Depression

Was ist eine Depression?

Depression ist eine Krankheit

Die Depression ist eine Erkrankung wie Diabetes, Rheuma oder ein Beinbruch. Anders als ein psychisch gesunder Mensch findet der depressiv Erkrankte nicht selbst aus dieser Störung hinaus.

Bei den meisten Betroffenen beginnt die Depression mit unspezifischen Symptomen. Sie leiden unter Konzentrationsschwierigkeiten, einem Gefühl der inneren Leere und haben Schwierigkeiten bei der Bewältigung ihrer Arbeit im Haushalt und Beruf. Sie glauben zunehmend, den Anforderungen des Alltags nicht mehr gewachsen zu sein. Diese Beschwerden haben zur Folge, dass die Betroffenen nicht mehr so leistungsfähig sind wie zuvor. Mehr und mehr entsteht bei den Betroffenen ein Gefühl der Unfähigkeit, was noch verschlimmert wird durch das ständige Kreisen ihrer Gedanken um immer gleiche Probleme.

So werden aus zunächst harmlos erscheinenden Aufgaben schier unüberwindbare Hürden.

Viele Patienten fühlen sich von ihren Gedanken so beherrscht, dass sie eine gewisse Ohnmacht erleben. Dieses Gefühl der Handlungsunfähigkeit ist für Betroffene oft der erste Anlass, von sich aus professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Häufig sind es aber auch die Angehörigen, die den Betroffenen dazu bewegen, einen Arzt aufzusuchen.

Nicht immer stehen die psychischen Symptome bei der Depression im Vordergrund. Vielfach beginnt die Erkrankung auch damit, dass die Patienten keinen Appetit mehr haben und sich körperlich nicht wohl fühlen. Sie leiden unter diffusen, häufig schwer beschreibbaren körperlichen Beschwerden, unter Kopf- oder Rückenschmerzen, für die sie ebenso wenig wie der Arzt einen Grund finden können.

Versucht man, die typischen und vielschichtigen Symptome einer Depression zusammenzufassen und zu ordnen, so könnte das wie in der folgenden Tabelle aussehen – man unterscheidet psychische und körperliche Symptome:

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Ursachen

Auch heute noch mehr Fragen als Antworten

Die Ursache der Depression ist bis heute nicht genau bekannt. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Theorien, die die Depression und ihre Symptome näher zu beleuchten versuchen. Als Erklärungsfaktoren für eine Depression ziehen diese einschneidende Lebensereignisse ebenso heran wie eine genetische Veranlagung. Es wird auch vermutet, dass bestimmte Personen anfälliger für diese Erkrankung sind als andere - sie weisen „eine ausgeprägtere Verletzlichkeit“ auf.

Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell

Was ist damit gemeint, dass manche Menschen eine höhere Verletzlichkeit (Vulnerabilität) aufweisen als andere und das „Überschreiten eines kritischen Grenzwertes“ zum Ausbruch einer Depression führt?

Der depressive Mensch reagiert auf bestimmte Erlebnisse anders als der Gesunde. Während der gesunde Mensch auf emotionale und körperliche Belastungen mit einem vorübergehenden Stimmungstief antwortet, dauert dieser Zustand beim depressiven Menschen an. Konsequenz ist, dass der Mensch sowohl seelisch als auch körperlich permanent leidet. Eine Depression ist also keine vorübergehende Beeinträchtigung der Gemütslage, sondern eine Krankheit, die behandelt werden muss und heutzutage erfolgreich behandelt werden kann.

Mögliche Auslöser für eine Depression

Leider existiert bis dato keine allgemein anerkannte Theorie, wie und warum depressive Erkrankungen letztendlich entstehen. Weder gibt es eine einzelne eindeutige Ursache, noch reichen die bisherigen genetischen, biochemischen oder psychologischen Erklärungsmodelle aus, um das komplexe Entstehungsgefüge einer depressiven Erkrankung zu erklären.

Möglicherweise jedoch lassen sich die einzelnen vermuteten Ursachen wie ein Mosaik zusammenfügen.

Erbliche Belastung

In manchen Familien leiden auffällig viele Personen an einer Depression, so dass auch eine erbliche Vorbelastung eine Rolle spielen dürfte.

