Magenkrebs

Magenkrebs ist ein bösartiger Tumor (Krebsgeschwür) des Magens, der in den meisten Fällen von der inneren Schicht des Magens, der Magenschleimhaut ausgeht. Da bösartige Tumoren, die aus Haut- oder Schleimhautzellen entstehen, in der Medizin als Karzinome bezeichnet werden, spricht man auch vom Magenkarzinom. Es gibt auch noch andere Magenkrebs-Formen, die sich z.B. aus Lymphgewebe entwickeln. Sie sind aber viel seltener als das Magenkarzinom.

Häufigkeit von Magenkrebs

Jedes Jahr wird in Deutschland bei etwa 16.000 Menschen ein Magenkrebs neu festgestellt.1 Im Jahr 2013 verstarben daran knapp 5.600 Männer und rund 4.030 Frauen.2 Trotz dieser Zahlen ist Magenkrebs relativ selten, wenn man ihn mit anderen Krebsarten vergleicht – an Darmkrebs erkranken zum Beispiel  jährlich etwa 64.000 Menschen.1

Krebsneuerkrankungen 2010
Prozentuale Verteilung der Krebsneuerkrankungen (außer Hautkrebsformen, die nicht zum Melanom [schwarzer Hautkrebs] zugeordnet werden) in Deutschland aus dem Jahr 2010.1

Früher war Magenkrebs eine der häufigeren Krebsarten – seit mehr als 30 Jahren nimmt die Häufigkeit von Magenkrebs allerdings stetig ab: Heute liegt Magenkrebs bei Männern auf Platz 7, bei Frauen auf Platz 9 der häufigsten Tumorneuerkrankungen.1

Dieser Rückgang der Erkrankungsfälle hat unter anderem mit einer gesünderen Ernährungsweise der heutigen Bevölkerung zu tun, denn neben Rauchen und Alkohol spielen Ernährungsfaktoren bei der Entstehung von Magenkrebs eine bedeutende Rolle. Ein wichtiger Risikofaktor für Magenkrebs ist außerdem eine bakterielle Infektion der Magenschleimhaut mit dem Erreger Helicobacter pylori.

Obwohl insgesamt die Zahl der Magenkrebsfälle deutlich gesunken ist, kam es dennoch zu einem häufigeren Auftreten von Tumoren am Übergang zwischen Magen und Speiseröhre. Als einer der Gründe hierfür gilt die allgemeine Zunahme von Sodbrennen und saurem Aufstoßen (Refluxkrankheit).

An Magenkrebs erkranken mehr Männer als Frauen. Dabei sind vor allem ältere Menschen betroffen: Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei beiden Geschlechtern über 70 Jahren.1

Verlauf und Prognose

Der Krankheitsverlauf bei Magenkrebs hängt stark davon ab, in welchem Stadium sich der Krebs bei Diagnosestellung befindet. Je früher er entdeckt wird, umso größer sind die Heilungsaussichten. Die besten Chancen bestehen, wenn der Krebs nur auf den Magen beschränkt ist. Ist die Erkrankung bereits fortgeschritten, sinken die Heilungschancen deutlich. Da Magenkrebs häufig erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird, ergibt sich verglichen mit anderen Krebserkrankungen (z.B. Darmkrebs) eine ungünstige Prognose: Fasst man alle Magenkrebspatienten zusammen, überlebt ein Drittel nach der Diagnose noch 5 Jahre – bei Darmkrebs sind es nahezu zwei Drittel.1

Vor allem bei spät entdeckten Magentumoren kann es trotz erfolgreicher Operation im Laufe der folgenden Jahre zu einem Rückfall (Rezidiv) kommen. Bei Patienten mit hohem Risiko für einen Krebsrückfall erfolgt daher nach der Operation eine vorsorgliche Nachbehandlung mit Chemotherapie mit oder ohne Strahlentherapie, um eventuell im Körper verbliebene Krebszellen bzw. nicht entferntes Krebsgewebe zu zerstören. Kommt es dennoch zu einem Rückfall, kann eine erneute Behandlung erfolgen, um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern. Eine Heilung ist dann in der Regel aber nicht mehr möglich

