Achtung – gefälschte Arzneimittel!

Gefälschte Arzneimittel stellen ein zunehmendes Problem dar. Angeboten werden sie bei uns oftmals über das Internet, daher ist es hier besonders wichtig, sich der Gefahr von Fälschungen bewusst zu sein und sich vor Arzneimittelfälschungen zu schützen.

Auf den folgenden Seiten möchten wir Sie über gefälschte Arzneimittel informieren, damit Sie sich davor schützen können.

Wie häufig sind Fälschungen?

Die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zur Verbreitung gefälschter Arzneimittel sind alarmierend: Man schätzt, dass in Industriestaaten etwa 1 % der im Handel befindlichen Medikamente gefälscht sind. In Entwicklungsländern liegt dieser Anteil schätzungsweise deutlich höher. Es ist davon auszugehen, dass der Markt der gefälschten Arzneimittel weiter wachsen wird1.

In Europa - und auch in Deutschland - werden ebenfalls immer mehr gefälschte Arzneimittel gefunden2. Die Medikamente (vor allem Schlankheitspillen und Medikamente gegen Erektionsstörungen) werden bei uns am häufigsten von illegalen Internet-Versandhändlern in Verkehr gebracht, daher ist der Anteil der Fälschungen hier mit über 50 % besonders hoch1.

Welche Arzneimittel werden gefälscht?

In Entwicklungsländern und Industrieländern werden unterschiedliche Arzneimittel gefälscht. Während in Entwicklungsländern am häufigsten Medikamente gegen Malaria, Tuberkulose oder HIV gefälscht werden, sind in Europa eher Lifestyle-Medikamente, Wachstumshormone und Schlafmittel betroffen1, 2. Auch Medikamente zur Behandlung von Erektionsstörungen, wie zum Beispiel Cialis® (Tadalafil), werden gefälscht.

Welche Arten von Fälschungen gibt es?

Allgemein wird in zwei große Gruppen von Fälschungen unterschieden:

  • Das Medikament selbst ist ein Original-Medikament, befindet sich aber in einer gefälschten Verpackung. Dann hat ein Fälscher beispielsweise eine preiswerte Großpackung in viele kleine – und in der Summe teurere – Einzelpackungen aufgeteilt.
  • Stimmen weder der Wirkstoff noch die Verpackung, spricht man von einer Totalfälschung. Bei Totalfälschungen sind zwei Untergruppen zu unterscheiden:

    • Totalfälschungen, die gar keinen oder zu wenig Wirkstoff enthalten.
    • Totalfälschungen, die zu viel oder sogar einen anderen, unbekannten Wirkstoff enthalten – mit unkalkulierbaren Gefahren für den Anwender.

Tablettenpresse, wie sie häufig von Fälschern verwendet wird.


Die Mehrzahl der Fälscher ignoriert die Standards einer modernen Arzneimittelherstellung, daher sind die entstehenden Produkte von fragwürdiger Qualität.

Welche Gefahren gehen von Fälschungen aus?

Die Einnahme einer Totalfälschung, die zu viel eines Wirkstoffs oder einen unbekannten Wirkstoff enthält, kann im schlechtesten Fall lebensgefährlich sein. Enthält die Fälschung keinen oder zu wenig Wirkstoff, kann – z. B. bei einem Antibiotikum – die ausbleibende oder unzureichende Wirkung eine Gefahr darstellen.

Originalware in gefälschter Verpackung kann ebenfalls kritisch sein: Wenngleich es sich hierbei ursprünglich um Originalware handelte, können unkontrolliertes oder unsachgemäßes Lagern oder Umpacken eine gesundheitliche Gefährdung durch Verwechslungen und Qualitätsminderungen darstellen. Nicht zuletzt könnte auch Ware umgepackt worden sein, deren Verfalldatum bereits überschritten war.

Wie gelangen Fälschungen in den Umlauf?

Arzneimittel von Internetanbietern, deren Adresse verschleiert und somit für den Absender nicht deutlich ist, sind nach Aussagen der WHO zu mehr als 50 % gefälscht. Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland gefälschte Arzneimittel am häufigsten über Internet- und Versandhandel in Umlauf gebracht werden, denn leider gibt es neben den legalen und zuverlässigen Internetapotheken auch eine Vielzahl unseriöser Anbieter1, 2

Aber auch ein Arzneimittel, das in der Disco, im Bodybuilding Studio oder in zweifelhaften Shops unter der Hand angeboten wird, kann eine Fälschung sein.

Zu Wachsamkeit wird auch beim Kauf von Arzneimitteln im Ausland geraten.

In Deutschland ist es am sichersten, ein Arzneimittel bei einer niedergelassenen Apotheke oder einer zugelassenen Versandapotheke zu kaufen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, ein gefälschtes Arzneimittel zu erhalten3.

Referenzen

  1. World Health Organization, Fact sheet No. 275, revised January 2010: Counterfeit medicines. Erhältlich unter
    http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs275/en/print.html (Stand Januar 2010).
  2. Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V., VFA-Positionspapier „Arzneimittelfälschungen“. Erhältlich unter
    http://www.vfa.de/ (letzter Zugriff im März 2013).
  3. Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V., Artikel: Wie Sie sich am besten vor gefälschten Arzneimitteln schützen können…. Erhältlich unter
    http://www.vfa.de/de/politik/artikelpo/schutz-vor-faelschungen.html (besucht am 27.06.2016).