In zahlreichen Studien konnte belegt werden, dass sich bei Verwandten ersten Grades familiäre Häufungen zeigen.

Bei einem kranken Elternteil beträgt das Erkrankungsrisiko der Kinder zwischen 10 und 20 %, sind beide Eltern betroffen, so steigt das Risiko auf bis zu 60 % an.

Somit besteht der begründete Verdacht, dass die Neigung zu einer Depression vererbt werden kann, selbst wenn bis heute nur vage Vorstellungen darüber bestehen, welche Gene beteiligt sein könnten.

Lebensereignisse

Kritische, belastende Lebensereignisse oder schwere Schicksalsschläge lassen eine Person manchmal in tiefe Traurigkeit und Verzweiflung fallen.

In manchen Fällen sind belastende Lebensereignisse (Einsamkeit, Tod eines nahen Angehörigen oder Freundes, Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes usw.) Auslöser für eine depressive Episode.

Je nach individueller Belastbarkeit und Bewältigungsfähigkeit kommen die Betroffenen besser oder schlechter wieder auf die Beine. Personen mit einer sogenannten "ausgeprägteren Verletzlichkeit" (Vulnerabilität) brauchen dabei eher professionelle Unterstützung als andere.

Biochemische Faktoren

Alle Prozesse, die im Körper ablaufen, werden dadurch gesteuert, dass Nervenzellen Informationen miteinander austauschen. Im Rahmen dieses Prozesses kommen ganz bestimmte Botenstoffe zum Einsatz. Es wird vermutet, dass bei einem depressiven Menschen eine Dysbalance der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin vorhanden ist.

Bei der Depression ist der Stoffwechsel im Gehirn aus dem Gleichgewicht geraten. Es wird vermutet, dass bestimmte Botenstoffe, die für die Regulierung der Stimmung und des Schmerzempfindens zuständig sind (Serotonin und Noradrenalin), nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden sind. Die Weiterleitung der Informationen von Nervenzelle zu Nervenzelle funktioniert nicht mehr richtig.

Vom Botenstoff Serotonin wird angenommen, dass er antriebssteigernd wirkt und die Stimmung, das Wohlbefinden und den Schlaf beeinflusst.

Vom Botenstoff Noradrenalin wird angenommen, dass er im Gehirn maßgeblich den Schlaf-Wach- Rhythmus, die Aufmerksamkeit sowie Gedächtnis- und Konzentrationsleistungen steuert. Er versetzt den Körper in eine erhöhte Alarmbereitschaft. Der Puls steigt an, das Herz pumpt schneller, der Blutdruck steigt, und die Aktivität von Magen und Darm wird heruntergefahren.

Der Mangel an Serotonin kann zu Symptomen wie Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit und Schlafstörungen führen. Die zu niedrige Konzentration von Noradrenalin kann wiederum dafür verantwortlich sein, dass es zu Konzentrationsschwierigkeiten und körperlichen Beschwerden kommt. Eine Dysbalance der beiden Botenstoffe bedingt möglicherweise eine Hemmung absteigender Nervenbahnen und kann so die Wahrnehmung körperlicher Beschwerden, bis hin zu Schmerzen, verstärken.

Um die seelischen und körperlichen Beschwerden zu lindern, muss das Ziel also sein, wieder die richtige Balance von Serotonin und Noradrenalin im Körper herzustellen.

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Wie häufig ist eine Depression?

Starke Zunahme

Gemütserkrankungen nehmen in unserer modernen Welt rasant zu. Stress, Leistungsdruck im Berufsleben, Doppelbelastung berufstätiger Mütter aber auch Arbeitslosigkeit und soziale Isolation sind maßgeblich an der Entstehung von Depression beteiligt.  

Selbst Jugendliche können infolge von schulischen Schwierigkeiten, Verlust von guten Freunden oder durch Alkohol- oder Drogenmissbrauch in den Strudel der Depression geraten.

Mittlerweile ist diese psychische Erkrankung nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall eine der häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit.

Weltweit leiden etwa 100 Millionen Menschen an einer Depression, wobei Frauen häufiger als Männer daran erkranken. Jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat mindestens einmal im Leben mit Depression zu kämpfen.

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Diagnose der Depression

Um die Depression trotz der Vielschichtigkeit der Symptome als solche zu erkennen und beim Patienten die richtige Diagnose zu stellen, stehen dem Arzt verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung.

