Darmkrebs

Darmkrebs ist ein bösartiger Tumor (Krebsgeschwür) des Darms, der in den meisten Fällen von der inneren Schicht des Darms, der Darmschleimhaut, ausgeht.1 Bösartige Tumoren, die aus Haut- oder Schleimhautzellen entstehen, werden in der Medizin als Karzinome bezeichnet. Je nach Lokalisation des Tumors spricht man beim Darmkrebs von einem Kolonkarzinom (Lokalisation im Dickdarm) oder Rektumkarzinom (Lokalisation im Enddarm). Zusammenfassend werden beide auch als kolorektale Karzinome bezeichnet.

Daneben gibt es weitere Darmkrebs-Formen, wie Tumoren des längsten Darmabschnitts, des Dünndarms. Sie gehen nicht von der Darmschleimhaut aus, sonde¬rn von hormonfreisetzenden (sogenannten neuroendokrin¬en) Zellen. Sie sind aber viel seltener als die oben genannten Karzinome und werden hier nicht berücksichtigt.2

Häufigkeit von Darmkrebs

Etwa jede achte Krebserkrankung von Frauen und Männern in Deutschland betrifft den Darm. Im Jahr 2012 erkrankten in Deutschland rund 62.000 Menschen neu an Darmkrebs, rund 26.000 Betroffene verstarben.2 Im Jahr 2015 waren es rund 24.400 Menschen, für die das Kolon- bzw. Enddarm-Karzinom tödlich velief.3

Sowohl die altersstandardisierten* Erkrankungsraten als auch die absoluten Neuerkrankungen sind in den letzten Jahren rückläufig. Die altersstandardisierten Sterberaten sind in den letzten 10 Jahren bei beiden Geschlechtern um mehr als 20 % gesunken. Das zeigt: Immer mehr Menschen können langfristig mit der Erkrankung leben bzw. profitieren nach Meinung von Fachleuten von der empfohlenen Darmkrebsfrüherkennung.1-3

* Altersstandardisierte Sterberaten: Diese Zahl gibt an, wie viele Menschen an ihrer Erkrankung sterben, rechnet dabei aber die allgemeine Sterberate für die jeweilige Altersgruppe mit ein.

Darmkrebs tritt zu zwei Drittel (66%) im Dickdarm auf, etwa 30 % betreffen den kürzeren Enddarm, die übrigen 4 % verteilen sich auf den Übergang zwischen Dick- und Enddarm (das sogenannte Rektosigmoid) bzw. den Analkanal.2

Bei Frauen liegt Darmkrebs, bezogen auf die prozentuale Verteilung von Krebsneuerkrankungen, an zweiter Stelle hinter Brustkrebs. Bei Männern nimmt Darmkrebs Position 3 nach Prostata- und Lungenkrebs ein.2

Krebsneuerkrankungen 2012
Prozentuale Verteilung der Krebsneuerkrankungen (außer Hautkrebsformen, die nicht zum Melanom [schwarzer Hautkrebs] zugeordnet werden) in Deutschland aus dem Jahr 2012.2

Darmkrebs ist eine Erkrankung des höheren Alters. Das mittlere Erkrankungsalter beträgt bei Männern 72, bei Frauen 75 Jahre. Mehr als die Hälfte der Betroffenen erkrankt in einem Alter jenseits des 70. Lebensjahres, nur etwa 10 % sind jünger als 55, wenn die Erstdiagnose gestellt wird.2

Aufgrund der westlichen Lebensgewohnheiten ist die Häufigkeit von kolorektalen Karzinomen trotz verbesserter Vorsorge- und Therapiemaßnahmen weiterhin sehr hoch. Es wurde bewiesen, dass ein hoher Grad an körperlicher Aktivität, sowie das Vermeiden von Rauchen, Übergewicht und übermäßigem Alkoholkonsum das Risiko für Darmkrebs reduzieren können. Auch eine ballaststoffreiche Ernährung kann hierzu beitragen.4

