Lungenkrebs

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) erkranken in Deutschland jedes Jahr ca. 55.500 Menschen an Lungenkrebs.1 Allein im Jahr 2014 starben laut Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa 45.000 Patienten an bösartigen Neubildungen der Bronchien und der Lunge, darunter knapp 29.500 Männer und rund 15.500 Frauen.2 Bei Männern ist Lungenkrebs somit die häufigste, bei Frauen die zweithäufigste Krebstodesursache.2 Dennoch gibt es auch eine positive Entwicklung: So geht die Anzahl der Neuerkrankungen und Todesfälle durch Lungenkrebs bei Männern seit den 1990er Jahren deutlich zurück. Bei den Frauen hingegen steigt die Neuerkrankungsrate kontinuierlich an, was vermutlich mit den veränderten Rauchgewohnheiten von Frauen zusammenhängt. Der Großteil der Betroffenen ist älter als 65 Jahre.1

Prognose hängt von vielen Faktoren ab

Welche Heilungs- und Überlebenschancen mit einem Lungentumor bestehen, hängt von mehreren Faktoren ab. Die wichtigste Rolle spielt das Stadium der Erkrankung bei der Diagnosestellung. Ist der Krebs noch auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt, sind die Heilungs- und Überlebenschancen besser als wenn sich schon Absiedlungen (Metastasen) gebildet haben.

Die Wahrscheinlichkeit für Patienten, die nächsten fünf Jahre mit der Erkrankung zu überleben, liegt bei Männern bei 12% und bei Frauen bei 16%.1 Einfluss auf die Prognose hat neben dem Allgemeinzustand des Patienten zunehmend auch die  Art des Tumors, denn diese Information gibt wichtige Hinweise auf die am besten geeignete Therapie. So unterscheidet man z.B. zwischen  kleinzelligem und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Weiterführende Informationen zum Thema Lungenkrebs, finden Sie in der Broschüre Betroffen? - Lungenkrebs. Informationen für Patienten und ihre Angehörigen

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Die Lunge

Unsere Atmung ist so selbstverständlich, dass wir sie normalerweise kaum wahrnehmen. Erst wenn diese Funktion eingeschränkt ist, wird uns ihre Bedeutung bewusst. Denn die Lunge ist ein Organ mit lebenswichtigen Funktionen: In ihr wird der Luftsauerstoff auf die roten Blutkörperchen übertragen, die ihn über die Blutbahn im ganzen Körper an die Zellen verteilen. Die Lunge hat damit eine zentrale Funktion für die Leistungsfähigkeit des Organismus.

Innenansicht der Lunge

Die Lungen füllen einen Großteil des Brustraums (Thorax) aus. Den rechten Flügel teilen zwei tiefe Spalten in Ober-, Mittel- und Unterlappen. Wegen der linksseitigen Lage des Herzens ist der linke Lungenflügel etwas kleiner und hat nur zwei Lappen. Die Lungenlappen unterteilen sich wiederum in zehn Lungensegmente mit jeweils eigener Versorgung durch einen Bronchialast und Gefäße. Die Hauptbronchien verzweigen sich wie ein Baum in immer kleinere und feinere Äste, die Bronchien und Bronchiolen. Das Ende bilden tief im Gewebe die Lungenbläschen (Alveolen). Sie lassen die Lungen wie einen feinporigen Schwamm aussehen.

Das Äußere der Lunge ist von einer Haut, dem Lungenfell, (Pleura) über­zogen. Zwischen der Lungenoberfläche und der ebenfalls von Pleura (hier Rippenfell) ausgekleideten Brustwand befindet sich ein dünner Spalt, der mit Flüssigkeit gefüllt ist, der so genannte Pleuraspalt. Dadurch können sich bei der Atmung Lunge und Brustwand gegeneinander verschieben. Die Flüssigkeit im Pleuraspalt kann bei Entzündungen oder Tumorbefall der Pleura vermehrt sein und einen Erguss bilden.

Neben Nerven und Blutgefäßen durchziehen auch Lymphbahnen die Lunge, die Gewebeflüssigkeit und alle möglichen Abfallstoffe aufnehmen. Die abführenden Lymphgefäße verlaufen von der Lungenpforte entlang der Luftröhre und münden schließlich in das Blutgefäßsystem. Bei Krebserkrankungen können über die Lymphflüssigkeit auch Krebszellen verschleppt werden. Sie werden oft zunächst in den zwischengeschalteten Lymphknoten im Bereich der Lungenpforte und des Raums zwischen den Lungenflügeln, dem Mediastinum, abgefangen. Bei Tumorerkrankungen, aber auch bei Entzündungen, können die Lymphknoten vergrößert sein.

Wie funktioniert die Atmung

Man unterscheidet zwischen innerer und äußerer Atmung. Bei der äußeren Atmung - dem Luft holen und Ausatmen - wird Sauerstoff aufgenommen und Kohlendioxid abgegeben. Unter innerer Atmung versteht man den Sauerstofftransport durch das Blut bis zu den Körperzellen bzw. die Abgabe des Kohlendioxids aus der Zelle.

Ein Erwachsener atmet in Ruhe etwa zwölf bis fünfzehn Mal pro Minute ein und wieder aus. Bei jedem Atemzug wird ungefähr ein halber Liter Luft eingeatmet. Die Atemluft gelangt durch Mund oder Nase über die Luftröhre (Trachea) hinunter in den Brustkorb zu den beiden Hauptbronchien und von da aus in die immer feiner werdenden Bronchien. Die Luftröhre und das Bronchialsystem sind von einer Schleimhaut ausgekleidet. Ihre Oberfläche ist bedeckt von einem schleimigen Sekret, das Schwebteilchen und Staubpartikel aus der Atemluft bindet. Ein dichter Besatz an beweglichen Flimmerhärchen sorgt für einen beständigen Transport aus den Atemwegen heraus, der durch Räuspern und Husten unterstützt wird. Dieser fortlaufende Prozess dient der Reinigung und Freihaltung der Atemwege.

In den Alveolen, die sich wie Weintrauben um einen Bronchiolus gruppieren, findet der Gasaustausch statt. Hier stehen Luftwege und Blutgefäße in engster Verbindung. Durch die Wände der etwa 300 Millionen Lungenbläschen, die zusammengenommen eine tennisplatzgroße Fläche von 100 bis 120 Quadratmetern bilden, wird Sauerstoff ins Blut aufgenommen und Kohlen­dioxid aus dem Blut in die Atemluft abgegeben. Das sauerstoffarme Blut wird in der Lunge wieder mit Sauerstoff angereichert und fließt zum Herzen zurück.