Um eine Depression zu diagnostizieren, nutzen viele Ärzte Fragebögen.

Diese ermöglichen dem Arzt, beim Patienten die unterschiedlichen Symptome der Depression abzufragen. Entweder bittet der Arzt den Patienten, den Bogen selbstständig auszufüllen. Im anschließenden Gespräch geht er dann näher auf die einzelnen Antworten ein. Oder der Arzt füllt den Bogen im Gespräch mit dem Patienten gemeinsam aus. Der Vorteil von Fragebögen ist, dass sie nicht nur für die Diagnose der Erkrankung eingesetzt werden können, sondern auch, um zu überprüfen, wie sich der Zustand des Patienten im Laufe der Behandlung verändert hat. Im Folgenden finden Sie ein Beispiel eines solchen Fragebogens.

Selbsttest.pdf (105 KB)

Neben Fragebögen steht dem Arzt ein weiteres Diagnosehilfsmittel zur Verfügung. Dies sind die klinisch-diagnostischen Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO. Hier werden unter dem Extrapunkt „Internationale Klassifikation psychischer Störungen – ICD-10“ alle international anerkannten Krankheitsanzeichen aufgeführt, die auf eine Depression hindeuten. Auch die diagnostischen Leitlinien haben eine Zusatzfunktion. Mit ihrer Hilfe können verschiedene Formen der Depression voneinander abgegrenzt werden.

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Die Therapie

"Müssen es denn immer Medikamente sein?"

Der erste Schritt, eine Depression zu überwinden, ist die Krankheit zu erkennen und fremde Hilfe zu akzeptieren. Für die Behandlung der Depression stehen verschiedene Therapiemethoden zur Verfügung. Diese können danach unterschieden werden, ob der Patient Medikamente erhält oder ob der Arzt der Erkrankung mit anderen Methoden zu begegnen versucht.

Als erstes wird der Arzt durch eine sorgfältige Untersuchung und vor allem ein ausführliches Gespräch versuchen, eine für den Patienten maßgeschneiderte Behandlung zu finden.

Man grenzt bei der Behandlung einer Depression die akute von der vorbeugenden Behandlung ab.

Die Akutbehandlung dient der Behandlung eines aktuell vorliegenden Stimmungstiefs. Ziel ist es hier die psychischen und körperlichen Symptome möglichst schnell zu lindern, um den Patienten rasch wieder ins Alltagsleben zurückzuführen.

Die vorbeugende Therapie ist eine langfristige Behandlung über die Akutphase hinaus. Sie ist vor allem wichtig, wenn schon mehrere depressive Phasen vorliegen. Ziel dieser Behandlung ist es, den Betroffenen davor zu schützen nochmals in eine Depression zu fallen.

Die Behandlung der Depression mit Medikamenten stellt eine in vielen Fällen wirksame Methode zur Therapie dieser Erkrankung dar. Medikamente können auf die Stoffwechselstörung im Gehirn ausgleichend wirken.

Begleitet wird die medikamentöse Therapie durch regelmäßige Gespräche zwischen Arzt und Patient, denn es ist wichtig, dass der depressive Patient über seine Nöte, Sorgen und Ängste spricht.

Ergänzend zu Medikamenten können auch andere Behandlungsmethoden zum Einsatz kommen. Bei den leichten Formen der Depression kann sich der alleinige Einsatz nichtmedikamentöser Methoden als ausreichend erweisen.

Medikamentöse Therapie

Im Vordergrund einer modernen Behandlung steht neben begleitenden Gesprächen die medikamentöse Therapie, wobei auch eine Kombination beider Maßnahmen sinnvoll sein kann.

Antidepressiva

Die ersten Medikamente zur Behandlung der Depression wurden schon vor mehr als 50 Jahren entwickelt. Seit diesem Zeitpunkt sind sehr viele neue Präparate hinzugekommen, so dass dem Arzt ein breites Spektrum für die Entwicklung einer individuellen, an die Bedürfnisse des Patienten angepasste Therapie zur Verfügung steht.