Verlauf und Prognose

Der Krankheitsverlauf bei Darmkrebs hängt stark davon ab, in welchem Stadium sich der Krebs zum Zeitpunkt der Diagnose befindet. Je früher er entdeckt wird, umso größer sind die Heilungsaussichten. Die besten Chancen bestehen, wenn der Krebs nur auf den Darm beschränkt ist. Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten, sinken die Heilungschancen deutlich.1

Ab dem Alter von 50 Jahren hat in Deutschland jeder gesetzlich Versicherte Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs. Dazu gehören ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl und ab dem Alter von 55 Jahren eine große Darmspiegelung.2 Bei der Darmspiegelung können sogar Krebsvorstufen entfernt werden, bevor sie entarten. Daher kann diese Untersuchung eine echte Krebsvorsorge sein, und nicht nur eine Möglichkeit zur frühen Entdeckung schon vorhandener Tumoren.

Nicht zuletzt dank des gesetzlichen Früherkennungsprogramms, zählt Darmkrebs heute zu den Krebserkrankungen mit mittlerer Prog¬nose. Fünf Jahre nachdem der Krebs festgestellt wurde, leben noch knapp zwei Drittel der Erkrankten.2,5 Hundertprozentige Sicherheit bietet die Krebsvorsorge aber nicht. Rein statistisch lässt es sich nie ganz ausschließen, dass auch Menschen an Darmkrebs erkranken, die regelmäßig zur Vorsorge gegangen sind und sehr gesund gelebt haben.3

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Verdauungstrakt, Darm

Verdauungstrakt
Der Verdauungstrakt

Den Verdauungstrakt des Menschen kann man sich als schlauchartiges Gebilde vorstellen. Er besteht von oben nach unten aus:

  • Mund
  • Rachen
  • Speiseröhre
  • Magen
  • Dünndarm
  • Dickdarm
  • Enddarm, Mastdarm
  • Anus (After)

Zum Verdauungssystem gehören außerdem die Bauchspeicheldrüse, die Leber und die Gallenblase.

Die Nahrung wird zunächst im Mund mit den Zähnen zerkleinert und mit Speichel durchmischt. Der Speichel leitet die Verdauung der zuckerhaltigen Lebensmittel (Kohlenhydrate) ein und macht feste Bissen gleitfähig, damit sie besser geschluckt werden können.

Beim Schlucken gelangt die Nahrung über die Speiseröhre in den Magen. In Magen und Darm wird die Nahrung weiter aufgespalten ("verdaut"). Dabei helfen die Verdauungssäfte der Bauchspeicheldrüse und die Galle. Wichtige Nährstoffe werden vom Dünndarm aufgenommen und gelangen über das Blut in die Leber, dem wichtigsten Stoffwechselorgan im Körper. Dort werden die Nahrungsbestandteile weiter verarbeitet und teilweise gespeichert. Unverdauliches wird als Stuhl aus dem Körper wieder ausgeschieden.

Der Darm

Der Darm ist ein schlauchförmiges Hohlorgan. Er beginnt am sogenannten Pförtnermuskel des Magens (Pylorus) und endet mit dem Anus. Der Darm besteht aus drei größeren Abschnitten: dem Dünndarm, dem Dickdarm und dem Enddarm. Alle drei Abschnitte übernehmen unterschiedliche Aufgaben.

Der Dünndarm

Der Dünndarm kann eine Länge von ca. 6 Metern erreichen. In ihn münden die Ausführungsgänge von Leber und Bauchspeicheldrüse. Im Dünndarm wird z.B. die Magensäure neutralisiert und es werden verschiedene Verdauungsenzyme aktiviert. Diese helfen dabei, die Nahrung für die Aufnahme in den Blutkreislauf zu zerkleinern. Da die Dünndarmschleimhaut vielfach gefaltet ist, steht eine große Fläche für die Aufnahme (Resorption) der Nahrung zur Verfügung. Auch Vitamine, wie beispielsweise Vitamin B12, oder verschiedene Salze werden aus dem Dünndarm in den Blutkreislauf aufgenommen.

