Schuppenflechte

Was ist Schuppenflechte?

Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt, ist eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung, die hauptsächlich die Haut betrifft. Charakteristisch sind erhabene, gerötete und schuppende Hautpartien, die sogenannten Plaques.1 Davon leitet sich auch der Name Plaque-Psoriasis ab.

Weil das Immunsystem bei Schuppenflechte körpereigenes Gewebe angreift und dadurch eine Verletzung vortäuscht, bildet der Körper übermäßig neue Hautzellen. Während die gesunde Oberhaut im Normalfall etwa vier Wochen braucht um sich zu erneuern, geschieht dies bei Psoriasis innerhalb von drei bis vier Tagen. Dieser beschleunigte Prozess verhindert, dass sich eine normale Hornschicht bilden kann.2

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Wie häufig ist Schuppenflechte?

In Deutschland sind etwa zwei Millionen Menschen von Schuppenflechte betroffen. Etwa die Hälfte leidet unter einer mittelschweren bis schweren Form.2

Grundsätzlich kann Schuppenflechte in jedem Alter auftreten. Die meisten Betroffenen erkranken vor dem 40. Lebensjahr, besonders viele im Alter zwischen 15 und 25 Jahren.

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Welche Symptome verursacht Schuppenflechte?

Die Schuppenflechte hat viele Gesichter. Man unterscheidet zum Beispiel zwischen der häufigen Form einer Psoriasis vulgaris und der eher seltenen Form einer Psoriasis inversa. Außerdem wird oftmals eine Beteiligung der Nägel (Psoriasis unguium) und der Gelenke (Psoriasis-Arthritis) beobachtet. Jede Form geht dabei mit unterschiedlichen Symptomen einher.1

Psoriasis vulgaris – Die häufigste Form der Schuppenflechte

Etwa 80–90 % der Betroffenen leiden unter dieser Form der Erkrankung.1 Sie beginnt in den meisten Fällen plötzlich, mit einem scharf abgegrenzten rötlichen Ausschlag mit starker weißlicher Schuppung, der häufig auch juckt. Bei der großen Mehrheit der Betroffenen vergrößern sich die Herde im Laufe der Zeit und fließen zusammen.2

Besonders häufig betroffen sind:2

  • Kopfhaut
  • Körperfalten (z. B. die Analfalte zwischen den Pobacken)
  • Streckseiten von Gelenken (z. B. Ellenbogen oder Knie)
  • Gesäß
  • Rücken
  • Hände und Füße

In sehr seltenen schweren Fällen ist die gesamte Haut betroffen (Erythrodermie). Dieser Zustand kann lebensbedrohlich sein.2

Psoriasis inversa – eine seltene Form der Schuppenflechte

Bei der Psoriasis inversa sind ausschließlich größere Hautfalten wie die Kniekehlen und Achselhöhlen betroffen. Die Diagnose der Psoriasis inversa wird oft dadurch erschwert, dass bei einer Vielzahl der Fälle keine Hautschuppung auftritt.1

Psoriasis-Arthritis – ein Gelenkleiden, das oft unerkannt bleibt

Rund jeder dritte Betroffene leidet neben der Schuppenflechte der Haut gleichzeitig auch unter einer entzündlichen Erkrankung der Gelenke, der Psoriasis-Arthritis.1 Betroffen sind einzelne Gelenke und Sehnen an Fingern oder Zehen. Die Finger und/oder Zehen können dann wurstförmig verdickt erscheinen („Wurstfinger“ oder „Wurstzehen“). Daneben kann sich die Entzündung aber auch in anderen Gelenken bemerkbar machen, vor allem im Knie- und im Sprunggelenk sowie im unteren Rücken. Außerdem können Veränderungen an den Sehnenansätzen auftreten.3

Die Symptome können je nachdem, welche Strukturen betroffen sind, sehr unterschiedlich sein.3 Bei etwa 80 % der Betroffenen lässt sich zunächst über viele Jahre hinweg nur eine Schuppenflechte der Haut beobachten, bevor die Erkrankung auch auf die Gelenke übergreift. In wenigen Fällen (etwa 10 %) wird das Gelenkleiden vor der Schuppenflechte der Haut bemerkt oder die Erkrankung verläuft ganz ohne Hautsymptome.2

Schuppenflechte an den Nägeln

In circa 50–80 % aller Erkrankungsfälle befällt die Schuppenflechte auch die Nägel an Händen und Füßen. Die Nägel können dann gelb-gräulich verfärbt sein und unter den Nägeln kann es zu einer starken Schuppenbildung kommen und die Nagelplatte kann zerstört werden.2

Bei Betroffenen, die unter Nagelpsoriasis leiden, kommt die Psoriasis-Arthritis etwa doppelt so häufig vor als bei Betroffenen, deren Nägel unauffällig sind.2

Begleiterkrankungen

Schuppenflechte ist nicht nur eine Erkrankung der Haut, sondern kann auch den ganzen Körper betreffen. Man spricht dann von einer sogenannten Systemerkrankung. So treten bei Menschen mit Schuppenflechte häufiger Begleiterkrankungen (auch Komorbidität genannt) auf wie zum Beispiel1

  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Metabolisches Syndrom mit Störungen des Zucker- und Fettstoffwechsels, Übergewicht und Bluthochdruck
  • Depressive Stimmungslage

Art und Häufigkeit der Komorbidität bei Menschen mit Psoriasis4

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Wie wirkt sich Schuppenflechte auf die psychische Gesundheit und die Lebensqualität aus?

