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Alzheimer-Krankheit

„Wir müssen etwas an unserer Herangehensweise zur Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit ändern“

13.10.2016

Der 11. Dezember 2013 war ein wichtiger Tag im Kampf gegen die Volkskrankheit Demenz: Die Gesundheitsminister der G8-Staaten beschlossen per Deklaration, künftig gemeinsam gegen Demenzerkrankungen vorzugehen. Sie nahmen sich vor alles zu tun, damit bis 2025 eine wirksame Therapie entwickelt werden kann.1 Heute knapp drei Jahre später warnt ein internationales Experten-Gremium in der Zeitschrift Alzheimer’s Research & Therapy davor, dass dieses Ziel in Gefahr ist, wenn nicht entscheidende Kurskorrekturen vorgenommen werden.

Demenzerkrankungen gehören zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Immer mehr Menschen erkranken und die Kosten für die Pflege sind hoch2. Und trotz jahrzehntelanger Forschung ist kein Ansatz für eine Heilung in Sicht. Ein wichtiger Schritt könnten Medikamente sein, die den Verlauf der Alzheimer-Krankheit, als häufigste Ursache einer Demenz, verlangsamen. Solche krankheitsmodifizierenden Medikamente sollen – so das erklärte Ziel des Demenzgipfels vor drei Jahren in London – bis 2025 zur Verfügung stehen. Ein internationales Expertengremium kommt nun allerdings zu dem Schluss, dass unter den derzeitigen Bedingungen nur wenige Medikamente überhaupt eine Chance haben, bis zum Jahr 2025 zugelassen und verfügbar zu sein.

„Wenn wir bis zum Jahr 2025 krankheitsmodifizierende Therapien zur Verfügung haben wollen, müssen sich wesentliche Bedingungen in den Bereichen Forschung und klinische Entwicklung ändern“, sagte Dr. Jeffrey Cummings, Direktor des Cleveland Clinic Lou Ruvo Center for Brain Health, Las Vegas, USA. „Wenn wir nicht umgehend etwas an unserer Herangehensweise zur Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit ändern, fügen wir nicht nur den vielen Menschen Schaden zu, die von dieser verheerenden Krankheit betroffen sind, sondern auch unseren Gesundheitssystemen.“

In der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Alzheimer’s Research & Therapy veröffentlichte die Arbeitsgruppe um Dr. Cummings kürzlich die Arbeit „Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit: der Pfad bis 2025“.3 Die Autoren analysieren die aktuelle Situation und die Herausforderungen und schlagen u.a. folgende Ansätze vor, um die Entwicklung zu beschleunigen:

  • Designs klinischer Studien verbessern: Die Verknüpfung verschiedener Studienphasen und die entsprechende Entwicklung der primären Studienendpunkte können zu effizienteren klinischer Studien führen.
  • Patientenregister aktualisieren: Modernere Datenbanken, in denen sich ältere gesunde Menschen und Menschen mit Demenz-Symptomen aufnehmen lassen können, könnten die Rekrutierung für klinische Studien optimieren.
  • Frühe Diagnostik fördern: Aktuelle klinische Skalen zur Erfassung von Demenzsymptomen sind weder sensibel noch spezifisch genug, um frühe Anzeichen der beginnenden Demenz bei einer zugrundeliegenden Alzheimer-Krankheit zu erkennen. Sensiblere Skalen zur Bewertung kognitiver Symptome könnten helfen, erste Veränderungen bei Menschen mit minimalen Symptomen zu erfassen.
  • Regulatorische Prozesse optimieren: Eine schnellere Prüfung durch die Zulassungsbehörden, Anpassung der Endpunkte klinischer Studien an das Krankheitsstadium (z. B. Auswirkungen auf Kognition als alleinigen primären Studienendpunkt in frühen Phasen) sowie pivotale Studien mit mehrere Patientenpopulationen könnten die Zulassung von Arzneimitteln beschleunigen.

„Das Ziel, das wir mit dieser Publikation verfolgen, ist einfach: Wir wollen die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung und Vorbeugung der Alzheimer-Krankheit vorantreiben und Diskussionen und Maßnahmen von Industrie, Wissenschaft und Zulassungsbehörden anregen“, sagte Dr. Philip Scheltens, VU University Medical Center, Amsterdam, Niederlande. „Wir sind zuversichtlich, dass mit Anpassungen bestehender Vorgehensweisen und wenn diese Empfehlungen zum Tragen kommen, das Ziel Wirklichkeit wird, die Alzheimer-Krankheit bis zum Jahr 2025 behandeln zu können.“

Alzheimer-Forschung bei Lilly

Lilly forscht seit über 25 Jahren an Therapien zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit und an Verfahren zur Diagnose. Derzeit befinden sich mehrere Moleküle mit verschiedenen Behandlungsansätzen in unterschiedlichen Phasen der klinischen Forschung in der Lilly-Pipeline.

Über die Alzheimer-Krankheit

Bei der Alzheimer-Krankheit kommt es zur Beeinträchtigung mehrerer Stoffwechselvorgänge des Gehirns, die vermutlich Jahrzehnte vor dem Auftreten erster Beschwerden beginnen. Erst spät im Krankheitsverlauf machen sich langsam zunehmende Beeinträchtigen von geistigen Leistungen wie Gedächtnis, Orientierung, Funktionsfähigkeit und Urteilsvermögen bemerkbar. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für die Entwicklung einer Demenz. In Deutschland leben Schätzungen zufolge 1,2 bis 1,6 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen, etwa 50 bis 70 % von ihnen haben nach klinischen Kriterien eine Alzheimer-Demenz.4,5 Die Prognosen gehen von wachsenden Zahlen in den nächsten Jahren aus, einhergehend mit steigenden Kosten für die medizinische, pflegerische und soziale Versorgung.2

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1Department of Health G8 UK. G8 Dementia Summit Declaration, online veröffentlicht am 11.12.2013. Download: www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/265869/2901668_G8_DementiaSummitDeclaration_acc.pdf

2Alzheimer’s Disease International. World Alzheimer Report 2015. S 2+58. Download: www.worldalzreport2015.org/downloads/world-alzheimer-report-2015.pdf

3Cummings J et al. Drug Development in Alzheimer’s Disease: The Path to 2025. Alzheimer's Research & Therapy 2016;8:39. Download: https://alzres.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13195-016-0207-9

4Deutsche Alzheimer Gesellschaft eV. Informationsblatt 1 – Die Häufigkeit von Demenzerkrankungen. Download: www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf

5Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. S3-Leitlinie „Demenzen“. Langversion; Januar 2016. S 23. Download: www.dgppn.de/fileadmin/user_upload/_medien/download/pdf/kurzversion-leitlinien/S3-LL-Demenzen-240116-1.pdf