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Ursachen

Ursachen - wie entsteht Lungenkrebs?

Wie es dazu kommt, dass sich Zellen in Krebszellen verwandeln, ist noch nicht vollständig geklärt. Prinzipiell gehen Wissenschaftler von einer Anhäufung krebsfördernder Veränderungen im Bau- und Betriebsplan der Zellen, dem Erbgut, aus. Nach dessen „Anweisungen“ wächst und lebt eine Zelle. Im Laufe des Lebens kann sich das Erbgut durch verschiedene Einflüsse verändern. Der Körper hat jedoch wirkungsvolle Kontrollmechanismen, um solche defekten Zellen auszuschalten. Es kann aber vorkommen, dass eine Zelle mit einer krebsbegünstigenden Veränderung dieser Kontrolle entgeht und sich durch Teilung vermehren kann. Sie gibt dann die Erbgutveränderung an ihre "Tochterzelle" weiter, die wieder neue Veränderungen generiert. Auf diese Weise kann über mehrere Zell-Generationen hinweg schließlich eine Krebszelle entstehen.

Risikofaktoren lassen sich vermeiden

Ob sich aus einer Krebszelle tatsächlich ein Tumor entwickelt, wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Welche Bedeutung diese im Einzelnen haben und wie sie genau zusammenwirken, ist noch ungeklärt. Eine Reihe von Faktoren, die das persönliche Erkrankungsrisiko erhöhen, sind jedoch gerade bei Lungenkrebs gut bekannt. Verhaltensänderungen und Vorsichtsmaßnahmen sind daher die beste Vorbeugung gegen Lungenkrebs, zumal es derzeit keine anerkannte Früherkennungsuntersuchung gibt.

Tabakkonsum

An erster Stelle stehen schädigende Substanzen, die mit der Atemluft in die Lunge gelangen. Der mit Abstand wichtigste Risikofaktor ist der Zigarettenrauch mit allein über 40 schädigenden Inhaltsstoffen. Das Risiko, Lungenkrebs zu entwickeln, steigt in Abhängigkeit von der Anzahl der gerauchten Zigaretten pro Tag bis zum 20- bis 30-fachen eines Nichtrauchers. Auch die Dauer des Rauchens und der Zeitpunkt des Beginns spielen eine Rolle. Etwa jeder zehnte Raucher erkrankt im Laufe seines Lebens an einem Lungentumor, im Durchschnitt 30 bis 40 Jahre nach Beginn des Zigarettenkonsums. Bei Pfeifenrauchern oder Zigarrenrauchern ist das Risiko für Lungenkrebs zwar etwas geringer, aber immer noch sehr viel höher als bei Nichtrauchern.

Auch Passivrauchen erhöht das Risiko. Wer mit einem Raucher zusammenlebt oder bei der Arbeit Tabakrauch ausgesetzt ist, hat ein um 20% bis 30% erhöhtes Lungenkrebsrisiko.

Mit dem Rauchen aufzuhören lohnt sich immer!

Wenn ein starker Raucher seine Gewohnheit aufgibt, sinkt auch sein Erkrankungsrisiko - nach fünf Jahren um 60 Prozent, nach 15 bis 20 Jahren sogar um 90 Prozent. Unterstützung und Beratung auf dem Weg zum Nichtraucher bietet zum Beispiel das Rauchertelefon des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Schadstoffe am Arbeitsplatz und in der Umwelt

Am Arbeitsplatz eingeatmete chemische Substanzen können besonders in Kombination mit dem Rauchen ebenfalls krebsfördernd sein. Hierzu zählen beispielsweise Asbest, Arsen, Chrom, Nickel, aromatische Kohlenwasserstoffe und Radon. Auch durch eine sehr hohe Schadstoffbelastung der Außenluft - zum Beispiel durch Dieselruß - kann sich das Lungenkrebsrisiko etwa auf das Eineinhalbfache erhöhen.

Schlechte Ernährung

Bei wenig Verzehr von Obst und Gemüse ist das Lungenkrebsrisiko auf das Doppelte erhöht. Wichtig ist dabei, dass Vitaminpräparate kein Ersatz für frische Produkte sind. Im Gegenteil, Studien haben ergeben, dass die Einnahme von Präparaten mit Vitamin A und E entgegen den ursprünglichen Annahmen das Lungenkrebsrisiko nicht senkt, sondern bei Rauchern sogar erhöhen kann.

Vererbung

Ererbte Faktoren scheinen bei der Entstehung von Lungenkrebs eine Rolle zu spielen. Auf diesem Gebiet wird derzeit noch sehr viel geforscht. Einige Genveränderungen, die das Erkrankungsrisiko erhöhen, konnten bereits identifiziert werden. In der Regel entstehen diese jedoch erst im Laufe des Lebens, unter anderem durch schädigende Einflüsse.

Weiterführende Literaturhinweise:

  • Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Risikofaktoren: Wie entsteht Lungenkrebs? www.krebsinformation.de
  • Krebs in Deutschland 2009/2010, Häufigkeiten und Trends. Robert-Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e. V. (GEKID), 9. überarbeitete Auflage, 2013
  • Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): Lungenkrebs: Ursachen und Risikofaktoren. http://www.krebsgesellschaft.de/
  • Lungenkrebs – ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Heft 10 aus der Blauen Reihe der Deutschen Krebshilfe (Stand: 3/2013)
  • Delbrück, H.: Lungenkrebs - Rat und Hilfe für Betroffene und Angehörige. 5. überarbeitete Auflage. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, Juni 2009
  • Aulitzky, W.: Handbuch Krebs: Alles zur Vorsorge, Diagnose, Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen. Süd-West-Verlag, München 2007.
  • Deutsches Ärzteblatt: Studie: Vitamin E erhöht Krebsrisiko bei Rauchern. Deutsches Ärzteblatt, Online-Publikation (3.3.2008)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)(Hrsg.): Passivrauchen – auch wenig ist zu viel Heidelberg, 2006
  • Ammon, A., Meyer, D.: Lebenszeit - Zeit zum Leben. Ein Ratgeber für Menschen mit Krebs, W. Zuckschwerdt Verlag, München 2004.

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Früherkennung von Lungenkrebs

Obwohl auch beim Lungenkarzinom eine frühzeitige Erkennung die Behandlungsmöglichkeiten und die Heilungschancen deutlich verbessert, gibt es bisher keine für die breite Anwendung geeignete Früherkennungsuntersuchung. Regelmäßiges Röntgen, aber auch einfache Untersuchungen von abgehustetem Bronchialsekret (Sputum) waren bisher nicht zuverlässig genug. Zum anderen gibt es bisher keinen Beweis, dass eine solche Reihenuntersuchung die Sterblichkeit bezogen auf die Gesamtbevölkerung tatsächlich verringert.

