Was ist MDR-TB?

Tuberkulose wird oftmals als die „vergessene Krankheit“ bezeichnet. Dies trifft in besonderem Maße auf die westlichen Industrieländer zu. Weltweit hat die Erkrankung mittlerweile allerdings alarmierende Ausmaße angenommen. Nach Schätzungen der WHO trägt heute bereits ein Drittel der Weltbevölkerung, also über zwei Milliarden Menschen, den Erreger in sich. Zu einem Ausbruch der Erkrankung kommt es meist, wenn das Immunsystem des Körpers durch Mangelernährung oder Krankheit geschwächt ist. Damit trifft die Tuberkulose insbesondere die Schwächsten der Gesellschaft. Einen weiteren Vorschub zur Ausbreitung der Krankheit leistet die hohe Zahl von HIV-Infektionen in vielen Entwicklungsländern, bei denen eine Co-Infektion mit Tuberkulose eine lebensbedrohliche Gefahr darstellt. Trotz wirksamer Behandlungsoptionen sterben jedes Jahr weltweit immer noch über zwei Millionen Menschen an Tuberkulose. Damit steht die Krankheit auf Platz zwei bei den meisten Todesfällen durch Infektionskrankheiten bei Erwachsenen.

Bei der Tuberkulose handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Tröpfcheninfektion, das heißt über die Luft (z.B. durch Husten) übertragen wird. Auch wenn der Erreger prinzipiell jedes Organ im Körper befallen kann, findet man ihn in der überwiegenden Zahl der Fälle in der Lunge wieder. Zu den Symptomen der Krankheit zählen Husten mit ungeklärter Ursache für mehr als zwei bis drei Wochen, Fieber, Gewichtsverlust, Schmerzen im Brustbereich sowie starkes nächtliches Schwitzen.

Die multiresistente Tuberkulose (MDR-TB) ist eine Form der Tuberkulose, die ganz überwiegend durch eine falsche oder ab- bzw. unterbrochene Therapie der einfachen Tuberkulose entsteht. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn der behandelnde Arzt ungeeignete Medikamente verschreibt oder der Patient die zum Teil langwierige Therapie nicht konsequent durchhält. Haben die Erreger erst einmal Resistenzen gebildet, so können sich andere Menschen wie bei der einfachen Tuberkulose mit dieser schweren Form infizieren.

Nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation und der International Union Against Tuberculosis and Lung Disease stellen Fälle von MDR-TB in einigen Regionen der Welt bereits mehr als drei Prozent aller TB-Neuinfektionen dar. Weltweit treten jedes Jahr mehr als 450.000 neue Fälle von MDR-TB auf.

Bei der Behandlung der MDR-TB treten zahlreiche Herausforderungen auf. Patienten die an multiresistenter Tuberkulose erkranken, sprechen kaum oder gar nicht auf die gängigen Antibiotika an, die bei der Therapie der einfachen Tuberkulose zum Einsatz kommen (Erstlinientherapie). Die Auswahl von geeigneten Medikamenten aus der so genannten Zweitlinientherapie hängt wiederum stark von den Resistenzen ab, die der Erreger ausgebildet hat. Da diese nicht in jedem Fall identisch sind, muss der Behandlung eine komplexe Diagnose voran gehen. Die hierfür notwendigen Laboruntersuchungen sind längst nicht überall in ausreichendem Maß vorhanden. Die eigentliche Behandlung der MDR-TB unterscheidet sich vor allem in zwei Bereichen von der der einfachen Tuberkulose. Zum einen ist die Dauer der Behandlung wesentlich ausgedehnter. Nimmt die Behandlung der einfachen Tuberkulose zwischen sechs bis neun Monate in Anspruch, so erstreckt sich die Therapie der MDR-TB auf bis zu zwei Jahre. Zum anderen weisen die für die Zweitlinientherapie vorgesehenen Antibiotika wesentlich stärkere Nebenwirkungen auf. Zusätzlich stellt der für die Behandlung meist notwendige längere Krankenhausaufenthalt die Patienten und ihre Angehörigen oft vor nicht unerhebliche finanzielle Herausforderungen. Weltweit treten jedes Jahr mehr als 450.000 neue Fälle von MDR-TB auf.