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Verdauungstrakt, Magen

Verdauungstrakt
Der Verdauungstrakt

Den Verdauungstrakt des Menschen kann man sich als schlauchartiges Gebilde vorstellen. Er besteht von oben nach unten aus:

  • Mund
  • Rachen
  • Speiseröhre
  • Magen
  • Dünndarm
  • Dickdarm
  • Enddarm, Mastdarm
  • Anus (After)

Zum Verdauungssystem gehören außerdem die Bauchspeicheldrüse, die Leber und die Gallenblase.

Die Nahrung wird zunächst im Mund mit den Zähnen zerkleinert und mit Speichel durchmischt. Der Speichel leitet die Verdauung der zuckerhaltigen Lebensmittel (Kohlenhydrate) ein und macht feste Bissen gleitfähig, damit sie besser geschluckt werden können.

Beim Schlucken gelangt die Nahrung über die Speiseröhre in den Magen. In Magen und Darm wird die Nahrung weiter aufgespalten ("verdaut"). Dabei helfen die Verdauungssäfte der Bauchspeicheldrüse und die Galle. Wichtige Nährstoffe werden vom Dünndarm aufgenommen und gelangen über das Blut in die Leber, dem wichtigsten Stoffwechselorgan im Körper. Dort werden die Nahrungsbestandteile weiter verarbeitet und teilweise gespeichert. Unverdauliches wird als Stuhl aus dem Körper wieder ausgeschieden.

Der Magen

Der Magen liegt im Oberbauch und stellt die erste wichtige Station der Verdauung dar. Im sackförmigen Magen sammelt sich die geschluckte Nahrung und wird wie in einem Reservoir bis zu acht Stunden gespeichert. Während dieser Zeit wird die Nahrung mit dem Magensaft, der Verdauungsenzyme und die Magensäure enthält, gut durchmischt, vorverdaut und dann in kleinen Portionen an den Dünndarm weitergegeben.

Der Magen selbst ist innen mit einer säurefesten Schleimhaut ausgekleidet, damit er sich nicht selbst verdaut. Der Magen besteht aus fünf Abschnitten:

Der Magen
Der Magen

  • Im oberen Abschnitt – dem Mageneingang (Kardia) – geht die Speiseröhre in den Magen über.
  • Rechts davon wölbt sich der Magen etwas nach oben aus. Das ist der Fundus, wo sich verschluckte Luft sammelt.
  • Der Nahrungsbrei landet im Magenkörper, der den größten Teil des Magens ausmacht.
  • In Richtung Darm verschmälert sich der Magen etwas. Dieser Bereich wird Antrum oder Pylorusvorhof genannt, weil er in den Magenausgang mit dem Magenpförtner (Pylorus) übergeht, einem ringförmigen Muskel, der den Mageninhalt portionsweise an den Zwölffingerdarm weitergibt.

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Ursachen

Wodurch Magenkrebs genau verursacht wird, ist bis heute nicht bekannt. Es gibt aber einige Risikofaktoren, die mit der Entstehung von Magenkrebs in Zusammenhang gebracht werden. Krebserregend sollen vor allem bestimmte Ernährungsgewohnheiten sowie Rauchen und Alkohol sein. Auch eine dauerhafte (chronische)  Mageninfektion mit dem Magenkeim „Helicobacter pylori“ kann einem Magenkrebs vorausgehen. Bei manchen Menschen besteht auch eine erbliche Veranlagung zum Magenkrebs.

Ernährung als Risikofaktor für Magenkrebs

Ernährungsfaktoren spielen bei der Magenkrebsentstehung eine wichtige Rolle. Insbesondere der  häufige Genuss von stark gesalzenen, getrockneten, gepökelten und geräucherten Speisen (hoher Nitratgehalt) soll krebserregend sein. Auch der Einfluss von unsichtbaren Schimmelpilzen in der Nahrung, zu heiße Speisen, ein Vitaminmangel und zu wenig Obst und Gemüse stehen unter Verdacht, Magenkrebs zu begünstigen. Verbranntes Fett bei gegrilltem Fleisch (schwarze Stellen) soll vermutlich ebenfalls die Entstehung von Magenkrebs fördern.