Seit einiger Zeit werden jedoch neue Methoden erprobt, so etwa die Spiral-Computertomographie mit niedriger Strahlendosis oder die Untersuchung von Sputum mit molekularbiologischen Verfahren. Falls sie sich bewähren, könnten sie vor allem bei Rauchern mit ihrem hohen Erkrankungsrisiko in Frage kommen. Derzeit bleibt nur die Vorbeugung, also die Vermeidung der bekannten Risikofaktoren.

Weiterführende Literaturhinweise:

  • Lungenkrebs - ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Heft 10 aus der Blauen Reihe der Deutschen Krebshilfe (Stand: 3/2013)
  • J. Preiß, W. Dornoff, F.-G. Hagmann, A. Schmieder (Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Interdisziplinäre Empfehlungen zur Therapie 2010/11. 15. Auflage. Zuckschwerdt Verlag 2010.
  • Delbrück, H.: Lungenkrebs - Rat und Hilfe für Betroffene und Angehörige. 5. überarbeitete Auflage. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, Juni 2009
  • Aulitzky, W.: Handbuch Krebs: Alles zur Vorsorge, Diagnose, Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen. Süd-West-Verlag, München 2007.

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Diagnose

Diagnose - wie kann man Lungenkrebs feststellen und beurteilen?

Anhaltend starker Husten über mehrere Wochen, Atemnot oder Schmerzen in der Brust können Hinweise auf eine ernsthafte Lungenerkrankung sein. Ob es sich dabei tatsächlich um Lungenkrebs handelt, kann Ihr Arzt mithilfe verschiedener Untersuchungen abklären werden.

Symptome - keine typischen Frühsymptome für Lungenkrebs

Lungenkrebs verursacht im frühen Stadium nur selten Beschwerden, das heißt es gibt keine typischen Frühsymptome. Deshalb werden Tumoren fast immer zufällig entdeckt, z.B. bei einer Röntgenuntersuchung des Brustbereichs aus anderem Anlass. Die Krankheitszeichen sind oft uncharakteristisch, so dass sie auch Ursache ganz anderer, harmloser Erkrankungen sein können. Umso wichtiger ist eine rasche und gründliche Abklärung der Beschwerden, denn auch für Lungenkrebs gilt: Je früher er erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Aber selbst im fortgeschrittenen Stadium kann eine frühzeitige Therapie dazu beitragen, möglichst schmerz- und beschwerdefrei mit dem Tumor zu leben.

Symptome, die auf Lungenkrebs hinweisen können:

  • Langanhaltender Husten, der sich plötzlich verändert
  • Bronchitis oder eine andere Erkältung, die sich trotz Behandlung mit Antibiotika nicht bessert
  • häufig verschleimte Bronchien
  • Atemnot
  • Schmerzen im Brustkortb
  • allgemeiner Kräfteverfall
  • Auswurf mit oder ohne Blut ("Bluthusten")
  • starker Gewichtsverlust
  • Appetitlosigkeit
  • Nachtschweiß
  • Fieber

Kleinzellige Lungenkarzinome können, ähnlich wie Drüsen, hormonartige Substanzen bilden, die ins Blut abgegeben werden. Da diese Stoffe unkontrolliert im Übermaß produziert werden, führen sie zu körperlichen Veränderungen wie einem Vollmondgesicht oder einer erhöhten Thromboseneigung. Solche, so genannten paraneoplastischen Symptome sind manchmal erste Anzeichen der Erkrankung.

Untersuchungsmethoden

Anamnese und körperliche Untersuchung

Zunächst wird der Arzt den Patienten ausführlich über seine Beschwerden, aber auch über bestimmte Lebensgewohnheiten, wie zum Beispiel das Rauchen, befragen und den allgemeinen gesundheitlichen Zustand beurteilen.

Röntgen des Brustkorbs

Mit einer Röntgenaufnahme lassen sich vor allem Tumoren am Lungenrand ab einer Größe von etwa einem Zentimeter darstellen. Für zentral gelegene Geschwülste eignet sich dagegen eher eine Mehrschichtaufnahme mittels Computertomographie (CT).

Bronchoskopie - Spiegelung der Bronchien

Bei einer Bronchoskopie werden die Bronchien und ihre feinen Verzweigungen mit einem optischen Gerät (Bronchoskop) angeschaut und beurteilt. Das flexible Bronchoskop wird unter örtlicher Betäubung des Nasen-Rachen-Raums, des Kehlkopfes und der oberen Bronchien durch den Mund und die Luftröhre eingeführt. In bestimmten Situationen, etwa wenn ein Tumor die Bronchien verengt, kommen starre Bronchoskope zum Einsatz. Dann erfolgt die Untersuchung immer in Vollnarkose. Mit einer kleinen Zange an der Endoskopspitze entnimmt der Arzt Gewebeproben aus verdächtigen Bezirken.

Feingewebliche Untersuchung (Histologie)

Die bei der Bronchoskopie gewonnenen Gewebeproben werden in feine Scheibchen geschnitten und unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht. Diese histologische Untersuchung erlaubt die Unterscheidung zwischen gutartigem und bösartigem Gewebe und, falls es sich um Krebs handelt, die genauere Charakterisierung der Tumorart.

Untersuchung der Zellen (Zytologie)

Während der Bronchoskopie kann auch eine Spülung der Bronchien (Bronchiallavage) oder ein Bürstenabstrich von der Bronchienwand erfolgen. Damit gewinnt man einzelne, aus dem Gewebeverband abgelöste Zellen für die mikroskopische Begutachtung, die zytologische Untersuchung. Bei mehr als 70% der Patienten lässt sich damit eine Diagnose stellen.

Feinnadelbiopsie

Falls der verdächtige Bereich nicht mit dem Bronchoskop erreichbar ist, etwa weil er im Randbereich der Lunge liegt, kann eine Feinnadelbiopsie von außen durch die Brustwand (perkutan) durchgeführt werden. Unter computertomographischer Kontrolle wird eine lange, dünne Nadel in den verdächtigen Bezirk vorgeschoben und etwas Gewebe angesaugt.