Grundsätzlich wird zwischen verschiedenen Gruppen von Antidepressiva unterschieden, die im Folgenden in der Reihenfolge ihrer Entwicklung vorgestellt werden:

  • Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)

    Monoaminooxidase-Hemmer gehören zu den ersten Antidepressiva. Auf die Symptome der Depression wirken sie, indem sie sich – wie ihr Name schon andeutet – an die Monoaminooxidase binden.

    Dies ist ein Eiweißstoff (Enzym), der dafür zuständig ist, die Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin abzubauen, nachdem sie die Information von einer Nervenzelle zur anderen übertragen haben.

    Durch die Hemmung dieses Enzyms wird der Abbau der Botenstoffe verhindert und ihre Konzentration im Körper wieder erhöht. So könnte es zu dem gewünschten antidepressiven Effekt kommen.

    Während der Therapie insbesondere mit so genannten irreversiblen MAO-Hemmern muss eine strenge Diät eingehalten werden. Der Patient darf bestimmte Lebensmittel wie Bohnen, reifen Käse, Rotwein u. a. (Thyraminhaltige Kost) nicht zu sich nehmen, da es ansonsten zu einem erhöhten Blutdruck kommen kann.
     
  • Tri- und Tetrazyklische Antidepressiva (TZAs)

    Tri- und tetrazyklische Antidepressiva (TZAs) zählen zu den ältesten bekannten Antidepressiva. Die Bezeichnungen „trizyklisch“ und „tetrazyklisch“ beschreiben die chemische Struktur dieser Mittel: Ihre Moleküle bestehen aus drei bzw. vier Ringen.

    Bei vielen Patienten wirken diese Präparate sehr gut, sie müssen jedoch häufig sehr hoch dosiert werden und es treten häufig unerwünschte Nebenwirkungen auf. Dazu zählen Gewichtszunahme, Herzrhythmusstörungen, Beeinflussung der Gedächtnisleistung, Absinken des Blutdrucks, eine z. T. ausgeprägte Mundtrockenheit und eine starke Müdigkeit (in der Fachsprache als Sedierung bezeichnet).

    Zusätzlich zeigen diese Präparate auch ein ausgeprägtes Wechselwirkungsprofil. Das heißt, dass sie mit bestimmten anderen Medikamenten nicht gleichzeitig eingenommen werden dürfen. Dies ist insbesondere für Patienten schwierig, die unter weiteren Krankheiten leiden und die dauerhaft mit Medikamenten behandelt werden müssen.
     
  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs)

    Im Gegensatz zu den TZAs (s. o.), die auf viele Bereiche des Gehirns wirken und deshalb viele der oben genannten Nebenwirkungen erzeugen, wirken selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer ganz gezielt. Sie beeinflussen nur einen der Botenstoffe, das Serotonin.

    Dadurch weisen sie weniger Nebenwirkungen auf als andere Antidepressiva. Zu den typischen Nebenwirkungen dieser Medikamente gehören eine anfängliche Übelkeit, Schweißausbrüche, Störungen des Geschlechtstriebs (in der Fachsprache als Libido bezeichnet) und Unruhe.
     
  • Selektive Noradrenalin- Wiederaufnahmehemmer (SNRIs)

    Im Vergleich zu den selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (s. o.) konzentrieren sich die Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer nur auf den Botenstoff Noradrenalin. Sie haben ebenfalls eine gute antidepressive Wirkung.

    Das Nebenwirkungsprofil dieser Substanzen ist dem der SSRIs (s. o.) ähnlich. Nur Unruhe und Schlafstörungen treten etwas häufiger auf.
     
  • Dual wirkende Antidepressiva (NaSSAs und SSNRIs)

    Diese Präparate gehören ebenso wie die Substanzen, die auf nur einen Botenstoff wirken, zu einer neueren Generation von Antidepressiva. Im Unterschied zu SSRIs und SNRIs (s.o) erhöhen sie sowohl das Angebot von Serotonin als auch das von Noradrenalin im Gehirn (dual = zweifach). Dadurch sind sie möglicherweise stärker wirksam als die Antidepressiva, die auf nur einen Botenstoff wirken. Besonderheiten der einzelnen Substanzen sind:

    Ein Präparat aus der Gruppe der dual wirkenden Antidepressiva wirkt gut auf die psychischen Symptome der Depression. Zu der guten Wirksamkeit tritt aber das Problem der Gewichtszunahme und das der Müdigkeit hinzu.