Menschen mit Schuppenflechte leiden oft nicht nur körperlich, sondern auch seelisch unter ihrer Erkrankung. Vor allem, wenn sich die Hautschuppung nicht unter der Kleidung verstecken lässt, weil sie Gesicht oder Hände betrifft, kann die seelische Belastung enorm sein. Viele Betroffene ziehen sich aus Scham zurück und haben deutlich weniger Körperkontakt mit anderen Menschen als Gesunde. Körperliche Nähe ist bei ihnen oft mit Ängsten und Unsicherheit verbunden. Betroffene berichten deshalb häufig von schwerwiegenden Auswirkungen der Schuppenflechte auf ihre Partnerschaft und andere soziale Kontakte.2

Faktoren, die bei Menschen mit Schuppenflechte zu sozialer Abgrenzung führen können5,6,7,8,9,10

Menschen mit Psoriasis werden insgesamt weniger häufig berührt als gesunde Menschen11

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Was sind die Ursachen der Schuppenflechte?

Die Ursachen der Schuppenflechte können vielfältig sein. Experten vermuten eine genetische Komponente der Erkrankung. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts leiden in etwa 30–40% der Fälle auch Angehörige von Betroffenen an Schuppenflechte.2

Die Schuppenflechte tritt auf, wenn neben der genetischen Veranlagung weitere persönliche oder umweltbedingte Faktoren hinzukommen. Dazu gehören beispielsweise

  • Reizungen oder Verletzungen der Haut
  • hormonelle Schwankungen (z. B. durch die Pubertät oder eine Schwangerschaft)
  • Infektionen
  • Rauchen
  • Alkohol
  • Stress

Solche Faktoren können einerseits zum Ausbruch der Erkrankung beitragen, andererseits aber auch Krankheitsschübe auslösen.2

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Wie wird Schuppenflechte diagnostiziert?

Die Schuppenflechte wird primär anhand einer gründlichen Untersuchung der Haut beim Hautarzt diagnostiziert. Aufgrund der vielfältigen Ausprägungen der Erkrankung kann die Diagnose in manchen Fällen erschwert werden.1

Um die Diagnose Schuppenflechte zu stellen, ist es wichtig, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen (z. B. Ekzeme oder Pilzinfektionen).2

Ein charakteristisches Merkmal der Schuppenflechte ist ein dünnes Häutchen, das zurückbleibt, wenn eine Schuppe vorsichtig abgekratzt wird. Wird auch dieses Häutchen abgekratzt, kommt es zu einer leichten punktförmigen Blutung („blutiger Tau“ oder „Auspitz-Phänomen“).2

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Wie wird Schuppenflechte behandelt?

Eine Schuppenflechte kann trotz der Fortschritte in der Therapie nicht geheilt werden. Wichtige Ziele der Behandlung sind:

  • Eine möglichst dauerhafte erscheinungsfreie Haut und
  • ein Verschwinden des Juckreizes
  • sowie eine Besserung der Gelenkbeschwerden bei einer Psoriasis-Arthritis.

Für die Therapie der Schuppenflechte stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Da jede Schuppenflechte einen anderen Verlauf hat, wird der Hautarzt das Therapiekonzept individuell an die Bedürfnisse eines jeden Patienten anpassen. Mehrere verschiedene Behandlungen können dabei auch kombiniert werden.2

Äußerliche Behandlung

Für die Behandlung der Schuppenflechte stehen zahlreiche wirksame Medikamente zur Verfügung, die zum Beispiel in Form einer Creme oder eines Gels direkt auf die Haut aufgetragen werden können. Die äußerliche Behandlung (topische Therapie) ist besonders dann geeignet, wenn nur wenige oder begrenzte Hautareale betroffen sind.

Die äußerliche Behandlung der Schuppenflechte schließt unter anderem folgende Wirkstoffe ein:2

      • Glukokortikoide (Kortison)
        Die Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Cortisol wirken entzündungshemmend und verbessern den Juckreiz.
      • Vitamin D3-Abkömmlinge
        Diese Substanzen hemmen das übermäßige Zellwachstum und den Entzündungsverlauf.
      • Dithranol
        Dithranol ist ein synthetisch hergestellter Abkömmling eines Naturstoffgemisches, das in der indischen und südamerikanischen Heilkunst schon im 18. Jahrhundert bei Hautkrankheiten eingesetzt wurde. Er hemmt ebenfalls die übermäßige Zellvermehrung.