Rauchen und Alkohol erhöhen das Magenkrebs-Risiko

Rauchen und Alkohol (vor allem hochprozentige Spirituosen) gelten als Risikofaktoren; vermutlich, weil  dadurch die Magenschleimhaut geschädigt wird. Beim Rauchen werden krebserregende Bestandteile des Tabakrauchs im Speichel aufgelöst und gelangen so in den Magen.

Vorerkrankungen und genetische Veranlagung

Bestimmte Erkrankungen des Magens sind mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden. So gilt der Magenkeim „Helicobacter pylori“ als ein Hauptverursacher von Magenkrebs. Es handelt sich um ein Bakterium, das sich in der Magenschleimhaut einnistet und Magengeschwüre und Magenkrebs verursachen kann. Aber nicht jeder Bakterienträger erkrankt zwangsläufig an einem Magenkrebs. Ein erhöhtes Magenkrebsrisiko besteht unter anderem auch bei Vorhandensein von Magenpolypen (gutartige Wucherungen der Magenschleimhaut, die entarten können), häufig auftretenden (chronischen)  Magenentzündungen und Magengeschwüren. Allerdings kann ein Magenkrebs auch entstehen, ohne dass solche Erkrankungen vorliegen müssen.

Eine gewisse Veranlagung zum Magenkrebs kann auch erblich bedingt sein. Ist bereits ein  Familienangehöriger ersten Grades (Eltern, Geschwister) an Magenkrebs erkrankt, dann hat man selbst ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko. Auch Träger der Blutgruppe A scheinen anfälliger für Magenkrebs zu sein – warum, ist unbekannt.

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Symptome

Magenkrebs verursacht zu Beginn seines Wachstums gewöhnlich keine Symptome und bleibt daher lange unbemerkt. Und wenn doch Beschwerden auftreten, werden diese zumeist gar nicht beachtet oder als harmlose Magenverstimmung gedeutet. Dies ist nicht verwunderlich, denn die ersten Anzeichen sind untypisch und können auch bei vielen anderen harmlosen Erkrankungen im Verdauungstrakt auftreten.

Hinweise und Warnzeichen

Folgende Symptome können auf einen Magenkrebs hindeuten, sie können aber auch ganz andere Ursachen haben und auftreten, ohne dass ein Magenkrebs vorliegt:

  • Völlegefühl und Unwohlsein nach dem Essen
  • häufige Übelkeit
  • anhaltende Appetitlosigkeit
  • Sodbrennen oder saures Aufstoßen
  • bestimmte Speisen und Getränke (z.B. Kaffee, Alkohol) werden nicht mehr so gut vertragen
  • plötzlicher Widerwillen gegen Fleisch und fette Speisen
  • Erbrechen
  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Magenschmerzen
  • Schwierigkeiten beim Schlucken
  • auffällige Schwarzfärbung des Stuhls („Teerstuhl“)

Wenn Verdauungsprobleme wie Völlegefühl oder andere Magenbeschwerden länger als zwei Wochen bestehen und sich trotz Selbstbehandlung nicht bessern, sollte man sie vom Arzt abklären lassen. Das gilt insbesondere für ältere Menschen und/oder wenn man derartige Magenbeschwerden zuvor noch nie hatte, wenn man schon einmal an einem Magengeschwür litt oder wenn Magenkrebs in der eigenen Familie bereits aufgetreten ist.

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Diagnose

Wenn Magenkrebs früh entdeckt wird, kann er noch vollständig operativ entfernt und damit geheilt werden. Das frühzeitige Erkennen ist aber schwierig, da in der Regel erst sehr spät typische Krankheitszeichen auftreten und der Krebs zu diesem Zeitpunkt oft bereits in den Körper gestreut hat. Um einen Magenkrebs sicher feststellen zu können, muss eine Magenspiegelung (Gastroskopie) mit Gewebeuntersuchung durchgeführt werden.