    Ein anderes Medikament, das auch zu der Gruppe der dual wirkenden Antidepressiva gehört, wirkt nicht nur gegen die typischen Symptome der Depression, sondern auch gegen Angst und soziale Phobie.

    Die neuste Substanz weist den Vorteil auf, dass sie nicht nur die psychischen Symptome der Depression lindert, sondern auch die körperlich schmerzhaften Beschwerden, die häufig mit einer Depression einhergehen. Dieses Medikament kann helfen, dass es dem Patienten sowohl seelisch als auch körperlich wieder besser geht.

    Das Nebenwirkungsprofil der Präparate, die auf beide relevanten Botenstoffe wirken, ähnelt dem der Substanzen, die nur einen Botenstoff beeinflussen, und kann damit gegenüber älteren Präparaten als günstig bezeichnet werden.

    Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass dual wirksame Antidepressiva die gute Wirksamkeit der alten, trizyklischen Antidepressiva mit dem günstigen Verträglichkeitsprofil der neueren Substanzen verbinden. 
     
  • Melatonerge Antidepressiva

    Die Wirkung dieser Antidepressiva beruht auf der strukturellen Ähnlichkeit des Wirkstoffes zu dem Botenstoff Melatonin, der unter anderem den Tag- Nacht-Rhythmus bei Menschen reguliert. So sollen Präparate aus der Gruppe der melatonergen Antidepressiva neben der antidepressiven Wirkung auch den nächtlichen Schlaf depressiver Patienten verbessern.

    Da jedoch bei Patienten, die melatonerge Antidepressiva eingenommen haben, Fälle von Leberschädigung berichtet wurden, muss die Leberfunktion während der Therapie in regelmäßigen Abständen durch einen Arzt untersucht werden.
     
  • Johanniskraut

    Johanniskraut wird bei Stimmungsschwankungen sowie bei leichten Formen der Depression eingesetzt.

    Viele Patienten, speziell in Deutschland, setzen Johanniskrautpräparate auch ohne Verschreibung durch den Arzt im Rahmen der Selbstmedikation ein, weil sie der Meinung sind, pflanzliche Präparate seien verträglicher.

    Doch auch Johanniskraut kann erhebliche Nebenwirkungen nach sich ziehen, wie z. B. Müdigkeit und erhöhte Lichtempfindlichkeit, die zu brennenden Augen oder Pigmentverschiebungen führt, weshalb diese Patienten die Sonne meiden sollten.
    Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, so z.B. Medikamenten zur Empfängnisverhütung, sind häufig.

Wichtige Hinweise zur Therapie

Sicherlich wird sich jeder depressive Patient, wenn er Medikamente einnimmt, nach einer sofortigen Besserung seines Zustandes sehnen. Hier gilt es jedoch, sich zu gedulden. Denn eine spürbare Wirkung tritt oft erst nach zwei bis drei Behandlungswochen auf.

Der Stoffwechsel im Gehirn kann oft nur langsam wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Daher tritt eine spürbare Wirkung oft erst nach zwei bis drei Behandlungswochen ein.

Für viele Betroffene stellt dies ein ernsthaftes Problem dar, denn gerade die Nebenwirkungen der Präparate treten in der Regel früher auf als die Wirkung einsetzt. Das veranlasst viele Patienten, die Medikamente abzusetzen, weil sie glauben, die Therapie würde ihnen nicht helfen. Hier ist es aber wichtig zu wissen, dass Nebenwirkungen oft nur in den ersten Behandlungstagen auftreten. Manchen Patienten hilft es auch, sich vorzustellen, dass eine Nebenwirkung ja nur dann eintritt, wenn das Medikament etwas im Körper bewirkt. Dies bedeutet wiederum, dass die Zeit bis zum Eintritt der Wirkung nicht mehr lang sein kann. Sollten die Nebenwirkungen dennoch länger anhalten, ist es wichtig, den Arzt darüber zu informieren und die Medikamente nicht eigenhändig abzusetzen. Der Arzt kann dann eine Reduktion der Dosis oder eventuell auch den Wechsel auf ein anderes Medikament in Erwägung ziehen. Und noch ein wichtiger Hinweis: Antidepressiva müssen üblicherweise über einen Zeitraum von mindestens sechs bis zwölf Monaten eingenommen werden. Nur so kann ermöglicht werden, dass der depressive Patient keinen Rückfall erleidet. Patienten sollten nicht schlagartig aufhören, ihre Medikamente einzunehmen. Vielmehr gilt es, in Absprache mit dem Arzt die Dosierung schrittweise zu verringern.