Der Dickdarm

Der Dickdarm umschließt den Dünndarm wie ein Rahmen. Seine Hauptaufgabe liegt darin, den bereits im Dünndarm vorverarbeiteten Stuhl einzudicken und ihm Wasser zu entziehen. Viele hilfreiche Bakterien besiedeln die Schleimhäute des Dickdarmes. Sie sind an der Zerlegung des Stuhls maßgeblich beteiligt.

Der Enddarm

Der Enddarm spielt eine wichtige Rolle für die Stuhlkontinenz bei uns Menschen. Im Enddarm kann der Stuhl vor der Entleerung mehrere Stunden gespeichert werden. Zu diesem Zweck gibt es verschieden Muskeln und Gefäßgeflechte, die wie ein Polster für einen Verschlussmechanismus sorgen können.

Darmabschnitte des Dickdarms

  • Grimmdarm (lateinisch: Kolon) – unterteilt sich weiter in die Abschnitte: aufsteigendes Kolon, querverlaufendes Kolon, absteigendes Kolon und Sigma.
  • Mastdarm oder Enddarm (lateinisch: Rektum) – 16 Zentimeter lang – entzieht den Nahrungsresten noch Wasser und Salze und sammelt diese für die nächste Stuhlentleerung.
  • After oder Anus – Darmausgang am Ende des Rektums mit dem Schließmuskel.

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Ursachen

Untersuchungen haben gezeigt, dass bösartige kolorektale Karzinome häufig aus gutartigen Darmtumoren, sog. Darmpolypen (auch: Adenome), entstehen können. Aus diesem Grund wird der Entstehungsweg von Darmkrebs auch als Adenom-Karzinom-Sequenz bezeichnet. Nach der Entfernung kann ein Pathologe unter dem Mikroskop entscheiden, ob es sich um ein harmloses („low risk“) oder um ein potenziell bedrohliches („high risk“) Adenom handelt. Letztendlich führt die Entartung gutartiger Adenomzellen zu bösartigen Karzinomzellen also zur Entstehung von Darmkrebs.6

Wodurch Darmkrebs genau ausgelöst wird, ist bis heute nicht bekannt. Es gibt aber einige Risikofaktoren, die mit der Entstehung von Darmkrebs in Zusammenhang gebracht werden.2-5

Rauchen und Übergewicht

Am stärksten wirken sich Rauchen und Übergewicht aus. Im Tabakrauch enthaltene karzinogene Substanzen reagieren mit dem Erbgut der Zellen im menschlichen Körper. Dabei kann es zu Veränderungen oder Mutationen kommen, die die Steuerung von Wachstum, Teilung und Überlebenszeit einer Zelle entgleisen oder versagen lassen. Die Zelle kann sich dann unkontrolliert vermehren und es kommt zum Krebswachstum.7

Ernährung und Bewegungsmangel

Weitere Risikofaktoren für Darmkrebs sind Bewegungsmangel und bestimmte Ernährungsgewohnheiten. Insbesondere der häufige Verzehr von ballaststoffarmer Kost oder rotem Fleisch (Rind, Schwein, Lamm) bzw. Wurstwaren aus rotem Fleisch können das Risiko für Darmkrebs erhöhen. Weißes Fleisch (Geflügel) hat keinen messbaren Einfluss auf das Darmkrebsrisiko. Die Rolle von Fisch wird derzeit diskutiert. Hierzu gibt es noch keine ausreichenden Daten.7

Alkohol

Wer regelmäßig Alkohol trinkt, hat ein erhöhtes Darmkrebsrisiko. Wie genau Alkohol die Krebsentstehung beeinflusst, wird noch erforscht. Vermutlich spielen bestimmte Stoffe, die beim Abbau von Alkohol im Körper entstehen, eine Rolle bei der Krebsentstehung. Diese Stoffe sind sehr reaktionsfreudig und können leicht Bindungen mit anderen Molekülen eingehen, darunter auch mit Bausteinen der Erbsubstanz (DNA, Desoxyribonukleinsäure).7

