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Langzeitmanagement der Osteoporose im sektorübergreifenden Netzwerk

14.01.2016

Hamburg, 14. Januar 2016 - Knapp neun Monate nach seiner Gründung gewinnt das Osteoporose-Netzwerk Hamburg - der Zusammenschluss der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)mit niedergelassenen Osteologen in Hamburg - weitere lokale Mitglieder und stellt sich national ebenso wie international auf. Mithilfe von ausgewiesenen Experten in der Langzeittherapie der Osteoporose und in der Forschung kommt außerdem die wissenschaftliche Bearbeitung osteologischer Themen immer weiter voran.

Mit der Wirbelsäulenchirurgie der Asklepios Klinik in Wandsbek sowie der Unfallchirurgie des Agaplesion Diakonieklinikums in Eimsbüttel konnte Prof. Dr. Dr. Eric Hesse, Heisenberg-Professor und Leiter der Experimentellen Unfallchirurgie an der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des UKE, gleich zu Beginn des sehr gut besuchten Wintersymposiums des Osteoporose-Netzwerks Hamburg weitere Kliniken als Netzwerkpartner begrüßen. "Dies ist ein weiterer Meilenstein, um in Hamburg möglichst viele Patienten einer adäquaten leitliniengerechten Osteoporosebehandlung zuzuführen", betonte Hesse. "Wir haben jetzt in Hamburg schon drei Kliniken, die sich dafür einsetzen, dass Patienten mit Fragilitätsfrakturen identifiziert und einer leitliniengerechten Behandlung durch die niedergelassenen Netzwerk-Osteologen zugeführt werden!" Seit Gründung des Osteoporose-Netzwerks Hamburg im April 2015 gehören nahezu alle niedergelassenen DVO-zertifizierten Osteologen dem sektorübergreifenden Netzwerk an.

Prozessoptimierung in der Unfallchirurgie - Dokumentation, Evaluation, Koordination

"Wenn wir die Versorgung von Patienten mit Osteoporose dauerhaft verbessern wollen, müssen wir auch überprüfen, wie gut wir eigentlich sind", erinnerte Dr. Georg P. Dahmen, Orthopäde und Osteologe DVO, als Mitinitiator des Osteoporose-Netzwerks und hob damit in der Diskussion erneut die Bedeutung einer lückenlosen Dokumentation hervor. Auf diesem Hintergrund hat das Osteoporose-Netzwerk Hamburg seine Arbeit zur Begutachtung durch die International Osteoporosis Foundation im Rahmen des Best Practice Program zur Etablierung und Evaluierung eines Fracture Liaison Service eingereicht. Der Grundstein für die Evaluierung der interdisziplinären Netzwerkarbeit wurde bereits im Sommer 2015 gelegt. Dadurch erlangt das Netzwerk internationale Sichtbarkeit und Anerkennung als Modellbeispiel auch für andere Standorte.

Außerdem ist das Osteoporose-Netzwerk Hamburg nun auch fester Bestandteil der Hamburg City Health Study. Im Rahmen dieser größten monozentrischen Longitudinalstudie der Welt sollen ungeklärte epidemiologische Fragen zur Osteoporose wissenschaftlich beantwortet werden.

Langzeitmanagement der Osteoporose - ein Brennpunktthema im Netzwerk

Die Osteoporose ist in der Regel eine chronische Erkrankung, was bei den betroffenen Patienten ein Langzeitmanagement erforderlich macht. Nur: Welche Therapieoption ist für welchen Patienten zu welchem Zeitpunkt die bestgeeignete und für wie lange? "Für ein langfristiges Behandlungsregime sind klinische Risikofaktoren und behandlungsbedürftige Komorbiditäten meist die entscheidenden Kriterien - leitliniengemäß in Abhängigkeit von Lebensalter und Geschlecht des Patienten" führte Dr. Oliver Bock, Ärztlicher und Wissenschaftlicher Leiter des Projektes Osteologie der Promedio GmbH, als externer Referent aus. Durch eine ASBMR Task Force wurden unlängst Behandlungsalgorithmen für Patienten mit einer 3-5 jährigen Vortherapie mit Bisphosphonaten und einer anhaltend geringen DXA-Knochendichte der Hüfte (? -2,5 SD T-score), prävalenten oder inzidenten Frakturen und klinischen Risikofaktoren für Hüftfrakturen vorgestellt.i Obwohl in diesen Fällen eine Bisphosphonat-Langzeittherapie für adäquat erachtet wird, benötigten die meisten Patienten eher eine sorgfältig abgestimmte Sequenztherapie zur Vermeidung von weiteren osteoporotischen Fragilitätsfrakturen. Leider sei die Evidenzlage hier noch nicht eindeutig, erläuterte Bock weiter, weshalb eine Sequenztherapie häufig auf der Basis von Surrogatparametern wie z.B. Knochendichte oder Marker des Knochenstoffwechsels entschieden werden müsse. Am besten lasse sich eine Sequenztherapie bei Patienten mit einem inadäquaten Outcome während einer kontinuierlichen antiresorptiven Therapie als notwendig klassifizieren. "Ein Wechsel von einem oralen Antiresorptivum zu einem parenteralen scheint gegenwärtig z. B. bei schlechter Compliance oder anhaltend hohen Knochenresorptionsmarkern gerechtfertigt. Wenn jedoch die Knochendichte in der DXA-Messung weiterhin rückläufig ist oder sich unter laufender Antiresorption gar weitere Fragilitätsfrakturen ereignen, ist eine Veränderung des Therapieprinzips angezeigt". Inzwischen liege eine gute Evidenz aus klinischen Studien für eine osteoanabole Therapie nach Therapieversagen unter Antiresorptiva vor.ii,iii Bereits zum Standard gehöre eine anschließende antiresorptive Konsolidierung der durch eine osteoanabole Therapie neuformierten Knochensubstanz.

Medizinische Versorgung im Netzwerk - wann ist der Endokrinologe gefragt?

In der endokrinologischen Praxis werden neben den häufig vorkommenden postmenopausalen Frauen mit Osteoporose auch prämenopausale Frauen - etwa mit einer schwangerschafts-assoziierten Osteoporose - behandelt, nicht selten auch Männer jünger als 60 Jahre, die osteoporotische Frakturen erleiden. "Diese Fälle sind nicht in der aktuellen DVO-Leitlinie abgebildet und bedürfen einer individuellen, differenzierten Abklärung durch den Experten", hob Dr. Catharina Bullmann, Endokrinologin, in ihrer Fallpräsentationen interessanter osteologischer Fälle hervor. In diesem Zusammenhang ergibt sich eine große Chance innerhalb des Osteoporose-Netzwerk Hamburg zukünftig noch effektiver interdisziplinär zusammenzuarbeiten.

Ausführliche Informationen zu den Aktivitäten des Netzwerks finden Sie unter http://osteoporose-netzwerk.hamburg


Referenzen:

  1. Adler RA et al., Managing Osteoporosis in Patients on Long-Term Bisphosphonate Treatment: Report of a Task Force of the American Society for Bone and Mineral Research. J Bone Miner Res. 2015 Sep 9. doi: 10.1002/jbmr.2708. [Epub ahead of print]
  2. Obermayer-Pietsch PM et al., Effects of two years of daily teriparatide treatment on BMD in postmenopausal women with severe osteoporosis with and without prior antiresorptive treatment. J Bone Miner Res 2008
  3. Fahrleitner-Pammer A et al., Effects of teriparatide in postmenopausal women with osteoporosis pre-treated with bisphosphonates: 36-month results from the European Forsteo Observational Study. Eur J Endocrinol. 2012 Jan;166(1):87-97