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Tipps für Patienten

Die Krankheit akzeptieren

Die meisten Patienten wissen in dem Moment, in dem ihnen die Diagnose „Depression“ übermittelt wird, zunächst gar nichts damit anzufangen. Verstehen sie dann nach einer Zeit der Besinnung, woran sie leiden, reagiert manch einer völlig verstört. Andere wiederum verspüren eine regelrechte Erleichterung. Diese unterschiedlichen Reaktionen sind, jede für sich, verständlich.

Der Ängstliche lehnt die Diagnose möglicherweise deshalb ab, weil er die Reaktionen seines Umfeldes fürchtet.

Der Erleichterte hingegen betrachtet das Ganze aus einer anderen Perspektive. Für ihn haben all die unerklärlichen Beschwerden, unter denen er in den letzten Wochen, Monaten oder gar Jahren gelitten hat, endlich einen Namen gefunden. Die Ursache seines seelischen und körperlichen Leidens ist ihm und seinem Arzt bekannt. Er ist froh darüber, dass seine Erkrankung nun wirkungsvoll behandelt werden kann.

Diagnose als erster Schritt zur Besserung

Ist die Depression als solche diagnostiziert, kann unmittelbar mit der Behandlung  begonnen werden. Im Regelfall beginnt eine solche antidepressive Behandlung damit, dass der Arzt dem depressiven Patienten Medikamente verordnet.

Ziel ist es, die Stoffwechselstörung, die dieser Erkrankung zu Grunde liegt, wieder in den Griff zu bekommen. Dies kann nicht von heute auf morgen geschehen, sondern erfordert ein wenig Zeit.

Für manch einen Patienten bedeutet das einen langen Weg. Doch wie am Ende jedes langen Wegs gibt es auch bei der Behandlung der Depression ein Ziel, und das heißt: sich wieder richtig gesund zu fühlen.

Der Mediziner spricht in diesem Zusammenhang von Remission, was nichts anderes bedeutet, als dass der Patient nahezu keine Symptome mehr aufweist, sondern fast gänzlich von seinen seelischen und körperlichen Beschwerden befreit ist.

Durststrecken sind ganz normal

Der Verlauf der Behandlung der Depression ist durch einige Besonderheiten gekennzeichnet. So gilt für jede medikamentöse Therapie, dass sich die Wirkung der Medikamente nicht von heute auf morgen zeigt. Vielmehr bedarf es einer gewissen Zeit, bis eine Besserung des seelischen und körperlichen Zustandes des Patienten sichtbar wird. Bei den meisten Präparaten beträgt die Zeitspanne zwischen erstmaliger Einnahme des Medikamentes und sichtbarer Besserung zwei bis vier Wochen.

Aber auch wenn die Wirkung nach dieser Zeit einsetzt und der Betroffene endlich eine Besserung seines Befindens verspürt, bedeutet das nicht, dass es von nun an nur noch bergauf geht. Jeder Mensch hat zwischenzeitlich Stimmungsschwankungen. Und so kann es passieren, dass der depressive Patient auch in einer Phase, in der es ihm besser geht, Tage erleben wird, an denen es ihm wieder schlechter geht. Das ist eine völlig normale Entwicklung im Rahmen des Gesundungsprozesses.

In dieser Zeit sollte der Betroffene keinesfalls die Hoffnung auf Besserung aufgeben und auch nicht eigenmächtig die Medikamente absetzen. Denn auch dieser Zustand kann rasch wieder vorübergehen. Ist dies nicht der Fall, sollte der Patient unbedingt seinen Arzt aufsuchen.

Mögliche Nebenwirkungen

Es gibt Ereignisse, die bei vielen Antidepressiva auftreten können. Dazu gehört z. B. eine anfängliche Übelkeit. Diese typischen Nebenwirkungen klingen jedoch oft bereits nach der ersten Behandlungswoche ab und treten im weiteren Verlauf dann in der Regel auch nicht mehr auf.