Genetische Veranlagung und Vorerkrankungen

Bei manchen Menschen besteht eine erbliche Veranlagung zu Darmkrebs.7,8 Ist bereits ein Familienangehöriger ersten Grades (Eltern, Geschwister) an Darmkrebs erkrankt, dann ist das Risiko, selbst an Darmkrebs zu erkranken zwei- bis dreifach erhöht.2 Bei einigen seltenen erblichen Erkrankungen besteht bereits in jüngeren Jahren ein sehr hohes Risiko zu erkranken.2

Darüber hinaus können auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen in geringerem Umfang das Erkrankungsrisiko erhöhen.2

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Symptome

Darmkrebs wächst meist sehr langsam und verursacht er zu Beginn seines Wachstums gewöhnlich keine oder sehr untypische Symptome. In frühen Stadien wird ein Darmkrebs daher eher zufällig entdeckt, etwa bei einer Untersuchung aus einem anderen Anlass.8

Hinweise und Warnzeichen

Die folgenden Symptome können auf Darmkrebs hindeuten, sie können aber auch Hinweise auf eine ganz andere Darmerkrankung sein.8 Daher ist es wichtig, die Anzeichen immer von einem Arzt abklären zu lassen.

  • häufiger Stuhldrang oder wiederholte Verstopfung
  • Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall
  • sichtbares Blut im Stuhl (frisches Blut färbt den Stuhl rot, älteres eher schwarz)
  • Schleim, der dem Stuhl beigemengt ist, oder übelriechender Stuhl
  • bleistiftdünner Stuhl (durch Verengungen im Darm)
  • häufige starke Darmgeräusche und Blähungen
  • Schmerzen beim Stuhlgang oder wiederholt krampfartige Bauchschmerzen

Natürlich hat jeder einmal Verdauungsbeschwerden und die müssen nicht unbedingt auf Darmkrebs hinweisen. Durchfall und Blähungen können beispielweise auch Ausdruck einer unausgewogenen Ernährung, von Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Darmentzündungen sein. Blut im Stuhl ist bei vielen Menschen auf ein Hämorrhoidalleiden zurückzuführen. Treten solche Beschwerden allerdings anhaltend oder wiederholt auf und bessern sie sich trotz Selbstbehandlung nicht, sollten sie von einem Arzt abgeklärt werden. Das gilt insbesondere für ältere Menschen und/oder wenn man derartige Darmbeschwerden zuvor noch nie hatte oder wenn Darmkrebs in der eigenen Familie bereits aufgetreten ist.

Im fortgeschrittenen Stadium sind die Symptome eindeutiger8:

  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Verhärtung im Bauch tastbar
  • Leistungsabfall, Müdigkeit
  • starke, kolikartige Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen (Darmverschluss)

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Diagnose

Wenn Darmkrebs früh entdeckt wird, sind die Heilungsaussichten gut. Daher wird heute ein Früherkennungsprogramm empfohlen.8 Dazu gehören ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl und eine Darmspiegelung.10,11 Dabei können sogar Krebsvorstufen entfernt werden, bevor sie entarten. Daher kann diese Untersuchung eine echte Krebsvorsorge sein, und nicht nur eine Möglichkeit zur frühen Entdeckung schon vorhandener Tumoren.

Früherkennungsprogramm

Zum gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm in Deutschland gehören ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl sowie eine Darmspiegelung. Diese Untersuchungen werden ab einem Alter von 50 bzw. 55 Jahren empfohlen.10,11

Stuhltest

Das Prinzip des Tests: Tumore im Darm bluten häufig und das Blut wird oft mit dem Stuhl ausgeschieden. Meist ist die Menge aber so gering, dass man das Blut mit bloßem Auge nicht sieht. Mit dem Stuhltest können mittels biochemischer Methoden nicht sichtbare Mengen an Blut (sogenanntes "okkultes, also verstecktes Blut) im Stuhl nachgewiesen werden.

Der Stuhltest wird zuhause mit Teststreifen aus Karton durchgeführt. Daher bezeichnet man ihn auch als Papierstreifen- oder Guajak-Test, unabhängig vom tatsächlichen Markennamen des verwendeten Testsets. Der Fachbegriff lautet "guajakbasierter fäkaler Okkultbluttest", abgekürzt gFOBT.10,11 Die Teststreifen werden beim Arzt abgegeben und die Stuhlproben im Labor untersucht.