Bildgebende Verfahren - CT , MRT und Ultraschall

Die Röntgen-Computertomographie (CT) mit Kontrastmittel wird sowohl zur Erkennung eines Bronchialkarzinoms als auch zur Bestimmung seiner Ausbreitung genutzt. Mit Hilfe der Schnittbilder lassen sich Tumoren schon bei einer Größe von unter 5 Millimetern erkennen. Mit den neuen Methoden der Spiral-CT dauert eine lückenlose Auf¬nahme des gesamten Brustraums weniger als eine halbe Minute. In bestimmten Fällen kann darüber hinaus eine Kernspin- oder Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll sein.

Mediastinoskopie

Häufig finden sich Absiedelungen des Bronchialkarzinoms in den Lymphknoten im Mediastinum. Da der Zustand dieser Lymphknoten entscheidend für die Wahl der Therapie sein kann, wird eine Spiegelung dieses Bereichs durchgeführt. Diese ist insbesondere angezeigt, wenn im Computertomogramm schon vergrößerte Lymphknoten sichtbar sind. Der Arzt setzt dazu in Narkose oberhalb des Brustbeins einen kleinen Schnitt und führt eine optische Sonde in den Raum zwischen den Lungenflügeln ein.

PET und PET-CT

Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) liefert Informationen zur Stoffwechselaktivität in Geweben. Bei der Darstellung der Lymphknoten im Mediastinum, dem Raum zwischen den Lungenflügeln, ist sie aussagekräftiger als eine CT. Bei negativem PET sind mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Lymphknoten befallen, positive PET-Befunde sollten jedoch durch Gewebeentnahme gesichert werden. Die PET wird bisher von den Kranken¬kassen nur in Ausnahmefällen erstattet.

Eine Weiterentwicklung, die die Vorteile von PET und CT verbindet, ist die Kombination beider Verfahren, die PET-CT. Durch Überlagerung von CT- und PET-Bildern lassen sich Bereiche mit erhöhter Stoffwechselaktivität, wie wachsende Tumoren, anatomisch genau zuordnen.

Skelettszintigraphie

Die Skelettszintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung, die der Arzt bei Verdacht auf Knochenmetastasen anordnet. Dazu wird eine radioaktiv markierte Substanz intravenös gespritzt, die sich im Organismus in jenen Gebieten anreichert, die eine erhöhte (Knochen-) Stoffwechselaktivität aufweisen. Beim Zerfall des Radionuklids entsteht kurzzeitig Strahlung, die mit einer speziellen Kamera von außen aufgefangen und in ein Bild umgewandelt wird. Da hierbei alle – auch gutartige – Veränderungen erfasst werden, ist meist noch eine Röntgen- oder MRT-Untersuchung erforderlich. Bei kleinzelligen Karzinomen mit früher Metastasierung im Knochenmark wird häufig auch eine Knochen¬markprobe aus dem Beckenkamm zur Untersuchung auf Tumorzellen entnommen.

Tumortypen - Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs

Für die Behandlungsplanung ist die grundsätzliche Unterscheidung zwischen nicht-kleinzelligen und kleinzelligen Bronchialkarzinomen von großer Bedeutung. Die wesentlich häufigeren nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome haben eine bessere Prognose als der besonders aggressive kleinzellige Typ.

Die beiden Hauptformen von Lungenkrebs
nicht-kleinzellige Karzinome kleinzellige Karzinome
80-85% aller Lungenkarzinome3 15-20% aller Lungenkarzinome3
langsameres Wachstum besonders aggressiv, rasches Wachstum, frühe Metastasenbildung
Behandlung: Kombination aus Operation, Chemo- und Strahlentherapie wichtigste Behandlung: Chemotherapie

Zunehmend wird der Erfolg einer Therapie auch von der Gewebeart (Histologie) des Tumors bestimmt, da einige Medikamente bei bestimmten Tumortypen besonders wirksam sind. Im Wesentlichen lassen sich in der Gruppe der nicht-kleinzelligen Karzinome drei Formen unterscheiden:

  • Plattenepithelkarzinome (ca. 40%)
    von Schleimhautzellen ausgehend
  • Adenokarzinome (50%)
    aus drüsigen Zellen abstammend
  • großzellige Karzinome (ca. 10%)

Krankheitsstadien

Die Stadieneinteilung oder Klassifikation („Staging“) der Erkrankung ist wesentliche Grundlage für die Behandlungsplanung. Aufgrund der diagnostischen Untersuchungsergebnisse erfolgt die Einteilung nach dem international gültigen TNM-System der Union internationale contre le cancer (UICC):

  • T – Tumor
    Wie weit hat sich der Primärtumor ausgebreitet?
  • N – Nodulus (lat. Lymphknoten)
    Liegen Lymphknotenmetastasen vor?
  • M – Metastase
    Liegen Fernmetastasen vor?

Anhand dieses Systems lässt sich eine genaue Diagnose formulieren, wobei Ziffern hinter den Buchstaben für Größe und Ausdehnung (T1–4), Zahl und Lage der befallenen Lymphknoten (N0–3) und das Vorhandensein oder Fehlen von Metastasen (M0 oder M1) stehen. T1 N0 M0 bezeichnet zum Beispiel einen kleinen Tumor ohne Lymphknotenbefall und Metastasen. Eine exakte Beurteilung des TNM-Stadiums ist nur nach operativer Entfernung des Tumors möglich. In der Dokumentation wird die TNM-Einteilung dann durch ein vorangestelltes „p“ ergänzt, z. B. pT1pN0pM0.

Ausgehend von der TNM-Einstufung erfolgt die Stadienenteilung beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom von I bis IV:

Stadieneinteilung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms
Stadium I örtlich begrenzter Tumor, ist bis zu 4 cm groß, ohne Lymphknotenbefall und ohne Fernmetastasen
Stadium II der Tumor hat zusätzlich mindestens einen Lymphknoten im Lungenhilus befallen
Stadium III der Tumor hat sich lokal stark ausgebreitet und benachbarte sowie entfernte Lymphknoten befallen, es sind keine Fernmetastasen vorhanden
Stadium IV es liegen Fernmetastasen vor

Auch das Stadium des kleinzelligen Lungenkarzinoms lässt sich nach dem TNM-System beschreiben. Meist wird hier jedoch (noch) eine andere Klassifikation verwendet:

Stadieneinteilung des kleinzelligen Lungenkarzinoms
limited disease (LD) Krankheitsausdehnung ist auf einen Lungenflügel beschränkt
extensive disease (ED) fortgeschrittenes Stadium mit Ausdehnung über einen Lungenflügel hinaus


Weiterführende Literaturhinweise:

  • Lungenkrebs - ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Heft 10 aus der Blauen Reihe der Deutschen Krebshilfe (Stand: 5/2015)
  • J. Preiß, W. Dornoff, F.-G. Hagmann, A. Schmieder (Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Interdisziplinäre Empfehlungen zur Therapie 2014/15. 17. Auflage. Zuckschwerdt Verlag 2014.
  • Delbrück, H.: Lungenkrebs - Rat und Hilfe für Betroffene und Angehörige. 5. überarbeitete Auflage. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, Juni 2009
  • Aulitzky, W.: Handbuch Krebs: Alles zur Vorsorge, Diagnose, Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen. Süd-West-Verlag, München 2007.
  • Deutsches Krebsforschungszentrum  (DKFZ)(Hrsg.): Passivrauchen – auch wenig ist zu viel Heidelberg, 2006
  • Ammon, A., Meyer, D.: Lebenszeit - Zeit zum Leben. Ein Ratgeber für Menschen mit Krebs, W. Zuckschwerdt Verlag, München 2004.

