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Kongress des American College of Rheumatology (ACR) 2018

Neue Post-hoc-Daten zu Baricitinib: Vorteile bei frühzeitigem Einsatz – langanhaltend verträglich

14.11.2018

Chicago/Bad Homburg – Eine frühzeitige effektive Behandlung der rheumatoiden Arthritis (RA) hat eine hohe Relevanz, denn die Progression der Erkrankung führt zu einer irreversiblen Gelenkzerstörung. Diese kann das Leben der Betroffenen nachhaltig beeinträchtigen.1 Neue, auf dem ACR-Kongress in Chicago vorgestellte Post-hoc-Daten der RA-BEAM-Studie zeigten, dass RA-Patientena anhaltend von einer frühen Einstellung auf die orale Therapie mit dem Januskinase (JAK)-Inhibitor Baricitinib (Olumiant®) profitieren können – sowohl bei der Hemmung der radiologischen Progression struktureller Gelenkschäden als auch bei der Besserung der körperlichen Funktion.2 Zudem bestätigt eine aktuelle Auswertung bei nahezu 3.500 Patienten die Langzeitverträglichkeit von Baricitinib über einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren.3 Ebenso wurde die gute kardiovaskuläre Langzeitsicherheit von Baricitinib belegt, die unter anderem durch eine stabile, mit der in der RA-Population vergleichbaren Inzidenz von venösen Thromboembolien (VTE) gekennzeichnet ist.4

Die RA schränkt die Patienten nicht nur erheblich in ihrem Alltag ein, sondern führt auch schleichend zu einer Destruktion der Gelenke und damit zu einem irreversiblen Funktionsverlust, wenn sie unbehandelt bleibt.1 Deshalb ist eine frühe und konsequente Hemmung der Krankheitsaktivität und damit der Erhalt der körperlichen Funktion ein entscheidender Faktor in der Therapie. Dies empfiehlt auch die aktuelle S2e-Leitlinie der DGRh.5 Laut der neuen Leitlinie sind innovative, zielgerichtete synthetische DMARDs (tsDMARDs) wie Baricitinib als gleichwertige Alternative zu biologischen DMARDs (bDMARDs) bereits in der zweiten Therapiephase indiziert, wenn eine Kombination mehrerer konventioneller DMARDs (csDMARDs) versagt hat, oder bereits nach dem ersten csDMARD, wenn eine hohe Krankheitsaktivität und/oder ungünstige Prognosefaktoren vorliegen.5

Frühzeitiger Einsatz – effektive Hemmung der Krankheitsprogression

Für den einmal täglich als Tablette einzunehmenden JAK1- und JAK2-Inhibitor Baricitinib zeigt eine neue Post-hoc-Analyse der Phase-III-Studie RA-BEAM (n = 1.305) eine starke Wirksamkeit bei einem frühzeitigen Einsatz.2,6,b Untersucht wurde der Effekt einer frühen Einstellung auf Baricitinib im Vergleich zu einem um bis zu 24 Wochen verzögerten Therapiebeginn. Patienten, die zu Beginn auf Adalimumab oder Placebo eingestellt wurden, erhielten bei unzureichendem Ansprechen in Woche 14 oder 16 Baricitinib. Zudem wurden alle Patienten in der Placebogruppe ab Woche 24 auf Baricitinib umgestellt. In beiden Gruppen zeigte sich eine schnelle Verbesserung der Krankheitsaktivität, gemessen am Clinical Disease Activity Index (CDAI), mit ähnlich guten Effekten ab Woche 40. Patienten, die seit Beginn der Studie Baricitinib erhielten, erreichten jedoch eine deutlichere Verbesserung der körperlichen Funktion (bewertet mit dem Health Assessment Questionnaire-Disability Index, HAQ-DI) als diejenigen, die mit Verzögerung auf Baricitinib umgestellt wurden. Die körperliche Funktion verbesserte sich in beiden Gruppen unter Baricitinib schnell und stark. Die später eingestellten Patienten wiesen aber, verglichen mit den früher eingestellten Patienten, erst in Woche 52 eine vergleichbare Reduktion auf. Deutlichere Unterschiede zeigten sich bei der irreversiblen radiologischen Progression struktureller Gelenkschäden: Bei Patienten mit einer frühzeitigen Baricitinib-Therapie war die Destruktion nur etwa halb so stark fortgeschritten wie bei Patienten mit späterem Therapiebeginn (gemessen anhand der Veränderung des mTSS vom Ausgangswert, p≤0,01).2

