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Wie viele Frauen in Deutschland leiden an einer Harninkontinenz?
In Deutschland leiden nach Schätzungen der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V. Millionen von Frauen an verschiedenen Formen und Ausprägungen der Harninkontinenz. 8 von 10 harninkontinenten Frauen leiden unter unwillkürlichem Harnverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder beim Sport. Bei der so genannten Belastungsinkontinenz erhöht sich bei körperlichen Anstrengungen, Anspannungen oder Belastungen der Druck im Bauchraum, sodass die Verschlusskraft des Schließmuskelapparates nicht mehr ausreicht und Urin unfreiwillig austritt.
Ist die Harninkontinenz ein typisches Frauenleiden?
Ja, wenn es um eine bestimmte Form geht: die Belastungsinkontinenz (früher auch als Stressinkontinenz bezeichnet). Viele jüngere Frauen leiden nach Geburten unter einer Belastungsinkontinenz. Durch Schwangerschaft und Geburt wird der Beckenboden geschwächt. Dies führt häufig zu unwillkürlichem Urinverlust bei körperlicher Anstrengung oder Anspannung, wie zum Beispiel Husten, Niesen, Lachen sowie bei körperlichen Belastungen, wie z.B. Treppensteigen oder Springen. Eine andere Form der Krankheit, die Dranginkontinenz, betrifft mehr Männer. Die Dranginkontinenz trifft eher ältere Menschen. |
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Warum sprechen viele Betroffene mit niemandem über ihre Harninkontinenz?
Weil es vielen einfach peinlich ist, wenn sie ihre Blase nicht kontrollieren können. Auch glauben manche Frauen noch immer, Belastungsinkontinenz sei ein „normales“ Altersproblem, mit dem sie sich abfinden müssen. Harninkontinenz ist jedoch eine Erkrankung, mit der man sich nicht abfinden muss, sondern die behandelt werden kann. Viele Frauen versuchen aber über Jahre, ihr Problem zu verstecken und behelfen sich mit Einlagen und anderen Hilfsmitteln, bevor sie einen Arzt um Rat fragen.
Gibt es verschiedene Formen von Harninkontinenz?
Ja. Es gibt zwei Hauptformen: die Belastungsinkontinenz (unwillkürlicher Harnverlust beim Husten, Niesen, Lachen) und die Dranginkontinenz (außergewöhnlich häufiger und starker Harndrang mit Urinverlust). Außerdem gibt es eine Mischform aus Belastungs- und Dranginkontinenz. Da die verschiedenen Formen zum Teil auch unterschiedlich behandelt werden müssen, muss der Arzt eine genaue Diagnose zur Abgrenzung stellen.
Was ist eine Belastungsinkontinenz?
Von Belastungsinkontinenz spricht man dann, wenn man bei körperlicher Anstrengung oder Anspannung, wie z.B. Husten, Niesen oder Lachen sowie bei körperlicher Belastung, wie z.B. beim Sport plötzlich unwillkürlich Urin verliert. Dies liegt daran, dass durch die körperliche Belastung der Druck im Bauchraum erhöht wird und die Verschlusskraft des Schließmuskelapparates nicht mehr ausreicht.
Wie entsteht eine Belastungsinkontinenz?
Entscheidend für die Entstehung einer Belastungsinkontinenz sind die Druck- und Spannungsverhältnisse im Unterleib. Wird die Muskulatur des Beckenbodens geschwächt und senkt sich die Gebärmutter ab, fehlt der Harnröhre genügend Spannung, um bei ansteigendem Druck im Bauchraum durch Belastungen den Blasenschließmuskel bei gefüllter Blase geschlossen zu halten. Gründe für eine derartige Schwächung der Beckenbodenmuskulatur können z.B. hormonelle Veränderungen während der Wechseljahre oder Schwangerschaft und Geburt sein. In der Folge kann es dann passieren, dass bei körperlicher Anstrengung und Anspannung, wie z.B. beim Husten, Niesen, Lachen oder beim schweren Heben Urin austritt. Eine Belastungsinkontinenz wird auch durch Alterungsprozesse, z.B. Hormonmangel in den Wechseljahren, sowie durch Übergewicht begünstigt.
Was ist eine Dranginkontinenz und wie äußert sie sich?