Darmspiegelung (Koloskopie)

Die Spiegelung des Darms (Koloskopie) ist derzeit die zuverlässigste Methode zur Darmkrebsfrüherkennung.8 Bei der Koloskopie wird ein dünner biegsamer Schlauch mit eingebauter Minikamera durch den Anus in den Dickdarm vorgeschoben. Man unterscheidet zwischen der „kleinen Darmspiegelung“, bei der nur die letzten 60 cm des Enddarms angeschaut werden, und der großen Darmspiegelung, die das gesamte Dickdarminnere darstellt.

Mit dem Koloskop kann der Arzt den Darm auf krankhafte Veränderungen absuchen. Findet er Polypen bzw. krebsverdächtiges Gewebe, kann er diese gleich entfernen bzw. eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen. Diese wird anschließend im Labor unter dem Mikroskop untersucht. Finden sich Krebszellen, dann steht die Diagnose „Darmkrebs“ fest.

Weitere Untersuchungen zur Stadieneinteilung

CT
Computertomographie (CT)

Zu Beginn der Erkrankung beschränkt sich der Darmkrebs auf die innerste Schicht der Darmschleimhaut. Im weiteren Verlauf wächst der Krebs tiefer in die Darmwand hinein. Ab diesem Zeitpunkt besteht die Gefahr, dass sich Krebszellen ablösen und über die Blutbahn bzw. das Lymphsystem in andere Regionen und Organe des Körpers, wie zum Beispiel in die Leber, gelangen. Dort können sich dann aus den verschleppten Krebszellen weitere Krebsabsiedlungen bilden, sogenannte Metastasen.

Um das genaue Stadium der Erkrankung zu ermitteln, erfolgen weitere Untersuchungen:5

  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraums (Untersuchung auf Metastasen über den Darm hinaus, z.B. in der Leber)
  • Röntgenuntersuchung des Brustkorbs (Untersuchung auf Metastasen in der Lunge)
  • Computertomographie (CT) (bei Verdacht auf Metastasen in Leber oder Lunge)
  • Magnetresonanztomographie (MRT) (gezielte Suche nach Metastasen in der Leber, die der Arzt im MRT oft besser beurteilen kann als mit anderen Verfahren)
  • endoskopische Ultraschalluntersuchung (Endosonographie) des Enddarms (das ist eine Ultraschalluntersuchung von innen zur Darstellung der Tumorausbreitung)

Anhand der Befunde können Mediziner dann die Tumorgröße und mögliche Lymphknoten- oder Fernmetastasen erkennen – und aus diesen drei Komponenten das Stadium der Erkrankung ableiten. So kann z.B. bei einem eher kleinen Darmkarzinom schon ein fortgeschrittenes Stadium vorliegen, wenn der Tumor bereits in andere Organe gestreut hat.

Diese Einteilung in Tumorstadien, auch „Staging“ genannt, ist deshalb so wichtig, weil sich die Therapie nach dem jeweils erreichten Stadium richtet.

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Behandlung

Zu den Behandlungsmöglichkeiten bei Darmkrebs zählen die Operation, die Chemotherapie, die Strahlentherapie und die Behandlung mit neuen, zielgerichteten Medikamenten. Wie die Behandlung im Einzelfall aussieht, hängt in erster Linie vom Krebsstadium und dem Gesundheitszustand, den Begleiterkrankungen und den Wünschen der Betroffenen ab.8 Bitte beachten Sie: Grundsätzlich ist jegliche Form der Therapie mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Die Inhalte dieser Patienteninformation können die persönliche medizinische Beratung durch einen Arzt nicht ersetzen.

Operation bei Darmkrebs

Die Operation ist die wichtigste Behandlung beim Darmkrebs. Dabei entfernen die Ärzte den Tumor wenn möglich vollständig. Nur so können Betroffene auf eine dauerhafte Heilung hoffen.