Häufig bekommt der Betroffene – hat er sich einmal mit dem Gedanken einer medikamentösen Therapie angefreundet - es mit der Angst zu tun, wenn er den Beipackzettel gelesen hat. Die schier endlosen Aufzählungen von Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen erzeugen bei dem einen oder anderen sicher ein ungutes Gefühl.

Unabhängig davon, wie kurz oder lang der Beipackzettel ist, können Sie jedoch sicher sein, dass jedes Medikament im Rahmen klinischer Studien intensiv untersucht und auf das Auftreten von Nebenwirkungen getestet worden ist. Und nebenwirkungsfrei ist keines der genannten Präparate: Es gibt Ereigneisse, die bei vielen Antidepressiva auftreten können, z. B. eine anfängliche Übelkeit. Andere Nebenwirkungen hängen von der jeweiligen Substanzgruppe ab, zu der das Medikament gehört (siehe auch unter Medikamentöse Therapie).

Wenn Nebenwirkungen auftreten, sollte der Patient sie offen beim Arzt ansprechen. Wichtig ist, nicht eigenmächtig die Dosis zu reduzieren oder gar das Medikament komplett abzusetzen.

Im Gegensatz zum Patienten weiß der Arzt, was er veranlassen muss, damit die Nebenwirkungen abklingen, ohne dass die Wirkung des Medikamentes aussetzt. Ein eigenständiges Absetzen des Medikamentes hingegen könnte zu einem Rückfall, d. h. zu einer schwerwiegenden Verschlechterung des gebesserten Zustandes, führen.

Was tun tagtäglich?

Was ein depressiver Mensch neben der Medikamenteneinnahme noch tun kann, um die Depression zu besiegen, hängt davon ab, wie er sich momentan gerade fühlt. Eins gilt jedoch unabhängig davon, wie gut oder schlecht es dem Patienten aktuell geht: Wenn der Betroffene mit Hilfe der Medikamente wieder die Fähigkeit erlangt hat, seine Umwelt wahrzunehmen und an ihr teilzuhaben, sollte er versuchen, mit Vertrauten über seine Erkrankung zu sprechen.

Nur wenn auch das Umfeld weiß, warum der Betroffene sich so verhält, wie er sich momentan verhält, kann es entsprechend darauf reagieren. Auch führt das Einbeziehen von Vertrauten häufig erst dazu, dass der Betroffene in seinem Gesundungsprozess Unterstützung erhält. Diese Unterstützung ist sehr wichtig und bedeutet sehr viel.

Der depressive Mensch sollte trotz seiner Erkrankung – im Rahmen seiner Fähigkeiten – aber immer auch selbst versuchen, zur Besserung seines seelischen und körperlichen Befindens beizutragen. Sicherlich ist dies häufig mit großer Anstrengung verbunden und erfordert je nach aktuellem Zustand viel Überwindung.

Es ist jedoch sehr wichtig, dass der Patient eigene Aktivitäten einbringt.

Besonders wichtig ist jedoch, dass der Betroffene professionelle Hilfe in Anspruch nimmt. Denn der Arzt weiß, wie er dem seelischen und körperlichen Leiden der Patienten begegnen und ihnen helfen kann, wieder in ein normaleres Alltagsleben zurück zu finden.

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Tipps für Angehörige

Wie Angehörige die Depression erleben

Bevor die Depression diagnostiziert wird und eine adäquate Therapie zum Einsatz kommt, vergeht häufig eine lange Zeit, in der sich die Patienten müde fühlen, schlecht schlafen und unter unbestimmten körperlichen Beschwerden leiden.

Sie sind nicht mehr in der Lage, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen oder auf die Gefühle anderer einzugehen. Ihnen fehlt es an Spontaneität und Lebensfreude. Die Interessen und Hobbys der Patienten verflachen, das sexuelle Interesse sinkt, und die Personen sind immer weniger belastbar. Angehörige und Partner kennen diese Situation und verzweifeln oft daran.

Diagnose als Erleichterung

Die Angehörigen depressiver Patienten registrieren Veränderungen im Verhalten des Familienmitglieds, wissen aber zu diesem Zeitpunkt nicht, worauf diese zurückzuführen sind. Der Betroffene hilft ihnen in dieser Situation in der Regel auch wenig weiter.

