Schwimmen, Radeln und Walken tut der Seele gut – und der Kontinenz

Bad Homburg, 24. Februar 2010 - 

Endlich werden die Tage wieder länger, und die ersten Sonnenstrahlen laden uns dazu ein, mehr Zeit draußen zu verbringen. In der frischen Luft unterwegs zu sein und sich zu bewegen – besonders in der Gruppe – macht nicht nur Spaß, es ist auch gesund! Viele Frauen trauen sich dies jedoch nicht, denn sie fürchten, bei körperlicher Anstrengung plötzlich ungewollt Urin zu verlieren. Diese Frauen leiden unter Symptomen der weiblichen Belastungsinkontinenz – einer Erkrankung, die so viele Frauen betrifft, dass manche Experten bereits von einer „Volkskrankheit“ sprechen. Doch Betroffene müssen deswegen nicht auf sportliche Aktivität verzichten. Denn es gibt für jede Frau eine geeignete Sportart, wie die Frankfurter Urologin Dr. Daniela Marschall-Kehrel berichtet. Nordic Walking beispielsweise gehört zu den sogenannten „sanften Sportarten“, die den Beckenboden nicht belasten. Im Gegenteil: Das gezielte Anspannen vieler Muskelgruppen beim Walken ist für viele harninkontinente Frauen sogar besonders gut geeignet.

Bei der weiblichen Belastungsinkontinenz genügen kurze körperliche Belastungen wie Husten, Niesen und Lachen oder in schwereren Fällen auch Laufen, Treppensteigen und einfaches Aufstehen, um einen unwillkürlichen Harnverlust auszulösen. Viele betroffene Frauen vermeiden daher jeden Gang in die Öffentlichkeit, erst recht eine körperliche Betätigung außer Haus. Doch gerade für Frauen mit einer solchen Blasenschwäche ist es wichtig, fit und aktiv zu sein, wie die Urologin Dr. Daniela Marschall-Kehrel erklärt. „Eine moderate sportliche Betätigung ist ungemein wichtig. Umso mehr, da Übergewicht ein bedeutender Risikofaktor für die Entstehung dieser Erkrankung ist.“ Häufig befänden sich die Muskeln der betroffenen Frauen zudem in einem schlechten Trainingszustand, die Vermeidung sportlicher oder sozialer Aktivitäten belaste oft zusätzlich das seelische Befinden der Frauen.

Sanfter Sport schmeichelt der Seele – und sogar der Blase!

Die Expertin möchte Betroffene daher motivieren, aktiv zu werden, anstatt sich zu Hause zu verkriechen. „Bei Frauen mit einer schwachen Blase haben sich zum Beispiel Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking, aber auch Pilates und Yoga bewährt“, erklärt die Expertin. Viele dieser Sportarten kann man an der frischen Luft betreiben, auch in einer Gruppe. Die gemeinsame Aktivität vermittelt nicht nur ein Gemeinschaftsgefühl, sondern tut auch dem Körper gut. „Nordic Walking ist beispielsweise förderlich für die Körperspannung“, erklärt Dr. Marschall-Kehrel. „Mit Hilfe der Arme, der Rücken- und Bauchmuskulatur versucht man während des zügigen Gehens den gesamten Oberkörper aufzurichten. Das stärkt zwangsläufig auch die Beckenbodenmuskulatur.“ Dem gegenüber gibt es aber auch Sportarten, die für betroffene Frauen eher ungeeignet sind. Dazu zählen all jene, die mit Hüpfen oder schwerem Heben zu tun haben. Ebenfalls wenig geeignet sind solche, die den Be-ckenboden durch schnelle und abrupte Starts und Stopps stark beanspruchen. Das gilt beispielsweise für Joggen auf hartem Asphalt. „Selbst gute Laufschuhe können dabei die Belastung für den Beckenboden nicht abfedern“, erklärt die Urologin.

Aktiv sein – ohne Angst vor einem Malheur

Dank sanfter Sportarten können auch Frauen, die unter Symptomen der Belastungsinkontinenz leiden, sportlich aktiv sein – ohne Angst vor einem unangenehmen Vorfall. Denn diese Angst begleitet betroffene Frauen oft in jeder Lebenslage: im Beruf, bei Freizeitaktivitäten und in der Partnerschaft. Vielen fällt trotzdem der Gang zum Arzt schwer, weil sie denken, sie müss-ten die Erkrankung als normale Begleiterscheinung des Älterwerdens stillschweigend hinnehmen. Andere Frauen genieren sich, weil sie das offene Gespräch mit dem Arzt oder eine Operation fürchten. Dabei ist die Konsultation eines Experten für die betroffenen Frauen ein wichtiger Schritt zu einer aktiven Bewältigung der Harninkontinenz, vor dem sie keine Angst haben müssen. Denn: Ist die Erkrankung erst einmal richtig diagnostiziert, kann sie auch zielgerichtet behandelt werden. Als Ansprechpartner bei Belastungsinkontinenz eignen sich sowohl der vertraute Hausarzt oder Gynäkologe wie auch der Urologe als Spezialist für Erkrankungen des Harntraktes.

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5 Tipps zu sanften Sportarten, die sich bei Harninkontinenz eignen:

  • Schwimmen, Yoga, Pilates, Tai Chi oder Nordic Walking werden als „sanfte Sportarten“ bezeichnet, weil sie die Muskulatur auf schonende Art und Weise trainieren.
  • Sanfte Sportarten eignen sich nicht nur für Menschen, die unter Symptomen der Harninkontninenz leiden – sie können auch helfen, diesen vorzubeugen.
  • Weniger geeignet sind Sportarten wie Joggen auf hartem Boden, Tennis oder Squash, da der Beckenboden durch die Erschütterung in Mitleidenschaft gezogen werden kann.
  • Schauen Sie doch mal, ob es in Ihrer Stadt einen Nordic Walking Treff gibt – in der Gruppe macht Sport am meisten Spaß!

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.kompetenz-in-kontinenz.de