Kleine Tumoren, die noch nicht in tiefere Schichten der Darmwand eingewachsen sind, können endoskopisch (also ohne Bauchschnitt) mit einem Schlauch (ähnlich dem bei der Darmspiegelung) über den After erreicht und mit dem enthaltenen Instrument entfernt werden. Größere Kolorektalkarzinome werden operativ entfernt. Dabei entfernen die Ärzte einen Teil des Dickdarms, umliegende Lymphkoten und je nach Größe und Lokalisation des Tumors eventuell auch benachbartes Gewebe.8

Auch bei Patienten mit Enddarmkrebs (Rektumkarzinom) entfernen die Chirurgen den betroffenen Bereich des Darms und das umgebende Fett- und Bindegewebe mitsamt den darin liegenden Lymphknoten. Ob der Schließmuskel erhalten werden kann, hängt von der Lage des Tumors ab. Ist dies nicht der Fall, muss ein künstlicher Darmausgang gelegt werden.8

Um den Tumor vor der Operation möglichst zu verkleinern und so eventuell den Schließmuskel zu erhalten, bekommen manche Patienten eine vorgeschaltete unterstützende (sogenannte „neoadjuvante“) Behandlung: Entweder als Bestrahlung oder als Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie.

Chemotherapie bei Darmkrebs

Bei Tumoren die noch nicht in die Lymphknoten gestreut haben, erfolgt häufig bereits vor dem Eingriff eine Chemotherapie. Damit kann der Tumor vor der Operation etwas verkleinert werden, damit er leichter operiert werden kann und die Heilungsaussichten sich verbessern. Nach der Operation erfolgt in der Regel eine weitere Chemotherapie, die ebenfalls darauf abzielt, das Rückfallrisiko zu senken und damit die Heilungschancen zu vergrößern. Diese Art der Behandlung, die die Heilung der Krebserkrankung zum Ziel hat, wird als kurative Therapie bezeichnet.8

Hat der Tumor sich bereits zu stark ausgebreitet oder liegen die Metastasen ungünstig, sodass der Tumor nicht mehr vollständig operativ entfernt werden kann, wird ebenfalls eine Chemotherapie durchgeführt. Ziele der Chemotherapie sind in diesem Fall die Linderung von Beschwerden, die Verbesserung der Lebensqualität und möglicherweise auch die Verlängerung der Lebenszeit. Diese Art der Behandlung wird als „palliative Therapie“ bezeichnet. Die zur Chemotherapie eingesetzten zellschädigenden Medikamente (sogenannte Zytostatika) hemmen zwar bevorzugt das Wachstum von Krebszellen, sie schädigen aber in gewissem Ausmaß auch gesunde Zellen, was die Hauptursache für die Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind.

Die Chemotherapie wird je nach Situation durch zielgerichtete Medikamente ergänzt: Diese modernen Mittel greifen gezielt in biologische Prozesse ein, die das Wachstum und die Vermehrung von Tumorzellen vermitteln. Mit einer solchen Therapie soll das Tumorwachstum möglichst lange gebremst werden.8

Der Chemotherapie sind aber auch Grenzen gesetzt: Bei Wundheilungsstörungen nach der Operation oder bei Infektionen muss eine Chemotherapie meist verschoben werden. Und auch der Allgemeinzustand des Patienten spielt eine Rolle: Ist er sehr schlecht oder liegen Vorerkrankungen vor, kann die Chemotherapie und vor allem die Kombination von Chemo- und Strahlentherapie zu belastend sein.2

Strahlentherapie bei Darmkrebs

Bei der Strahlentherapie werden die Krebszellen gezielt mit energiereicher Strahlung derart geschädigt, dass sie sich nicht mehr vermehren können und absterben. Die Strahlentherapie kann für Patienten, deren Darmkrebserkrankung voraussichtlich geheilt werden kann, eine ergänzende Therapie zusätzlich zur chirurgischen Entfernung des Tumors sein. Die Patienten erhalten sie:2

  • vor dem Eingriff, um den Tumor möglichst zu verkleinern ("neoadjuvant") oder
  • nach der Operation, um das Rückfallrisiko zu senken ("adjuvant").