Denn in den seltensten Fällen ist der Betroffene in der Lage, das, was er momentan erlebt, in Worte zu fassen und anderen gegenüber begreiflich zu machen. Es ist also nicht verwunderlich, dass es zu missverständlichen Situationen und den daraus resultierenden Spannungen zwischen Angehörigen und Patient kommt.

Wird dann endlich die Diagnose gestellt, sollte das für Angehörige und Betroffene kein Erschrecken, sondern eine Erleichterung bedeuten. Denn kennen Betroffene und Angehörige den Grund für die Verhaltensänderungen, und ist die Erkrankung Depression erstmalig offen ausgesprochen worden, so fällt es häufig leichter, auch innerhalb des Familienkreises das Gespräch zu suchen. Auch auf anfänglich unerklärlich scheinende Reaktionen des Patienten kann so entsprechend reagiert werden.

Angehörige sind wichtig für den Gesundungsprozess

Damit es jedoch zu dem offenen Gespräch zwischen Angehörigem und depressivem Patienten kommen kann, muss die Erkrankung erst einmal erkannt werden. Hierzu ist professionelle Hilfe erforderlich.

Und genau an dieser Stelle kommen die Angehörigen ins Spiel. Häufig sind sie es, die den Betroffenen überhaupt erst dazu bewegen, mit seinen Beschwerden einen Arzt aufzusuchen.

Doch nicht nur bei der Diagnose, sondern auch bei der weiteren Behandlung spielen sie eine sehr wichtige Rolle. Denn in der Regel kennt niemand den Patienten besser als der Angehörige selbst. Beschreibt der Angehörige den Zustand des Patienten im Gespräch mit dem Arzt, kann diese Beschreibung dem Arzt wichtige Hinweise für die Erstellung eines entsprechenden Therapieplanes liefern.

Und im Laufe der Behandlung kann die Aufforderung des Patienten durch den Angehörigen, seine Medikamente regelmäßig einzunehmen und sich auch bei potenziellen Rückschlägen an die Therapie zu halten, sehr wichtig sein.

Auch bei ergänzenden Therapien, wie z. B. der Psychotherapie, ist die Unterstützung der Angehörigen sehr hilfreich, wenn nicht gar erforderlich. Um diese Unterstützung leisten zu können, müssen Angehörige und Partner das Krankheitsbild kennen und auch über die Behandlungsmöglichkeiten informiert sein.

Denn nur das Verstehen der Situation des Betroffenen und das Wissen über potenzielle Hilfsangebote ermöglicht es, den Patienten ganzheitlich in der auch für ihn neuen Situation zu begleiten.

Hilfe für Angehörige

Angehörigen depressiver Patienten kommt im Rahmen des Gesundungsprozesses eine enorme Verantwortung zu. Da die Situation, in der sie sich seit der Diagnose der Erkrankung ihres Familienmitgliedes befinden, auch für sie völlig neu ist, müssen sie zunächst einmal versuchen, sich selbst zurechtzufinden. Gleichzeitig müssen sie aber auch für den Patienten da sein.

Diese Gratwanderung kann für den ein oder anderen eine wirkliche Belastung darstellen. Eben deshalb ist es für Angehörige wichtig zu wissen, dass es auch für sie verschiedene Hilfsangebote gibt.

Dies kann das klärende Gespräch mit der Freundin, die Teilnahme an einer Angehörigengruppe oder auch der Beistand eines Psychologen sein.

Vielen Angehörigen depressiver Patienten fällt es im Gespräch mit Freund oder Freundin leichter, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Andere wiederum nehmen lieber die neutrale Hilfe eines ausgebildeten Psychologen oder Psychiaters in Anspruch. Wieder andere suchen den direkten Kontakt zu Angehörigen, die sich in genau der gleichen Situation befinden, da sie sich hiervon größere Hilfestellungen versprechen. Und tatsächlich können in Angehörigengruppen wertvolle Tipps für den Alltag mit depressiven Menschen gewonnen werden, ebenso wie dort auch neue Freundschaften geschlossen werden können.

Adressen von Angehörigengruppen und von Beratungsstellen für Angehörige können über den Arzt, die Gemeinde und die freien Wohlfahrtsverbände erfragt werden.

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