnese und körperliche Untersuchung
Zunächst wird der Arzt den Patienten ausführlich über seine Beschwerden, aber auch über bestimmte Lebensgewohnheiten, wie zum Beispiel das Rauchen, befragen und den allgemeinen gesundheitlichen Zustand beurteilen.
Röntgen des Brustkorbs
Mit einer Röntgenaufnahme lassen sich vor allem Tumoren am Lungenrand ab einer Größe von etwa einem Zentimeter darstellen. Für zentral gelegene Geschwülste eignet sich dagegen eher eine Mehrschichtaufnahme mittels Computertomographie (CT).
| Bronchoskopie - Spiegelung der BronchienBei einer Bronchoskopie werden die Bronchien und ihre feinen Verzweigungen mit einem optischen Gerät (Bronchoskop) angeschaut und beurteilt. Das flexible Bronchoskop wird unter örtlicher Betäubung des Nasen-Rachen-Raums, des Kehlkopfes und der oberen Bronchien durch den Mund und die Luftröhre eingeführt. In bestimmten Situationen, etwa wenn ein Tumor die Bronchien verengt, kommen starre Bronchoskope zum Einsatz. Dann erfolgt die Untersuchung immer in Vollnarkose. Mit einer kleinen Zange an der Endoskopspitze entnimmt der Arzt Gewebeproben aus verdächtigen Bezirken.
Feingewebliche Untersuchung (Histologie) Die bei der Bronchoskopie gewonnenen Gewebeproben werden in feine Scheibchen geschnitten und unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht. Diese histologische Untersuchung erlaubt die Unterscheidung zwischen gutartigem und bösartigem Gewebe und, falls es sich um Krebs handelt, die genauere Charakterisierung der Tumorart.
Untersuchung der Zellen (Zytologie) Während der Bronchoskopie kann auch eine Spülung der Bronchien (Bronchiallavage) oder ein Bürstenabstrich von der Bronchienwand erfolgen. Damit gewinnt man einzelne, aus dem Gewebeverband abgelöste Zellen für die mikroskopische Begutachtung, die zytologische Untersuchung. Bei mehr als 70% der Patienten lässt sich damit eine Diagnose stellen. |
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Abb.2: Bei der zytologischen Untersuchung werden die aus der Lunge gewonnenen Zellen unter dem Mikroskop analysiert. |
Feinnadelbiopsie
Falls der verdächtige Bereich nicht mit dem Bronchoskop erreichbar ist, etwa weil er im Randbereich der Lunge liegt, kann eine Feinnadelbiopsie von außen durch die Brustwand (perkutan) durchgeführt werden. Unter computertomographischer Kontrolle wird eine lange, dünne Nadel in den verdächtigen Bezirk vorgeschoben und etwas Gewebe angesaugt.
Bildgebende Verfahren - CT , MRT und Ultraschall
Die Röntgen-Computertomographie (CT) mit Kontrastmittel wird sowohl zur Erkennung eines Bronchialkarzinoms als auch zur Bestimmung seiner Ausbreitung genutzt. Mit Hilfe der Schnittbilder lassen sich Tumoren schon bei einer Größe von unter 5 Millimetern erkennen. Mit den neuen Methoden der Spiral-CT dauert eine lückenlose Aufnahme des gesamten Brustraums weniger als eine halbe Minute. In bestimmten Fällen kann darüber hinaus eine Kernspin- oder Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll sein.
Mediastinoskopie
Häufig finden sich Absiedelungen des Bronchialkarzinoms in den Lymphknoten im Mediastinum. Da der Zustand dieser Lymphknoten entscheidend für die Wahl der Therapie sein kann, wird eine Spiegelung dieses Bereichs durchgeführt. Diese ist insbesondere angezeigt, wenn im Computertomogramm schon vergrößerte Lymphknoten sichtbar sind. Der Arzt setzt dazu in Narkose oberhalb des Brustbeins einen kleinen Schnitt und führt eine optische Sonde in den Raum zwischen den Lungenflügeln ein.
PET und PET-CT
Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) liefert Informationen zur Stoffwechselaktivität in Geweben. Bei der Darstellung der Lymphknoten im Mediastinum, dem Raum zwischen den Lungenflügeln, ist sie aussagekräftiger als eine CT. Bei negativem PET sind mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Lymphknoten befallen, positive PET-Befunde sollten jedoch durch Gewebeentnahme gesichert werden. Die PET wird bisher von den Krankenkassen nur in Ausnahmefällen erstattet.
Eine Weiterentwicklung, die die Vorteile von PET und CT verbindet, ist die Kombination beider Verfahren, die PET-CT. Durch Überlagerung von CT- und PET-Bildern lassen sich Bereiche mit erhöhter Stoffwechselaktivität, wie wachsende Tumoren, anatomisch genau zuordnen.
Skelettszintigraphie
Die Skelettszintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, die der Arzt bei Verdacht auf Knochenmetastasen anordnet. Dazu wird eine radioaktiv markierte Substanz intravenös gespritzt, die sich im Organismus in jenen Gebieten anreichert, die eine erhöhte (Knochen-)Stoffwechselaktivität aufweisen. Beim Zerfall des Radionuklids entsteht kurzzeitig Strahlung, die mit einer speziellen Kamera von außen aufgefangen und in ein Bild umgewandelt wird. Da hierbei alle – auch gutartige – Veränderungen erfasst werden, ist meist noch eine Röntgen- oder MRT-Untersuchung erforderlich. Bei kleinzelligen Karzinomen mit früher Metastasierung im Knochenmark wird häufig auch eine Knochenmarkprobe aus dem Beckenkamm zur Untersuchung auf Tumorzellen entnommen.
