Kennzeichen der Schizophrenie

Allgemeines

Biochemisch gesehen ist die Schizophrenie eine Erkrankung des Nervensystems bei der bestimmte Botenstoffe aus dem Gleichgewicht geraten sind und somit in ähnlicher Weise erklärbar wie etwa der Bluthochdruck.

Bei einer schizophrenen Erkrankung ist das Gleichgewicht bestimmter chemischer Botenstoffe im Gehirn gestört. Es kommt zu einer veränderten Informationsverarbeitung, insbesondere dort, wo der Überträgerstoff Dopamin wirkt. Daraus ergeben sich dann die Krankheitszeichen (Symptome), die der Patient an sich selbst und andere an ihm feststellen.

Die Erkrankung kann entweder ganz akut mit dem Auftreten veränderten Verhaltens und gestörten Wahrnehmungen beginnen oder schleichend mit der allmählichen Entwicklung von ungewöhnlichen Verhaltensweisen und Gedanken. Der Verlauf zeigt von Patient zu Patient große Unterschiede und ist keinesfalls immer chronisch oder sich verschlechternd.

Mehr als die Hälfte aller Schizophrenien beginnt zwischen der Pubertät und dem Erwachsenenalter. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen, die Frauen erkranken in der Regel einige Jahre später.

Symptome

Obwohl die Klarheit des Bewusstseins (Name, Wohnort, Tagesdatum usw. werden gewusst) und die intellektuellen Fähigkeiten in der Regel nicht beeinträchtigt sind, stellen Betroffene fest, dass ihr Leben irgendwie nicht mehr so ist wie früher. Sie glauben oft, dass andere in ihre innersten Gefühle und Gedanken eingreifen können, dass fremde Stimmen Befehle geben oder dass andere Menschen jeden Schritt beobachten, den sie tun.

Der Arzt ordnet diese Vielzahl von Beschwerden in Positiv- und Negativsymptome sowie Denkstörungen ein.

Unter Positivsymptomen sind Störungen der Sinneswahrnehmung zu verstehen. Betroffene hören beispielsweise Stimmen, die sich über sie unterhalten und all ihre Handlungen kommentieren. Oft sind sie der Überzeugung, dass ganz alltägliche Situationen eine besondere, meist unheimliche Bedeutung besitzen (z.B. dass das Sonnenlicht, welches schräg durch ein Fenster fällt, eine nahende Katastrophe ankündigt). Dies kann die Betroffenen sehr aufregen und verängstigen.

Negativsymptome erschweren ein positives Lebensgefühl oder die Aufnahme sozialer Bindungen. Mancher Betroffene merkt, dass die bisherigen Tätigkeiten schwerer fallen, z.B. die Hausarbeit, das Lernen in der Schule, die Diskussionen mit den Freunden. Dies kann sich in schlechter Konzentrations- und Leistungsfähigkeit oder auch in mangelnder Lust äußern, mit anderen Menschen etwas zu unternehmen oder sich mit ihnen zu unterhalten. Wenn die Krankheitssymptome schwerer ausgeprägt sind, kann das auch dazu führen, dass das Äußere, wie etwa die Körperpflege, vernachlässigt wird.

Hinzu kommen manchmal auch noch Denkstörungen. Das kann bedeuten, dass der Gesprächspartner nur mit Mühe dem Gedankengang des Kranken folgen kann. Viele Betroffene haben in akuten Krankheitsphasen Schwierigkeiten zu begreifen, was andere ihnen sagen, oder sie selbst können nicht erklären, wie sie sich fühlen, was oft daran liegt, dass die anderen ihre durch die Krankheit veränderte Gedanken- und Erlebenswelt nicht nachvollziehen können. Manchmal ist auch die Merkfähigkeit in Mitleidenschaft gezogen.

Im folgenden sind Beispiele für die drei Symptomgruppen aufgeführt:

Positivsymptome

  • Unterschiede in der Intensität von Empfindungen (z.B. Farben und Geräusche sind ungewöhnlich lebhaft) 
  • Wahnerlebnisse, wie z.B.:
    • Der Betroffene fühlt sich verfolgt und in seiner Privatsphäre beobachtet (Verfolgungswahn).
    • Der Betroffene verweigert die Nahrungsaufnahme, weil er befürchtet, vergiftet zu werden (Vergiftungswahn).
    • Der Betroffene hat z.B. den Eindruck, das Wetter kontrollieren zu können oder mit berühmten Persönlichkeiten in Kontakt zu stehen (Größenwahn).
  • Halluzinationen, wie z.B.:
    • Der Kranke hört Stimmen, die ihn ansprechen, sich untereinander über ihn unterhalten oder sein Verhalten kommentieren (Akustische Halluzinationen).
    • Geruchs- und Geschmackshalluzinationen
    • Fremdartige Gefühle auf der Haut, z.B. das Krabbeln von Ameisen (Körperhalluzinationen)  
  • Angst
  • Ich-Störungen
    • Gedanken, Gefühle oder Körperteile werden als fremd erlebt, so als würden sie gar nicht zu einem gehören (Depersonalisation).
    • Die Betroffenen kommen sich vor wie in einem Film, die Lebensumwelt ist seltsam anders (Derealisation).
    • Der Patient hat das Gefühl, im Sinne einer Hypnose von einem Außenstehenden gesteuert zu werden (Gedankeneingebung).
    • Der Kranke hat den Eindruck, als würden seine Gedanken von anderen gehört werden können (Gedankenausbreitung).
    • Der Betroffene lebt als er selbst in seiner wirklichen Welt und gleichzeitig als eine andere Person in der wahnhaften Welt (Doppelte Buchführung).

Negativsymptome

  • Antriebslosigkeit (die Hausarbeit bleibt liegen, Einkäufe werden nicht erledigt)
  • Misstrauen (Betroffene fürchten oft, dass jeder Mensch, oder bestimmte Menschen, ihnen Böses wollen)
  • Planlosigkeit (nichts wird fertiggemacht, die Stunden und Tage zerrinnen ungenutzt)
  • Aggressive Angespanntheit (als ob eine Kleinigkeit ausreichen würde, vor Wut zu explodieren)
  • Apathie (die Betroffenen sind zurückgezogen, in einer anderen Welt)
  • Verwahrlosungstendenz (der Betroffene ist so erschöpft und lustlos, dass er nicht mehr auf seine Hygiene und sein Erscheinungsbild achtet)
  • Depressive Verstimmung (Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Gefühl von Wertlosigkeit)

Denkstörungen

  • Schwierigkeiten in der Formulierung von Gedanken
  • Zerfahrenheit (während eines Gesprächs geht der "rote Faden" verloren)
  • Einstürmen von mehreren Gedanken auf einmal
  • Der Betroffene produziert beim Sprechen ungewöhnliche Wortneuschöpfungen
  • Worte werden völlig willkürlich miteinander verknüpft und aneinandergereiht (Wortsalat)

Alle beschriebenen Symptome sind Folgen der Erkrankung Schizophrenie, die insbesondere in der akuten Krankheitsphase zusammen oder einzeln auftreten, und werden von dem behandelnden Arzt auch als solche erkannt. Betroffene sollten sich nicht scheuen, mit ihrem Arzt über solche Symptome zu sprechen. Er wird die geschilderten Beschwerden ernst nehmen und dann einen Weg finden, sie zu behandeln.

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