Dass eine frühzeitige effiziente Hemmung der radiologischen Progression von großer Bedeutung ist, bestätigte die retrospektive Analyse der RA-Kohorte des niederländischen DREAMc-Registers.7 Über einen Zeitraum von drei Jahren wurde eine nahezu lineare Korrelation zwischen dem Fortschreiten der radiologischen Progression und dem Anstieg der Krankheitsaktivität beobachtet. Eine frühzeitige Hemmung der Gelenkdestruktion könnte somit zu einem langfristig besseren Ansprechen führen.

Ein Wechsel von bDMARD auf Baricitinib kann sich lohnen

Nach Abschluss der RA-BEAM-Studie führten 97 Prozent der mit Baricitinib behandelten Patienten die Therapie in der Langzeit-Extension (LTE)-Studie RA-BEYOND fort. Patienten, die zuvor in der RA-BEAM-Studie Adalimumab erhielten, wurden in der LTE-Studie auf Baricitinib umgestellt. Eine aktuelle Analyse dieser Patientenkohorte zeigte, dass sich eine Umstellung auf Baricitinib für Patienten lohnen kann, die unzureichend auf das bDMARD Adalimumab ansprechen.8 In einem Zeitraum von 48 Wochen blieb die gute Kontrolle der Krankheitsaktivität bei den Therapiewechslern erhalten. Etwa 50 Prozent der Patienten, die zuvor mit Adalimumab ein unzureichendes Ansprechen zeigten (CDAI>10), erzielten nach 48 Wochen unter Baricitinib eine geringe Krankheitsaktivität (CDAI≤10). Die Umstellung war für die Patienten gut verträglich, die Rate unerwünschter Nebenwirkungen war vergleichbar.

Langanhaltend gut verträglich über bis zu sechs Jahre

In der Langzeittherapie überzeugt Baricitinib als wirksames krankheitsmodifizierendes Antirheumatikum bei gleichzeitig guter Verträglichkeit.6 Im Gegensatz zu Biologika werden gegen den chemisch-synthetischen JAK-Hemmer Baricitinib auch langfristig keine Antidrug-Antibodies gebildet. Die anhaltende Wirksamkeit konnte bislang über einen Zeitraum von drei Jahren demonstriert werden.9 Eine kürzlich veröffentlichte integrierte Analyse basierend auf acht klinischen Studien belegte zudem die Langzeitverträglichkeit von Baricitinib bei nahezu 3.500 RA-Patienten über eine Expositionsdauer von bis zu 5,5 Jahren.10 Aktualisierte Daten dieser Auswertung wurden nun auf dem Kongress des ACR vorgestellt. Diese zeigten über sechs Jahre (7.860 Patientenjahre) keine neuen Sicherheitshinweise und bestätigen somit erneut das gute Sicherheitsprofil von Baricitinib.3 Die Inzidenzrate je 100 Patientenjahre für unerwünschte Nebenwirkungen war mit den bisherigen Analysen vergleichbar und blieb über den Expositionszeitraum konstant. In den Zulassungsstudien zählten zu den häufigsten Nebenwirkungen erhöhtes LDL-Cholesterin (33,6 %), Infektionen der oberen Atemwege (14,7 %) und Übelkeit (2,8 %).6