Tumortypen - Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs
Für die Behandlungsplanung ist die grundsätzliche Unterscheidung zwischen nicht-kleinzelligen und kleinzelligen Bronchialkarzinomen von großer Bedeutung. Die wesentlich häufigeren nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome haben eine bessere Prognose als der besonders aggressive kleinzellige Typ.
Die beiden Hauptformen von Lungenkrebs | |
nicht-kleinzellige Karzinome | kleinzellige Karzinome |
80% aller Lungenkarzinome | 20% aller Lungenkarzinome |
langsameres Wachstum | besonders aggressiv, rasches Wachstum, frühe Metastasenbildung |
Behandlung: Kombination aus Operation, Chemo- und Strahlentherapie | wichtigste Behandlung: Chemotherapie |
Zunehmend wird der Erfolg einer Therapie auch von der Gewebeart (Histologie) des Tumors bestimmt, da einige Medikamente bei bestimmten Tumortypen besonders wirksam sind. Im Wesentlichen lassen sich in der Gruppe der nicht-kleinzelligen Karzinome vier Formen unterscheiden:
- Plattenepithelkarzinome (ca. 30%)
von Schleimhautzellen ausgehend - Adenokarzinome (40-45%)
aus drüsigen Zellen abstammend - kleinzellige Karzinome (20%)
- großzellige Karzinome und andere (10-15%)
Krankheitsstadien
Die Stadieneinteilung oder Klassifikation („Staging“) der Erkrankung ist wesentliche Grundlage für die Behandlungsplanung. Aufgrund der diagnostischen Untersuchungsergebnisse erfolgt die Einteilung nach dem international gültigen TNM-System der Union internationale contre le cancer (UICC):
- T – Tumor
Wie weit hat sich der Primärtumor ausgebreitet? - N – Nodulus (lat. Lymphknoten)
Liegen Lymphknotenmetastasen vor? - M – Metastase
Liegen Fernmetastasen vor?
Anhand dieses Systems lässt sich eine genaue Diagnose formulieren, wobei Ziffern hinter den Buchstaben für Größe und Ausdehnung (T1–4), Zahl und Lage der befallenen Lymphknoten (N0–3) und das Vorhandensein oder Fehlen von Metastasen (M0 oder M1) stehen. T1 N0 M0 bezeichnet zum Beispiel einen kleinen Tumor ohne Lymphknotenbefall und Metastasen. Eine exakte Beurteilung des TNM-Stadiums ist nur nach operativer Entfernung des Tumors möglich. In der Dokumentation wird die TNM-Einteilung dann durch ein vorangestelltes „p“ ergänzt, z. B. pT1pN0pM0.
Ausgehend von der TNM-Einstufung erfolgt die Stadienenteilung beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom von I bis IV:
Stadieneinteilung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms | |
Stadium I | örtlich begrenzter Tumor ohne Lymphknotenbefall und ohne Fernmetastasen |
Stadium II | der Tumor hat zusätzlich mindestens einen Lymphknoten im Lungenhilus befallen |
Stadium III | der Tumor hat sich lokal stark ausgebreitet und benachbarte sowie entfernte Lymphknoten befallen, es sind keine Fernmetastasen vorhanden |
Stadium IV | es liegen Fernmetastasen vor |
Auch das Stadium des kleinzelligen Lungenkarzinoms lässt sich nach dem TNM-System beschreiben. Meist wird hier jedoch (noch) eine andere Klassifikation verwendet:
Stadieneinteilung des kleinzelligen Lungenkarzinoms | |
limited disease (LD) | Krankheitsausdehnung ist auf einen Lungenflügel beschränkt |
extensive disease (ED) | fortgeschrittenes Stadium mit Ausdehnung über einen Lungenflügel hinaus |
Weiterführende Informationen zum Thema Lungenkrebs finden Sie in der Broschüre Betroffen? - Lungenkrebs. Informationen für Patienten und ihre Angehörigen.
Weiterführende Literaturhinweise:
Weiterführende Literaturhinweise:
- J. Preiß, W. Dornoff, F.-G. Hagmann, A. Schmieder (Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Interdisziplinäre Empfehlungen zur Therapie 2008/09. 14. Auflage. Zuckschwerdt, Germering/München, 2008.
- Lungenkrebs - ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Heft 10 aus der Blauen Reihe der Deutschen Krebshilfe, 7/2008.
- Delbrück, H.: Lungenkrebs. Rat und Hilfe für Betroffene und Angehörige, 4. überarbeitete Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2007.
- Aulitzky, W.: Handbuch Krebs: Alles zur Vorsorge, Diagnose, Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen. Süd-West-Verlag, München 2007.
- Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Passivrauchen – auch wenig ist zu viel Heidelberg, 2006
- Ammon, A, Meyer, D: Lebenszeit - Zeit zum Leben. Ein Ratgeber für Menschen mit Krebs, W. Zuckschwerdt Verlag, München 2004.