Magenspiegelung

Gastroskopie
Gastroskopie (schematisch)

Bei der Magenspiegelung (Gastroskopie) wird ein dünner biegsamer Schlauch mit eingebauter Minikamera durch Mund und Speiseröhre in den Magen vorgeschoben. Damit kann der Arzt den Magen von innen betrachten und die Magenschleimhaut auf krankhafte Veränderungen absuchen. Findet er krebsverdächtiges Gewebe, kann er gleich eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen, die anschließend im Labor unter dem Mikroskop betrachtet wird. Finden sich Krebszellen, dann steht die Diagnose „Magenkrebs“ fest.

Weitere Untersuchungen zur Stadieneinteilung

Computertomographie
Computertomographie (CT)

Zu Beginn der Erkrankung beschränkt sich der Magenkrebs auf die innerste Schicht der Magenschleimhaut. Im weiteren Verlauf wächst der Krebs tiefer in die Magenwand hinein. Ab diesem Zeitpunkt besteht die Gefahr, dass sich Krebszellen ablösen und über die Blutbahn bzw. das Lymphsystem in andere Regionen des Körpers gelangen. Dort können sich dann aus den verschleppten Krebszellen weitere Krebsabsiedlungen bilden, sogenannte Metastasen.

Um das genaue Stadium der Erkrankung zu ermitteln, erfolgen weitere Untersuchungen, darunter beispielsweise:

  • Röntgenuntersuchung des Brustkorbs
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraums
  • endoskopische Ultraschalluntersuchung (Endosonographie) von Magen und Speiseröhre
  • Computertomographie (CT)
  • Magnetresonanztomographie (MRT)

Anhand der Befunde können Mediziner dann die Tumorgröße und mögliche Lymphknoten- oder Fernmetastasen erkennen – und aus diesen drei Komponenten das Stadium der Erkrankung ableiten. So kann z.B. bei einem eher kleinen Magenkarzinom schon ein fortgeschrittenes Stadium vorliegen, wenn der Tumor bereits in andere Organe gestreut hat.

Diese Einteilung, auch Staging genannt, ist deshalb so wichtig, weil sich die Therapie nach dem jeweils erreichten Stadium richtet.

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Behandlung

Zu den Behandlungsmöglichkeiten bei Magenkrebs zählen die Operation, die Chemotherapie, die Strahlentherapie und die Behandlung mit neuen, zielgerichteten Medikamenten. Wie die Behandlung im Einzelfall aussieht, hängt in erster Linie vom Krebsstadium und dem Gesundheitszustand, den Begleiterkrankungen und den Wünschen der Betroffenen ab.

Operation bei Magenkrebs

Die Operation ist die wichtigste Behandlung beim Magenkrebs und bietet bis heute die einzige reelle Chance einer Heilung. Eine OP ist aber in der Regel nur dann sinnvoll, solange der Krebs noch nicht in andere Organe gestreut hat. Bei einem Magenkarzinom im Anfangsstadium kann es unter Umständen ausreichen, nur den betroffenen Magenabschnitt zu entfernen, dies bezeichnet der Mediziner als Teilresektion des Magens. Bei sehr kleinen Magenkarzinomen, die nur die obere Schleimhautschicht befallen haben, kann eventuell ein endoskopischer Eingriff ausreichen. Dabei führt der Arzt einen Schlauch – ähnlich wie bei einer Magenspiegelung – in den Magen des Betroffenen ein. Über den Schlauch kann er Instrumente bis an das Magenkarzinom heranführen und den Tumor entfernen, ohne dass eine Bauchoperation nötig wird.

In den meisten Fällen muss aber bei diagnostiziertem Magenkrebs der gesamte Magen operativ entfernt werden; dieser Eingriff wird auch Gastrektomie genannt. Bei einer Gastrektomie werden in der Regel auch die umliegenden Lymphknoten entfernt, damit möglichst keine verschleppten Krebszellen im Körper zurückbleiben. Wenn der Tumor bereits umgebendes Gewebe oder benachbarte Organe, wie beispielsweise einen Bereich der Speiseröhre befallen hat, müssen auch diese entfernt werden.