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Behandlung

Das Stadium der Erkrankung, der feingewebliche Typ des Tumors und der Allgemeinzustand des Patienten bestimmen die Wahl der Behandlung. Wesentlich ist die Unterscheidung zwischen nicht-kleinzelligen und kleinzelligen Lungenkarzinomen. Bei schlechtem Gesundheitszustand, besonders bei beeinträchtigter Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge, können bestimmte Therapien nur eingeschränkt oder gar nicht angewendet werden, da sie zu belastend wären. Das Lebensalter spielt dabei jedoch keine entscheidende Rolle.

Die Behandlung von Lungenkarzinomen sollte an einer Klinik mit entsprechender Erfahrung durchgeführt werden. Eine wichtige Anlaufstelle sind die von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Lungenkrebszentren. Sie gewährleisten eine hochqualifizierte Versorgung onkologischer Patienten.

Behandlungsmethoden im Überblick

Operation

Ziel der Operation ist die vollständige Entfernung des Tumors. Sie wird vor allem angestrebt, wenn der Tumor noch keine Metastasen gebildet hat. Bei der Operation orientiert sich der Chirurg an der anatomisch vorgegebenen Untergliederung der Lunge. Dementsprechend gibt es verschiedene Vorgehensweisen:

Operationsverfahren

Heute versuchen die Lungenchirurgen grundsätzlich, möglichst viel von dem Organ zu erhalten. Die Lobektomie, also die Entfernung eines Lungenlappens, ist der häufigste Eingriff. Überschreitet der Tumor die Grenze zwischen zwei Lungenlappen, so werden alle beide entfernt (Bilobektomie). Bei großen, im Bereich des Hauptbronchus nahe der Lungenpforte gelegenen Tumoren kann in seltenen Fällen die Entfernung eines gesamten Lungenflügels (Pneumonektomie) in Frage kommen.

siehe auch: Aufbau und Funktion der Lunge

Eine wenig vorgeschädigte Lunge kann die Entfernung von Lungengewebe und die damit verbundene Verminderung der Atemfläche bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Bei ausreichender Lungenfunktion hat die Operation im Allgemeinen keine schwerwiegende Atembehinderung zur Folge. Bei einer vorgeschädigten Lunge sind die Funktionsreserven dagegen eingeschränkt. Sind die zu erwartenden Belastungen und Einschränkungen zu groß, muss eine andere Therapie als die Operation gewählt werden.

Strahlentherapie

Eine Bestrahlung (Radiotherapie) wird durchgeführt, wenn ein Tumor nicht ganz entfernt werden konnte oder wenn bestimmte Lymphknotenbahnen bereits vom Tumor betroffen waren. Die Bestrahlung erfolgt in der Regel ambulant (perkutan) in mehreren Sitzungen. Die Patienten kommen dazu täglich in die Klinik bzw. Strahlentherapie-Praxis. Die Behandlung selbst dauert nur wenige Minuten.

Bei örtlich fortgeschrittenen Tumoren werden Strahlentherapie und Chemotherapie häufig kombiniert eingesetzt - als Chemoradiotherapie. Bei tumorbedingten Atembeschwerden kann die Bestrahlung mit Hilfe eines Bronchoskops auch lokal von innen erfolgen.

Chemotherapie

Als Chemotherapie bezeichnet man die Gabe von Medikamenten, die das Zellwachstum und die Zellteilung hemmen, so genannte Zytostatika. Sie ermöglicht eine „systemische“, das heißt den ganzen Körper betreffende Behandlung. Die Zytostatika verteilen sich in alle Gewebe und Organe des Körpers und können auf diese Weise auch verstreute Tumorzellen erreichen und zerstören. Sie entfalten ihre Wirkung im Zellkern und wirken sehr gut gegen rasch wachsende Zellen, eine Eigenschaft insbesondere von Krebszellen. Kombinationstherapien mit zwei oder drei Zytostatika sind in der Regel wirksamer als die Behandlung mit nur einer Substanz (Monotherapie), aber auch nebenwirkungsreicher. Wie erfolgreich eine Chemotherapie ist, hängt auch vom Gewebetyp des Tumors ab.

Zytostatika, die bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt werden:

Basis-Medikamente:
Platinsalze (Cisplatin und Carboplatin)

Mit Platin können andere Substanzen kombiniert werden. Zweierkombinationen mit einem der neueren Zytostatika gelten als derzeit effektivste Therapie.

Beispiele 2. Generation-Produkte:
z.B. Ifosfamid, Mitomycin, Vindesin, Etoposid

Beispiele 3. Generation-Produkte:
z.B. Gemcitabin, Paclitaxel, Docetaxel, Vinorelbin, Pemetrexed

Nebenwirkungen einer Chemotherapie können kurzfristige Beeinträchtigungen der Schleimhäute in Mund, Rachen und Verdauungstrakt sein, sowie Beeinträchtigungen des Haar- und Nagelwachstums. Auch die Zellen der Blutbildung im Knochenmark können durch Zytostatika beeinträchtigt werden. Wie ausgeprägt diese Beschwerden sind, hängt von der jeweiligen Substanz und von der Dosis ab.

Ablauf einer Chemotherapie

Meist wird die Chemotherapie „im Block" an einem oder mehreren Tagen hintereinander gegeben, auf die dann eine Pause folgt. Diese Behandlungsfolge nennt man Therapiezyklus. Die Zytostatika werden nach einem festgelegten Plan verabreicht. Es gibt sie als Infusion oder als Tabletten. In der Behandlungspause von einer bis drei Wochen Dauer - je nach Behandlungsschema - kann sich das gesunde Gewebe von den Nebenwirkungen erholen. In der Regel folgen vier bis sechs Zyklen aufeinander.