Wenn man häufiger als normal, also beispielsweise mehr als acht mal am Tag, zur Toilette geht und einen nicht zu beherrschenden Harndrang verspürt, spricht man von einer Dranginkontinenz. Dieser Drang ist so stark, dass es die Betroffenen oftmals nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette schaffen. Dahinter steckt in den meisten Fällen eine Überaktivität des Blasenmuskels. Etwa jede fünfte Frau mit Harninkontinenz leidet unter einer Dranginkontinenz2. Männer sind doppelt so häufig von einer Drangsymptomatik betroffen. Eine Dranginkontinenz tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Die Betroffenen müssen zwar oft Wasser lassen, können dabei aber nur geringe Urinmengen entleeren. Das Wasserlassen kann brennen und starke Schmerzen im Unterleib sind ebenfalls nicht selten.
Was ist eine Mischinkontinenz und wie häufig ist sie?
Die Mischinkontinenz ist eine Mischform der Belastungsinkontinenz und der Dranginkontinenz. Etwa jede dritte Frau mit Harninkontinenz leidet unter einer Mischform2.
Wie diagnostiziert der Arzt eine Harninkontinenz?
Zunächst fragt der Arzt danach, seit wann und in welchen Situationen es zu einem unfreiwilligen Tröpfeln oder unkontrollierbarem Urinfluss kommt. Dazu füllt er mit der Patientin einen Fragebogen aus. Dann untersucht er den Beckenboden und überprüft den Urin auf mögliche Infektionen. Häufig macht der Arzt noch eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege. In der Regel bittet er die Patientin, ein so genanntes Miktionsprotokoll zu führen. Dies ist ein Tagebuch, in das man einträgt wie viel man täglich trinkt, wie oft man zur Toilette gehen muss, wie häufig es zu ungewolltem Urinverlust kommt und wie viele Einlagen man am Tag braucht. Meist kann der Arzt dann abklären, welche Form der Harninkontinenz vorliegt und eine Behandlung vorschlagen. Nur wenn diese Diagnosemöglichkeiten keinen Erfolg bringen oder der Arzt noch keine eindeutige Entscheidung treffen konnte, wird er verschiedene Funktionsmessungen vornehmen. Zu diesen so genannten urodynamischen Messmethoden gehören z.B. eine Blasenspiegelung, eine Blasendruckmessung und andere Untersuchungen. Diese speziellen Diagnosemöglichkeiten führt meist ein Facharzt für Urologie durch.
Was kann man gegen Belastungsinkontinenz tun?
Hier gibt es eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten. Wichtigster Schritt ist ein aktives Beckenbodentraining, das jede Frau selbst durchführen kann. Es sollte mit der Hilfe von Physiotherapeuten erlernt werden. Entscheidend für den Erfolg ist allerdings, dass man regelmäßig trainiert. Zur Unterstützung gibt es so genannte Vaginalkegel, die in die Scheide eingeführt und durch aktive Muskelanspannung dort gehalten werden. Manchen Frauen fällt es schwer, Ihre Beckenbodenmuskulatur bewusst anzuspannen. Hier können so genannte Biofeedback-Verfahren helfen, mit denen man das Training kontrollieren kann. Eine spezielle Sonde macht die Muskelbewegungen hörbar oder sichtbar. Mit anderen Geräten kann der Beckenboden auch elektrisch stimuliert werden. Das ist völlig schmerzfrei und hat einen ähnlichen Effekt wie das Training.
Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl unterschiedlich sicherer und erfolgreicher Operationen bei Belastungsinkontinenz. Mittlerweile kann der unwillkürliche Harnverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder schweren Heben jedoch auch mit einem Medikament behandelt werden.
Wann ist eine Operation der richtige Schritt zur Behandlung?
Eine Operation ist angebracht, wenn die anderen Möglichkeiten nicht zum gewünschten Erfolg führen. Die Operation ist zwar nach wie vor die wirksamste, aber auch die aufwändigste Form der Behandlung. Es gibt mehr als 100 operative Methoden. Die Erfolgsraten eines chirurgischen Eingriffs liegen zwar zwischen 60 und 90 Prozent, aber nur jede zweite Frau ist mit dem Ergebnis wirklich zufrieden8. Am bekanntesten ist die TVT-Methode, die bei Belastungsinkontinenz angewandt wird. Dabei führt der Operateur unter örtlicher Betäubung ein spezielles Band spannungsfrei um die Harnröhre und fixiert es hinter dem Schambein, so dass kein Harnverlust mehr auftritt.



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