Chemotherapie bei Magenkrebs

Bei größeren Tumoren erfolgt häufig bereits vor dem Eingriff eine Chemotherapie. Damit kann der Tumor vor der Operation etwas verkleinert werden, damit er leichter operiert werden kann und die Heilungsaussichten sich verbessern. Nach der Operation erfolgt in der Regel eine weitere Chemotherapie, die ebenfalls darauf abzielt, das Rückfallrisiko zu senken und damit die Heilungschancen zu vergrößern.

Auch im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung, wenn der Tumor sich bereits zu stark ausgebreitet hat und daher nicht mehr vollständig entfernt werden kann, wird eine Chemotherapie durchgeführt. In diesem Fall ist keine Heilung mehr möglich. Mit der Chemotherapie lässt sich aber das Krebswachstum bremsen und eventuell auch die Lebenszeit verlängern. Das Ziel der Chemotherapie ist somit nicht mehr die Heilung, sondern die Linderung von Beschwerden und die Verbesserung der Lebensqualität. Diese Art der Behandlung wird als „palliative Therapie“ bezeichnet. Die zur Chemotherapie eingesetzten zellschädigenden Medikamente (sogenannte Zytostatika) hemmen zwar bevorzugt das Wachstum von Krebszellen, sie schädigen aber in gewissem Ausmaß auch gesunde Zellen, was die Hauptursache für die Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind.

Strahlentherapie bei Magenkrebs

Bei der Strahlentherapie werden die Krebszellen gezielt mit energiereicher Strahlung derart geschädigt, dass sie sich nicht mehr vermehren können und absterben. Die Strahlentherapie kann daher bereits vor einer Operation erfolgen, um den Krebs zu verkleinern, damit er besser operiert werden kann. Bei Magenkrebs kommt eine alleinige Strahlentherapie allerdings nicht so häufig zum Einsatz, da die Magenkrebszellen nicht sehr empfindlich auf Strahlen reagieren. Wenn eine Strahlentherapie eingesetzt wird, dann meist nach der Operation zusammen mit der Chemotherapie. Auch im Fall eines schlechten Allgemeinzustands des Patienten, der keine Operation mehr zulässt, kann die Strahlen-Chemotherapie eine noch zumutbare Behandlungsoption darstellen.

Zielgerichtete Therapie: Behandlung mit Antikörpern

In der modernen Krebsbehandlung werden zunehmend auch sogenannte zielgerichtete Medikamente eingesetzt. Dabei handelt es sich z.B. um künstlich hergestellte Antikörper, die auf bestimmte Zelleigenschaften „abzielen“, die für das Krebswachstum wichtig sind. Eine Behandlung mit diesen neuartigen Medikamenten ist auch bei weit fortgeschrittenem Krebsleiden mit Metastasen möglich. Häufig werden diese Antikörper mit der Chemotherapie kombiniert. Der Krebs kann damit zwar nicht geheilt werden, es kann aber die Lebensqualität verbessert und die Überlebensdauer verlängert werden.

Hemmung des Tumorwachstums
Abb. 1: Hemmung des Tumorwachstums durch zielgerichtete Therapie

Beim Magenkrebs kommen zwei Arten solcher Antikörper zum Einsatz, die auf unterschiedliche Weise Krebszellen bekämpfen: „Tumor-Wachstumshemmer“ und „Angiogenesehemmer“, die die Bildung von Blutgefäßen unterbinden.   Tumor-Wachstumshemmer blockieren bestimmte Signale in der Krebszelle, die für die Zellteilung und das Wachstum der Krebszellen wichtig sind (siehe Abb. 1). Dadurch können sich die Krebszellen nicht mehr vermehren und gehen zugrunde.