Phototherapie mit UV-Licht

Die Bestrahlung mit ultraviolettem Licht (UVA und UVB) verringert die Entzündung und hilft, das Zellwachstum zu normalisieren. Die Wirkung des UV-Lichts kann unterstützt werden durch Salzwasserbäder (Balneo-Phototherapie) oder bestimmte Wirkstoffe wie Psoralen (PUVA-Therapie).2

Innere Behandlung

Eine systemische, d.h. innerlich wirkende Therapie ist in der Regel bei einem mittelschweren bis schweren Verlauf der Schuppenflechte indiziert oder wenn mit einer äußerlichen Therapie kein ausreichender Behandlungserfolg erzielt werden konnte. Bei schweren Formen der Erkrankung kann eine systemische Therapie die Symptome sichtbar verbessern.

Für die konventionelle systemische Therapie können folgende Wirkstoffe eingesetzt werden:2

      • Fumarate
      • Chemo- oder Basistherapeutika
      • Vitamin A-Abkömmlinge (Retinoide)
      • Medikamente, die das Immunsymstem dämpfen

Im Gegensatz zu den konventionellen Wirkstoffen zur systemischen Therapie der Schuppenflechte, greifen moderne Wirkstoffe direkt in die fehlerhafte Abwehr-Reaktion des Körpers ein. Entzündungsprozesse werden unterbrochen oder reguliert. Das ermöglicht oft eine gute und langfristige Kontrolle der Symptome. Die Wirkung setzt meist bereits nach wenigen Wochen ein und kann zu einer sichtbaren Verbesserung der Symptomatik führen. Damit einhergehen kann eine deutliche Steigerung der Lebensqualität von Betroffenen.2 Zu den modernen Wirkstoffen, die bei einer systemischen Therapie angewendet werden können, zählen die Biologika und die sogenannten „small molecules“. Bei den Biologika handelt es sich um gentechnisch hergestellte Eiweißstoffe, die nicht als Tablette eingenommen werden können, sondern immer mithilfe eines Pens oder mit einer Spritze verabreicht werden müssen wie z. B. TNF-alpha-Inhibitoren oder die IL-17A-Inhibitoren.1,12 Mit „small molecules“ werden moderne Wirkstoffe bezeichnet, die in den Immunzellen gezielt die Signalübertragung hemmen und somit die Aktivierung des Immunsystems unterdrücken.13

Im Gespräch mit Ihrem Hautarzt erfahren Sie, wie die Schuppenflechte behandelt werden kann, welche Behandlungsmöglichkeiten für Sie geeignet sind und wie Sie die Symptome der Psoriasis dauerhaft bekämpfen können.

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Tipps zur Hilfe und Selbsthilfe bei Schuppenflechte:

  • Konsultieren Sie einen spezialisierten Hautarzt
  • Informieren Sie Ihren Arzt über Unverträglichkeiten und Besonderheiten im Therapieverlauf
  • Akzeptieren Sie Ihre Erkrankung und seien Sie selbstbewusst
  • Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson über Ihre Gefühle und Ängste
  • Erkundigen Sie sich nach den Angeboten von Selbsthilfegruppen
  • Nehmen Sie an Patientenschulungen teil
  • Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, ob Sie eine professionelle psychologische Hilfe in Anspruch nehmen sollten

Bei vielen von Schuppenflechte betroffenen Menschen kann der Lebensstil die Wahrscheinlichkeit für einen Krankheitsschub beeinflussen. Beugen Sie deshalb nach Möglichkeit sogenannten Triggern vor, die bei Ihnen Ihrer Erfahrung nach Schübe auslösen können. Dazu gehören:2

  • Hautreizungen, z. B. durch Verletzungen, Sonnenbrand oder Kratzen
  • Infektionen der Haut
  • Tabakkonsum
  • Übermäßiger Alkoholgenuss
  • (Emotionaler) Stress
  • Übergewicht und ungesunde Ernährung

Weitere Tipps finden Sie auch unter www.bitteberuehren.de.

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Bildnachweis

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Referenzen

  1. Warren R., Menter A. Handbook of Psoriasis and Psoriatic Arthritis. Springer International Publishing, Switzerland 2016.
  2. Kampagne „Bitte berühren – Gemeinsam aktiv gegen Schuppenflechte“
    www.bitteberuehren.de (besucht am 27.03.2017).
  3. Isserstedt U. Psoriasisarthritis – Gelenkentzündung bei Schuppenflechte. Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V., 5. Auflage 2010.
  4. Schaarschmidt ML et al. PLos One 2015; 10: e0144335.
  5. Sampogna F et al. Acta Derm Venerol 2012; 92: 299-303.
  6. Kimball AB et al. Am J Clin Dermatol 2005; 6: 383-392.
  7. Armstrong AW et al. PLoS One 2012; 7: e52935.
  8. Ljossa TM et al. Acta Derm Venerol 2010; 90: 39-45.
  9. Zhu B et al. Br J Dermatol 2014; 171: 1215-1121.
  10. Ginsburg IH Link BG. Int J Dermatol 1993; 32: 587-591.
  11. Suviletho JT et al. PNAS 2015; 112: 13811-13816.
  12. Augustin M. et al. Patientenleitlinie zur Behandlung der Psoriasis der Haut. Deutscher Psoriasis Bund e.V. (Hrsg.). 3. Auflage, 2013.
  13. Torres T, Filipe P. Drug Dev Res. 2015;76(5):215-27.