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Neue DGRh-Leitlinie zur Therapie der rheumatoiden Arthritis

Empfehlung für Einsatz von JAK-Inhibitoren wie Baricitinib (Olumiant®) nach MTX-Versagen

21.09.2018

Bad Homburg/Mannheim – Die von der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) verabschiedete neue S2e-Leitlinie empfiehlt für die Therapie der rheumatoiden Arthritis (RA) erstmals auch den Einsatz von Januskinase (JAK)-Inhibitoren wie Baricitinib* (Olumiant®). Wie der Internist und Rheumatologe Prof. Klaus Krüger, München, auf einem Pressegespräch im Rahmen des diesjährigen DGRh-Kongresses in Mannheim erläuterte, wird die innovative Wirkstoffklasse dabei als gleichwertige Alternative zu Biologika empfohlen. Damit schließen sich die neuen Empfehlungen der DGRh den Leitlinien der EULAR an, die 2016 vorgestellt wurden.1

Krüger zufolge wurde bereits früh erkannt, dass die Inhibition der Januskinasen bei der Behandlung der RA großes Potential besitzt. „So wurde der Beschluss der EULAR, JAK-Inhibitoren nach Versagen von MTX bei Vorliegen ungünstiger prognostischer Faktoren zu empfehlen, bereits zu einem Zeit-punkt getroffen, als die Substanzen noch in kaum einem EULAR-Mitgliedsland zugelassen waren.“ Wesentliche Gründe für die frühe Berücksichtigung der targeted synthetic DMARDs (tsDMARDs) in den Leitlinien waren die in Studien nachgewiesene gute Wirksamkeit und Verträglichkeit der zielgerichteten Therapie.1 In einem breit angelegten Phase-III-Studienprogramm mit mehr als 3.000 behandelten Patienten hat sich beispielsweise der JAK-Inhibitor Baricitinib als konsistent wirksam erwiesen.2,3,4,5 Dies zeigte u. a. die Schlüsselstudie RA-BEAM, die erste direkte Vergleichsstudie eines Arzneimittels mit kleiner Molekülstruktur mit einem Biologikum (bDMARD) bei RA, in der Baricitinib plus MTX der Behandlung mit Adalimumab plus MTX in Woche 12 hinsichtlich ACR20-Ansprechen und mittlerer Reduktion des DAS28-CRP signifikant überlegen war.3 Auch zu weiteren Zeitpunkten waren die Ansprechraten z. B. hinsichtlich ACR50 und ACR70 unter Baricitinib signifikant höher als unter Adalimumab.3 Rasche signifikante Verbesserungen ergaben sich zudem in den für Patienten relevanten Parametern wie körperliche Funktion, Schmerz und Fatigue.3 „Baricitinib zeigte im gesamten zur Zulassung eingereichten Studienprogramm neben seiner guten klinischen Wirksamkeit ein günstiges Verträglichkeitsprofil, das über eine Expositionsdauer von bis zu 5,5 Jahren keine neuen Sicherheitshinweise ergab“, so Krüger.