Molekularbiologische Ansätze – „Zielgerichtete Therapie“

Das immer bessere Wissen über die Vermehrung von Krebszellen eröffnet neuartige Ansatzpunkte für die Krebstherapie. Einige der für das Krebswachstum wichtigen Signalwege sind bereits gut untersucht. Angiogenesehemmer (bestimmte Antikörper) oder Tyrosinkinaseinhibitoren („kleine Moleküle“), die solche Signalwege unterbrechen, werden zur Behandlung von fortgeschrittenem bzw. metastasiertem Lungenkrebs schon eingesetzt. Sie werden auch als zielgerichtete Therapie bezeichnet.

Um eine zielgerichtete Therapie einleiten zu können, ist es essentiell, den Tumor auf seine genetischen und biologischen Eigenschaften hin zu untersuchen um festzustellen, ob die Zielstruktur vorhanden ist.

Immuntherapie

Bei den Immuntherapien handelt es sich um neue Substanzen, die in Europa erst seit Oktober 2015 als Therapieoptionen verfügbar sind. Sie werden per Infusion verabreicht und stimulieren durch unterschiedliche Mechanismen das Immunsystem, so dass die Krebszellen von diesem erkannt und effektiver zerstört werden. Bislang sind zwar erst wenige Präparate im Bereich der Immuntherapie in Deutschland zugelassen, aber es befindet sich bereits eine Vielzahl an Wirkstoffen in der klinischen Erprobung.

Die Wahl und ggf. Kombination von geeigneten Therapiemaßnahmen ist in erster Linie von dem jeweiligen klinischen Stadium der Erkrankung abhängig, wobei die Histologie, der Allgemeinzustand, die Lungenfunktion und ggf. Begleiterkrankungen berücksichtigt werden müssen. Hinsichtlich des Therapieziels unterscheidet man zwischen kurativer und palliativer Therapie. Während die kurative Therapie auf Heilung abzielt, geht es bei der palliativen Therapie in erster Linie darum, die Symptome, die durch den Krebs verursacht werden, zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern

Therapie von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs

Die Art der Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkrebs richtet sich immer nach der Art des Tumors, seiner Ausbreitung und dem Allgemeinzustand des Patienten.

Stadium I und II

Bei der Behandlung von nicht-kleinzelligen Tumoren in den Stadien I und II steht an erster Stelle die Operation mit dem Ziel einer langfristigen Heilung. Generell werden heute mehr Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom operiert als früher, aber immer noch ist dies nur bei weniger als einem Drittel der Patienten möglich. Im Stadium II schließt sich in der Regel eine die Heilung unterstützende Chemotherapie an.

Eine Nachbestrahlung ist bei vollständiger Tumorentfernung in der Regel nicht erforderlich. Sofern dies jedoch nicht sicher gelang oder Lymphknoten des Mediastinums von Tumorzellen befallen waren, erfolgt nach der Operation eine zusätzliche Strahlentherapie.

Eine alleinige Strahlentherapie kann durchgeführt werden, wenn der Patient eine Operation ablehnt oder wenn der Eingriff aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist.

Stadium III

Im Stadium III A sollte sich eine Chemotherapie an die operative Entfernung des Tumors anschließen. Örtlich weiter fortgeschrittene Tumoren mit Befall der Nachbarorgane und solche mit ausgedehnten Lymphknotenmetastasen (Stadium III B) lassen sich in den meisten Fällen nicht vollständig operieren. In diesen Fällen kommt eine kombinierte Chemoradiotherapie oder eine alleinige Strahlenbehandlung in Frage. Die kombinierte Behandlung hat sich als wirksamer erwiesen und sollte bei gesundheitlich „fitten“ Patienten bevorzugt werden. Die Chemotherapie kann auch mit molekularbiologisch wirkenden Medikamenten kombiniert werden - etwa bei genetischen Mutationen, in denen eine gezielte Therapie ("targeted therapy") sinnvoll ist.

Stadium IV

Zum Zeitpunkt der Krankheitsdiagnose sind bei mehr als einem Drittel der Patienten Metastasen in anderen Organen nachweisbar, häufig im Skelett (Knochenmetastasen) oder in der Leber. Hier wird in der Regel nicht mehr operiert. Wesentliches Ziel der Behandlung ist dann die Vorbeugung und Linderung von tumor- und metastasenbedingten Beschwerden und die Vorbeugung von Komplikationen. Moderne Behandlungskonzepte haben auch bei fortgeschrittener Krebserkrankung ohne Aussicht auf Heilung deutliche Verbesserungen gebracht: krankheitsbedingte Symptome werden günstig beeinflusst, und die Lebensqualität bleibt länger erhalten.

Die Bestrahlung des Tumors in der Lunge ist eine wirkungsvolle Methode, um Atemnot, Schmerzen und blutigen Auswurf zu lindern. Einzelne Metastasen, besonders im Gehirn, können auch operativ entfernt werden.

Darüber hinaus stehen drei unterschiedliche Ansätze zur medikamentösen Behandlung des fortgeschrittenen NSCLC zur Verfügung: die zielgerichtete Therapie, die Chemotherapie und die Immuntherapie.

Zielgerichtete Therapie bei fortgeschrittenem NSCLC

Wie zuvor erwähnt, ist die Wirkung der zielgerichteten Therapien vor allem abhängig von den genetischen und biologischen Eigenschaften des Tumors. Sie wirken nur, wenn die entsprechende Zielstruktur vorhanden ist, bzw. der anvisierte Signalweg im Tumor aktiviert ist. Wenn eine therapierbare genetische Veränderung identifiziert wurde, bzw. ein Signalweg überaktiv ist, der medikamentös gehemmt werden kann, ist die zielgerichtete Therapie gegenüber einer Chemotherapie zu bevorzugen.

Bei den sogenannten Angiogenese-Hemmern handelt es sich um Wirkstoffe, die die Gefäßneubildung („Angiogenese“) hemmen und somit die Versorgung des Tumors mit Sauerstoff und Nährstoffen unterbinden. Hierzu zählen u.a. die Wirkstoffe Ramucirumab, Necitumumab und Nintedanib.