Je nach Krankheitsstadium können auch Patienten mit Metastasen eine Strahlentherapie erhalten. Sie kann beispielsweise zur gezielten Behandlung von gestreuten Krebszellen im Gehirn oder in den Knochen durchgeführt werden. In dieser Situation geht es darum, die Krankheit möglichst lange aufzuhalten, belastende Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Betroffenen zu verbessern.8

Der Strahlentherapie sind aber auch Grenzen gesetzt: Bei Wundheilungsstörungen nach der Operation oder bei Infektionen muss eine Strahlentherapie oft verschoben werden. Und auch der Allgemeinzustand des Patienten spielt eine Rolle: Ist er sehr schlecht oder liegen Vorerkrankungen vor, kann Bestrahlung zu belastend sein.8

Zielgerichtete Therapie: Behandlung mit Antikörpern

In der modernen Krebsbehandlung werden zunehmend auch sogenannte zielgerichtete Medikamente eingesetzt.8 Dabei handelt es sich z.B. um künstlich hergestellte Antikörper, die auf bestimmte Zelleigenschaften „abzielen“, die für das Krebswachstum wichtig sind. Eine Behandlung mit diesen neuartigen Medikamenten ist auch bei weit fortgeschrittenem Krebsleiden mit Metastasen möglich. Häufig werden diese Antikörper mit der Chemotherapie kombiniert. Der Krebs kann damit zwar nicht geheilt werden, es kann aber die Lebensqualität verbessert und die Überlebensdauer verlängert werden.

Beim Darmkrebs kommen zwei Arten solcher Antikörper zum Einsatz, die auf unterschiedliche Weise Krebszellen bekämpfen: „Tumor-Wachstumshemmer“ und „Angiogenesehemmer“, die die Bildung von Blutgefäßen unterbinden.8 Tumor-Wachstumshemmer blockieren bestimmte Signale in der Krebszelle, die für die Zellteilung und das Wachstum der Krebszellen wichtig sind. Dadurch können sich die Krebszellen nicht mehr vermehren und gehen zugrunde.

Wie alle anderen Körperzellen benötigen auch Krebszellen Nährstoffe und Sauerstoff. Daher muss ein wachsender Krebs ans Blutgefäßsystem angeschlossen werden, damit er diese Nährstoffe über das Blut erhält. Zu diesem Zweck senden die Krebszellen Botenstoffe aus, um in ihrer Umgebung das Wachstum neuer Blutgefäße anzuregen, die dann in den Krebs hineinwachsen und ihn mit Nährstoffen versorgen. Angiogenesehemmer blockieren an den Blutgefäßzellen die Bindungsstellen für die Tumor-Botenstoffe. So verhindern diese Medikamente, dass sich neue Blutgefäße in Richtung Tumor bilden. Die Folge: Die Krebszellen erhalten nicht ausreichend Nährstoffe und Sauerstoffe, sodass der Tumor nicht weiterwachsen kann oder sogar schrumpft.

Unterstützende Therapie

Neben den verschiedenen Behandlungsformen, die den Tumor bekämpfen, spielt auch bei Darmkrebs die sogenannte „supportive“ Therapie eine wichtige Rolle. Damit sind unterstützende Maßnahmen gemeint, die sich gegen Beschwerden richten, die von der Erkrankung selbst oder durch Nebenwirkungen der Therapie hervorgerufen werden.8

Ein typisches Beispiel für eine supportive Therapie ist die Behandlung mit Schmerzmitteln (Analgetika). Auch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, zur Infektvorbeugung oder Bluttransfusionen fallen in diesen Bereich. Bei manchen Patienten führt eine fortgeschrittene Erkrankung zu Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum, einem sogenannten „Aszites“. Die Therapie zielt dann darauf ab Betroffenen eine Entlastung vom Druck dieser Flüssigkeit und damit Erleichterung zu verschaffen.8

Besonders bei Darmkrebs gehört auch eine Ernährungsberatung zur supportiven Therapie.8 Im Kapitel „Leben mit Krebs“ finden Sie u.a. grundsätzliche Tipps zur Ernährung – und außerdem einige hilfreiche Internet-Adressen.