Wie alle anderen Körperzellen benötigen auch Krebszellen Nährstoffe und Sauerstoff. Daher muss ein wachsender Krebs ans Blutgefäßsystem angeschlossen werden, damit er diese Nährstoffe über das Blut erhält. Zu diesem Zweck senden die Krebszellen Botenstoffe aus, um in ihrer Umgebung das Wachstum neuer Blutgefäße anzuregen, die dann in den Krebs hineinwachsen und ihn mit Nährstoffen versorgen.   Angiogenesehemmer blockieren an den Blutgefäßzellen die Bindungsstellen für die Tumor-Botenstoffe. So verhindern diese Medikamente, dass sich neue Blutgefäße in Richtung Tumor bilden. Die Folge: Die Krebszellen erhalten nicht ausreichend Nährstoffe und Sauerstoffe, so dass der Tumor nicht weiter wachsen kann oder sogar schrumpft.

Unterstützende Therapie

Neben den verschiedenen Behandlungsformen, die den Tumor bekämpfen, spielt auch bei Magenkrebs die sogenannte supportive Therapie eine wichtige Rolle. Damit sind unterstützende Maßnahmen gemeint, die sich gegen Symptome richten, die von der Erkrankung selbst oder durch Nebenwirkungen der Therapie hervorgerufen werden. Ein typisches Beispiel ist die Behandlung mit Schmerzmitteln (Analgetika). Aber auch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, zur Infektvorbeugung oder Bluttransfusionen fallen in diesen Bereich. Besonders bei Magenkrebs gehört auch eine Ernährungsberatung zur supportiven Therapie. Im Kapitel „Leben mit Krebs“ finden Sie u.a. grundsätzliche Tipps zur Ernährung – und außerdem einige hilfreiche Internet-Adressen.

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Nachsorge

Nach einer erfolgreichen Behandlung von Magenkrebs sind vor allem in den ersten Jahren regelmäßige Kontrolluntersuchungen empfohlen. Diese Nachsorge dient unter anderem dazu, Begleit- und Folgeprobleme der Krebserkrankung oder Therapie zu erfassen und zu lindern. Das betrifft nicht nur körperliche Beschwerden, wie sie beispielsweise im Rahmen der Ernährungsumstellung nach Magenentfernung auftreten können. Auch Schwierigkeiten psychischer, beruflicher oder sozialer Natur sollten im Gespräch mit dem Arzt angesprochen werden, um gemeinsame Lösungsmöglichkeiten zu finden. Bei den Nachsorgeuntersuchungen geht es auch darum, ein Wiederauftreten der Krebserkrankung (Rezidiv) oder Metastasen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Nachsorge
Abb. 1: Wie oft Nachsorge-Termine nötig sind, wird individuell geplant.

Einen festen zeitlichen Rahmen für die Nachsorgeuntersuchungen, der für alle Magenkrebspatienten gilt, gibt es nicht. Wie oft ein Arztbesuch nach einer abgeschlossenen Behandlung im Einzelfall notwendig ist, hängt vom Stadium der Erkrankung, den Therapien und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab und wird im Gespräch mit dem Arzt speziell an die Bedürfnisse des einzelnen Patienten angepasst. Meist werden in den ersten Jahren nach Therapieende alle drei Monate Nachsorge-Termine eingeplant. Generell sollte aber bei neu auftretenden Beschwerden immer möglichst rasch der Arzt aufgesucht werden, ungeachtet dessen, ob ein Kontrolltermin fällig ist oder nicht.

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Weiterführende Literatur:

  • Magenkrebs – ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Heft 7 aus der Blauen Reihe der Deutschen Krebshilfe (Stand: 9/2014)
  • Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Magenkrebs: Symptome, Untersuchungsverfahren, Therapie und Nachsorge (besucht am 20.09.2013)
  • Patientenleitlinie Magenkrebs – ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten. Berlin: Leitlinienprogramm Onkologie, Mai 2013 http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Magenkrebs.72.0.html (besucht am 26.08.2015)

Referenzen

  1. Krebs in Deutschland 2009/2010. Häufigkeiten und Trends. Robert Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister e.V. (GEKID). 9. überarbeitete Auflage, 2013
  2. Online-Informationen des Statistischen Bundesamts (DESTATIS). Gesundheit, Todesursachen in Deutschland 2013 (Abruf: 19. März 2015)

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