Als  Tyrosinkinase-Hemmer (TKI) bezeichnen Ärzte hingegen Wirkstoffe, die gegen spezielle  Wachstumsfaktoren gerichtet sind und somit die Weiterleitung von Wachstumssignalen in die Tumorzelle hemmen. Die Krebszellen hören auf, sich zu teilen, und das Wachstum des Tumors wird unterbrochen. Bekannte TKI, die bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt werden sind z.B. Gefitinib, Erlotinib, Afatinib, Crizotinib oder Ceritinib

Chemotherapie bei fortgeschrittenem NSCLC

Die Chemotherapie stellt die ursprüngliche Standardbehandlung dar und ist immer noch eine bedeutende Therapieoption. Sie wirkt unabhängig von spezifischen Merkmalen auf alle schnell teilenden Körperzellen und damit im Besonderen auf Krebszellen. Demnach ist sie - neben der Immuntherapie - die Therapie der Wahl, wenn keine Treibermutationen vorliegen bzw. der Mutationsstatus nicht bekannt ist oder eine zielgerichtete Therapie keine Wirkung mehr zeigt. Besonders platinhaltige Kombinationschemotherapien auf Basis von Carboplatin oder Cisplatin spielen in der Behandlung des fortgeschrittenen NSCLC eine wichtige Rolle. Als Kombinationspartner stehen zahlreiche Zytostatika zur Verfügung, im weiteren Verlauf der Erkrankung haben sich vor allem Docetaxel und Pemetrexed als wirksam erwiesen. Zudem kann bei bestimmten Patienten eine Chemotherapie als Erhaltungstherapie eingesetzt werden.

Immuntherapie bei fortgeschrittenem NSCLC

Bei den Immuntherapien handelt es sich um neue Therapieoptionen, die erst seit kurzem für die Behandlung des fortgeschrittenen NSCLC zur Verfügung stehen. Zugelassen wurden sogenannte Checkpoint-Inhibitoren. Unter „Checkpoint“ werden im Allgemeinen negative Regulationsmechanismen der T Zellfunktion verstanden. Werden diese negativen Mechanismen blockiert, kommt es zu einer gesteigerten Aktivität der T-Zelle und somit des Immunsystems. Krebszellen können das Immunsystem mittels unterschiedlicher Mechanismen unterdrücken. Eine Möglichkeit ist die Ausbildung bestimmter Merkmale auf ihrer Oberfläche (Expression von bestimmten Proteinen), die dazu führen, dass das Immunsystem sie nicht attackiert. PD-L1 ist ein solches Protein. Es bewirkt, dass zytotoxische T-Zellen, welche entartete Tumorzellen abtöten können, ruhig gestellt werden indem es an seinen Rezeptor PD-1 auf den T-Zellen bindet. Durch die Bindung von PD-L1 an PD-1 wird ein negatives Signal an die T-Zelle weitergegeben und diese gehemmt. Neuartige Arzneimittel blockieren entweder PD 1 oder seinen Liganden (PD L1). Diese Immuntherapien führen dazu, dass T-Zellen nicht mehr gehemmt sind und die Tumorzellen wieder besser angreifen können. Zu den in der Therapie des fortgeschrittenen NSCLC zugelassenen Wirkstoffen der Checkpoint-Inhibitoren gehören Nivolumab und Pembrolizumab, die beide gegen PD-1 gerichtet sind.

Therapie von kleinzelligem Lungenkrebs

Das kleinzellige Lungenkarzinom unterscheidet sich von den nicht-kleinzelligen Tumoren dadurch, dass oft schon in einem frühen Stadium Metastasen entstehen. Aber im Vergleich zu den nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen reagiert das kleinzellige Karzinom empfindlicher auf eine Chemotherapie.

Stadium „limited disease“

In diesem Stadium erfolgt die Behandlung mit dem Ziel der Heilung. Bei sehr kleinen Tumoren, ohne erkennbaren Lymphknotenbefall im Mediastinum, kommt manchmal eine Operation in Betracht. Zur Ausschaltung möglicherweise vorhandener, aber noch nicht nachweisbarer Metastasen, wird zusätzlich immer eine Chemotherapie  durchgeführt, meist im Anschluss an die Operation. Ergibt die Untersuchung des entfernten Gewebes einen geringen Lymphknotenbefall, erfolgt eine Nachbestrahlung.

Bei etwas größeren Tumoren, die aber noch auf einen Lungenflügel begrenzt wachsen, ist die wirkungsvollste Behandlung eine früh- und gleichzeitige Chemo- und Strahlentherapie. Ziel ist eine vollständige Tumorrückbildung. Dies gelingt im Stadium „limited disease“ bei bis zur Hälfte der Patienten.

Stadium „extensive disease“

Bei Diagnose liegt in rund zwei Drittel der Fälle bereits ein Stadium „extensive disease“ (ED) vor. Das heißt: der Tumor hat sich über eine Hälfte des Brustkorbs hinaus ausgebreitet, oft auch schon Metastasen gebildet, meist in der Leber, im Skelett, im Gehirn und in den Nebennieren. Eine vollständige operative Entfernung kann in diesem Stadium nicht gelingen. Daher hat die Behandlung mit einer Chemotherapie vor allem das Ziel, Beschwerden zu lindern, Komplikationen vorzubeugen und die Lebensqualität zu erhalten.

Weiterführende Literaturhinweise:

  • Lilly Deutschland GmbH (Hrsg.): Betroffen? - Lungenkrebs, Informationen für Patienten und ihre Angehörigen.
  • Lilly Deutschland GmbH (ersg.): Rückenwind fr Lungenkrebspatienten, Informationen zu Erkrankung, Therapie und Nachsorge.
  • Lungenkrebs - ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Heft 10 aus der Blauen Reihe der Deutschen Krebshilfe (Stand: 5/2015)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationszentrum. ZIELGERICHTETE KREBSTHERAPIEN: Wie funktionieren sie? 2016. Verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/iblatt/iblatt-zielgerichtete-krebstherapien.pdf.
  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Krebsgesellschaft: Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 020/007 (Stand: 1.2.2010)
  • J. Preiß, W. Dornoff, F.-G. Hagmann, A. Schmieder (Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Interdisziplinäre Empfehlungen zur Therapie 2014/15. 17. Auflage. Zuckschwerdt Verlag 2014.
  • NSCLC Diagnose-Diagnostik-Erstdiagnose
    https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/lungenkarzinom-nicht-kleinzellig-nsclc/@@view/html/index.html

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Nachsorge

Wie geht es nach der Behandlung weiter?