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Nachsorge

Nach einer erfolgreichen Behandlung von Darmkrebs werden vor allem in den ersten Jahren regelmäßige Kontrolluntersuchungen empfohlen. Die Nachsorge dient unter anderem dazu, ein Wiederauftreten der Krebserkrankung (Rezidiv) oder Metastasen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln sowie Begleit- und Folgeprobleme der Krebserkrankung oder Therapie zu erfassen und zu lindern. Das betrifft nicht nur körperliche Beschwerden, wie sie beispielsweise im Rahmen der Ernährungsumstellung bei Patienten mit einem künstlichen Darmausgang (Stoma) auftreten können. Auch Schwierigkeiten psychischer, beruflicher oder sozialer Natur sollten im Gespräch mit dem Arzt angesprochen werden, um gemeinsame Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Einen festen zeitlichen Rahmen für die Nachsorgeuntersuchungen, der für alle Darmkrebspatienten gilt, gibt es nicht. Wie oft ein Arztbesuch nach einer abgeschlossenen Behandlung im Einzelfall notwendig ist, hängt vom Stadium der Erkrankung, den Therapien und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab und wird im Gespräch mit dem Arzt speziell an die Bedürfnisse des einzelnen Patienten angepasst. Meist werden in den ersten zwei Jahren nach Therapieende alle sechs Monate Nachsorge-Termine eingeplant.9 Generell sollte aber bei neu auftretenden Beschwerden immer möglichst rasch der Arzt aufgesucht werden, ungeachtet dessen, ob ein Kontrolltermin fällig ist oder nicht.

Rehabilitationsmaßnahmen

nachsorge

Mit Rehabilitationsmaßnahmen wie Physiotherapie, Bewegungstraining oder eine auf die persönliche Situation zugeschnittene Ernährungsberatung können Patienten zusätzlich gezielt unterstützt werden, den gewohnten Alltag wieder zu meistern. Darüber hinaus kann eine psychologische Beratung dazu beitragen, die Erkrankung auch seelisch so gut wie möglich zu bewältigen.9

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Referenzen

  1. Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Darmkrebs: Informationen für Patienten, Angehörige und Interessierte.https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/was-ist-darmkrebs.php#inhalt10 (Stand: 27. April 2016).
  2. Krebs in Deutschland 2011/2012. Robert Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e.V. (GEKID). 10. überarbeitete Auflage, 2015
  3. Statistisches Bundesamt (DESTATIS), Gesundheit, Todesursachen in Deutschland 2015.https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Todesursachen/Tabellen/Krebserkrankungen.html (aufgerufen am 7. Februar 2017).
  4. S3-Leitilinie Kolorektales Karzinom (awmf). Kurzversion 1.1 – August 2014 AWMF-Registernummer: 021/007OL http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/021-007OL.html
  5. Patientenleitlinien Darmkrebs. Früherkennung von Darmkrebs, Juli 2015. Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG) und der Deutschen Krebshilfe, Berlin. http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/Darmkrebs.83.0.html.
  6. Tannapfel, Andrea; Neid, Matthias; Aust, Daniela; Baretton, Gustavo. Entstehung kolorektaler Karzinome. Unterschiedliche Wege und Vorstufen – differenzierte Nomenklatur. The Origins of Colorectal Carcinoma: Specific Nomenclature for Different Pathways and Precursor Lesions. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(43): 760-6
  7. Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Darmkrebs: Informationen für Patienten, Angehörige und Interessierte. https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/risiken/rauchen-und-passivrauchen.php#inhalt18 (Stand: 27. April 2017).
  8. Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Darmkrebs: Informationen für Patienten, Angehörige und Interessierte. http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/ (Stand: 27. April 2016)
  9. Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Darmkrebs: Informationen für Patienten, Angehörige und Interessierte. https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/nachsorge.php (Stand: 27. April 2016).

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