Eine andere Analyse der Langzeit-Studienkohorte untersuchte die kardiovaskuläre Sicherheit von Baricitinib über bis zu sechs Jahre.4 Auch diese Daten zeigten kein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (Inzidenzrate 0,5), arterielle Thromboembolien (Inzidenzrate 0,4), tiefe Venenthrombosen oder Lungenembolien (Inzidenzrate 0,5). Die Inzidenzraten blieben über den Expositionszeitraum konstant. In Chicago wurden zwei weitere unabhängige retrospektive Auswertungen zur VTE-Inzidenz bei RA-Patienten vorgestellt, die bDMARDs oder csDMARDs erhielten.11,12 Diese belegen, dass die VTE-Inzidenz unter Baricitinib mit Biologika vergleichbar war (Inzidenzrate für VTE mit Biologika in den beiden Studien 0,95 und 0,98). Die aktuellen, beim Kongress der ACR präsentierten Daten bestätigen das günstige Sicherheitsprofil von Baricitinib über bis zu sechs Jahre.3,4 Darüber hinaus zeigen sie, dass Patienten nachhaltig von einem frühen Einsatz des JAK-Inhibitors profitieren können2 und auch jene, die bereits ein bDMARD erhalten haben, nach Umstellung auf Baricitinib gut ansprechen können.8

Verweise

a Olumiant® ist angezeigt zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis bei erwachsenen Patienten, die auf eine vorangegangene Behandlung mit einem oder mehreren krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben.

b Die empfohlene Dosis von Baricitinib beträgt 4 mg einmal täglich. Eine Dosis von 2 mg täglich ist für Patienten ab 75 Jahre angebracht und kann auch für andere, in der Fachinformation spezifizierte Patientengruppen angebracht sein.

c DREAM: Dutch Rheumatoid Arthritis Monitoring

Quellen

  1. Bastian H et al. Therapiestrategien bei rheumatoider Arthritis. Der Internist 2011; 6:645-656.
  2. Taylor PC et al. Baricitinib: Early Vs. Delayed Start in Patients with Rheumatoid Arthritis Baricitinib: Early Vs. Delayed Start in Patients with Rheumatoid Arthritis [Poster #546]. American College of Rheumatology (ACR). Chicago, 19 - 24 Okt. 2018.
  3. Genovese MC et al. Safety Profile of Baricitinib for the Treatment of Rheumatoid Arthritis up to 6 Years: An Updated integrated Safety Analysis [Oral Presentation #962]. American College of Rheumatology (ACR). Chicago, 19 - 24 Okt. 2018.
  4. Weinblatt ME et al., Cardiovascular Safety – Update from up to 6 Years of Treatment with Baricitinib in Rheumatoid Arthritis Clinical Trials [Oral Presentation #2815]. American College of Rheumatology (ACR). Chicago, 19 - 24 Okt. 2018.
  5. Fiehn C et al., S2e-Leitlinie: Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten. ZfR 2018; 88:35-53.
  6. Fachinformation Olumiant®, Stand: September 2018
  7. ten Klooster PM et al., Association between Disease Activity and Radiographic Progression in the Current Treat-to-Target Paradigm of Rheumatoid Arthritis: Real World Data from the Dutch Rheumatoid Arthritis Monitoring (DREAM) Registry [Poster #1457]. American College of Rheumatology (ACR). Chicago, 19 - 24 Okt 2018.
  8. Weinblatt ME et al., Efficacy and Safety of Switching from Adalimumab to Baricitinib: Long-Term Data from Phase 3 Extension Study in Patients with Rheumatoid Arthritis [Oral Presentation #886]. American College of Rheumatology (ACR). Chicago, 19 - 24 Okt 2018.
  9. Smolen J et al. Durability and maintenance of efficacy following prolonged treatment with baricitinib. Ann Rheum Dis 2017; 76(Suppl 2):515-516.
  10. Salinas CA et al. Risk of Venous Thromboembolism in Rheumatoid Arthritis Patients in Truven Marketscan Data (Jan 2010–Sept 2015) Treated with Biologic or Conventional DMARDs [Poster #2456]. American College of Rheumatology (ACR). Chicago, 19 - 24 Okt 2018.
  11. Maro J et al. Risk of Venous Thromboembolism in Rheumatoid Arthritis Patients Treated with Biologic and Non-Biologic DMARDs [Poster #2455]. American College of Rheumatology (ACR). Chicago, 19 - 24 Okt 2018.