Patienten, deren Tumor in einem frühen Stadium entdeckt wurde und operiert werden konnte, haben die besten Heilungschancen. Im Anschluss an die Operation und gegebenenfalls weitere Therapien erfolgt die Nachsorge. Sie beinhaltet die Nachuntersuchungen, die psychische sowie soziale Betreuung und Begleitung, das Abwenden und Lindern erkrankungs- oder therapiebedingter Folgen sowie Rehabilitationsmaßnahmen. Ansprechpartner für alle Fragen zum Umgang mit der Erkrankung ist der Arzt. Er sollte bei Bedarf an Psychologen oder Beratungsstellen verweisen, die auf die Betreuung und Unterstützung von Krebspatienten spezialisiert sind. Der Nachsorgetermin bietet außerdem die Gelegenheit, sozialrechtliche und berufliche Fragen zu besprechen.

Nachsorgeuntersuchungen - warum, wie oft, bei wem?

Auch die Nachsorge koordiniert der Arzt. Mit ihm sollten Sie den genauen Ablauf und alle dazu auftretenden Fragen ausführlich besprechen. Nach der ersten Behandlung werden zunächst in kürzeren, dann in längeren Abständen Nachuntersuchungen durchgeführt. Sie dienen zum einen der Erkennung behandlungsbedürftiger Folgen der Therapie. Zum anderen haben sie das Ziel, einen möglichen Rückfall frühzeitig zu erkennen. Bei Patienten mit fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung steht die Vorbeugung und Behandlung von krankheitsbedingten Symptomen und Komplikationen im Vordergrund. Dazu gehören die Freihaltung der Atemwege, die Schmerzbehandlung, die Behandlung von Ergüssen und von Knochenmetastasen.

Bis auf die Röntgenaufnahmen, die Ultraschalluntersuchungen und ggf. die Bronchoskopien kann der betreuende Hausarzt die Nachsorge durchführen. Wenn allerdings der Verdacht auf einen Rückfall besteht, sollte sie in einer onkologischen Schwerpunktpraxis oder in der Klinik durchgeführt werden.

Nach vollständiger Operation des Tumors, nach Strahlenbehandlung mit kurativer (heilender) Absicht oder nach einer Chemotherapie, die den Tumor vollständig zurückbilden konnte, erfolgt die erste Untersuchung sechs Wochen nach Abschluss der Behandlung in der Klinik. Beim kleinzelligen Bronchialkarzinom finden die Nachuntersuchungen im ersten Jahr engmaschiger statt, weil hier ein früher Rückfall häufiger ist. Der Arzt befragt den Patienten nach dem allgemeinen Befinden, nach Beschwerden wie Atemnot, Husten, Auswurf, Heiserkeit, Gewichtsverlust und Schmerzen, hört Herz und Lunge ab und klopft das Skelett ab. Die Lymphabflusswege am Hals, Schlüsselbein und in der Achselhöhle werden nach vergrößerten Lymphknoten abgetastet.

Nachsorgetermine für Lungenkrebspatienten
Untersuchungen
(Können individuell variieren)
Zeit nach Ersttherapie Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs Kleinzelliger Lungenkrebs

→  allgemeine Untersuchung

→  Röntgen

→  Ultraschall

→  Laborwerte

→  ggf. Computertomographie und/oder Bronchoskopie

1. Jahr nach 6 Wochen, danach alle drei Monate alle 6 bis 8 Wochen
2. Jahr alle drei Monate alle drei Monate
3.-5. Jahr alle 6 Monate aller 6 Monate
danach jährlich jährlich

 

Zusätzlich erfolgen eine Röntgenaufnahme des Brustraums, eine Ultraschalluntersuchung der Oberbauchorgane und die Bestimmung einiger Blutwerte.

Rehabilitation: Brücke in den Alltag

Um nach der ersten Behandlung körperlich wieder so leistungsfähig wie möglich zu werden und die akuten Auswirkungen der Behandlung zu bessern, haben fast alle Patienten im Anschluss an die Tumorbehandlung Anspruch auf Leistungen im Rahmen der Rehabilitation. Leistungsträger sind bei gesetzlich Versicherten die Krankenkassen oder die Rentenversicherung. Bei privat Versicherten gilt der jeweilige Vertrag. Zur Rehabilitation gehören Maßnahmen der Nachbehandlung in spezialisierten Rehabilitationskliniken („Nachsorgekliniken“) oder ambulante Angebote, gegebenenfalls Leistungen zur Wiedereingliederung am Arbeitsplatz und weitere Unterstützungen.

Ob eine stationäre Rehabilitation sinnvoll ist und welche Ansprüche bestehen, lässt sich schon in der Klinik abklären. Die Sozialdienste stehen als Ansprechpartner zur Verfügung und helfen auch bei der Antragstellung. Seit 2002 gibt es für gesetzlich versicherte Patienten, die bereits entlassen sind, die zentralen Servicestellen REHA. Die nächste Anlaufstelle kann auch bei der Krankenkasse oder der Rentenversicherung erfragt werden.

Weiterführende Informationen zum Thema Lungenkrebs finden Sie in der aktuellen Broschüre Betroffen? - Lungenkrebs. Informationen für Patienten und ihre Angehörigen.

  • Lungenkrebs - ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Heft 10 aus der Blauen Reihe der Deutschen Krebshilfe (Stand: 3/2013)
  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Krebsgesellschaft: Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 020/007 (Stand: 1.2.2010)
  • Delbrück, H.: Lungenkrebs - Rat und Hilfe für Betroffene und Angehörige. 5. überarbeitete Auflage. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, Juni 2009
  • Aulitzky, W.: Handbuch Krebs: Alles zur Vorsorge, Diagnose, Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen. Süd-West-Verlag, München 2007.
  • Ammon, A., Meyer, D.: Lebenszeit - Zeit zum Leben. Ein Ratgeber für Menschen mit Krebs, W. Zuckschwerdt Verlag, München 2004

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Referenzen

  1. Krebs in Deutschland 2011/2012. Robert Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e.V. (GEKID). 10. überarbeitete Auflage, 2015
  2. Online-Informationen des Statistischen Bundesamts (DESTATIS). Gesundheit, Todesursachen in Deutschland 2014 (Abruf: 07. Juli 2016)
  3. Griesinger F. Das fortgeschrittene nichtkleinzellige Lungenkarzinom. Best practice Onkologie 2008; 5:26-35.
  4. Goldstraw P, Chansky K, Crowley J, Rami-Porta R, Asamura H, Eberhardt WE, et al. The IASLC Lung Cancer Staging Project: Proposals for Revision of the TNM Stage Groupings in the Forthcoming (Eighth) Edition of the TNM Classification for Lung Cancer. Journal of thoracic oncology : official publication of the International Association for the Study of Lung Cancer. 2016;11(1):39-51.