JAK-Inhibitoren in der neuen S2e-Leitlinie

Die neuen Prinzipien und Empfehlungen der S2e-Leitlinie der DGRh beruhen auf einer systematischen Recherche, Auswahl und Bewertung der Literatur und orientieren sich an den 2016 aktualisierten Leitlinien der EULAR.7 Wie Krüger erläuterte, wurden JAK-Inhibitoren in beiden Leitlinien als gleichwertige Alternative zu bDMARDs bewertet, sodass sie vor oder nach dieser Substanzklasse eingesetzt werden können. Ebenfalls konsistent mit den EULAR-Empfehlungen ist der in der DGRh-Leitlinie vorgeschlagene Therapiealgorithmus, der auf dem Prinzip des „Treat-to-Target“ (T2T) beruht und nach dem die weitere medikamentöse Behandlung vom Erreichen bestimmter Therapieziele abhängig ist. „Der Leitlinie zufolge kann eine Therapie mit einem JAK-Inhibitor oder bDMARD bereits bei Patienten zum Einsatz kommen, die unter einer optimierten Starttherapie mit MTX oder einem anderen cDMARD das Therapieziel verfehlt haben und bei denen eine hohe Krankheitsaktivität oder ungünstige Prognosefaktoren bestehen“, so Krüger. „Hierbei sollten beide Substanzgruppen, wenn möglich, mit MTX kombiniert werden.“ Ob ein JAK-Inhibitor oder ein Biologikum zum Einsatz komme, sei neben patientenindividuellen medizinischen Kriterien auch von der Präferenz des Patienten abhängig, die in die Therapieentscheidung einbezogen werden sollte. Für eine zielgerichtete Therapie mit Baricitinib sprechen folgende Eigenschaften des Medikaments:

  • einfache Anwendung als Tablette, die nur einmal täglich eingenommen werden muss8,✝
  • gute Steuerbarkeit aufgrund ihrer kurzen Halbwertszeit von 12,5 Stunden8
  • sehr geringe hepatische Metabolisierung, dadurch so gut wie keine klinisch relevanten Wechselwirkungen8
  • gleichermaßen als Monotherapie oder in Kombination mit MTX zugelassen – die klinische Wirksamkeit ist vergleichbar, in Bezug auf die Hemmung der radiologischen Progression schneidet die Kombination jedoch besser ab2

Weiterhin sieht der Therapiealgorithmus vor, dass Patienten ohne hohe Krankheitsaktivität oder ungünstige Prognosefaktoren, die nach Versagen einer optimierten Starttherapie eine Kombination aus zwei konventionellen DMARDs erhalten, bei Verfehlen des Therapieziels ebenfalls auf JAK-Inhibitoren oder bDMARDs umgestellt werden. „Wird unter einem bDMARD dann kein Ansprechen oder keine Remission erreicht, sollte auf ein anderes Biologikum oder auf einen JAK-Inhibitor umgestellt werden, während umgekehrt beim Versagen eines tsDMARD ein Biologikum zum Einsatz kommen sollte“, fasste Krüger zusammen.

*Olumiant® ist zugelassen zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis bei erwachsenen Patienten, die auf eine vorangegangene Behandlung mit einem oder mehreren krankheitsmodifizierenden Antirheumatika unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben. Olumiant® kann als Monotherapie oder in Kombination mit Methotrexat eingesetzt werden

✝ Empfohlene Dosis: 4 mg, eine Dosis von 2 mg ist für bestimmte Patienten angebracht/kann angebracht sein (siehe Fachinformation)

  1. Smolen JS et al. EULAR recommendations for the management of rheumatoid ar-thritis with synthetic and biological disease-modifying antirheumatic drugs: 2016 update. Ann Rheum Dis 2017; 76:960-977
  2. Fleischmann R et al. Baricitinib, Methotrexate, or Combination in Patients with Rheumatoid Arthritis and No or Limited Prior Disease-Modifying Antirheumatic Drug Treatment. Arth Rheum 2017; 69:506-517
  3. Taylor PC et al. Baricitinib versus Placebo or Adalimumab in Rheumatoid Arthritis. N Engl J Med 2017; 376:652-662
  4. Dougados M et al. Baricitinib in patients with inadequate response or intolerance to conventional synthetic DMARDs: results from the RA-BUILD study. Ann Rheum Dis 2017; 76:88-95
  5. Genovese MC et al. Baricitinib in Patients with Refractory Rheumatoid Arthritis. N Engl J Med 2016; 374:1243-1252
  6. Fiehn C et al. S2e-Leitlinie: Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodi-fizierenden Medikamenten. Z Rheumatol 2018; 77(Suppl 2):35-53
  7. Fachinformation Olumiant®, Stand: Januar 2018