Pressemitteilung

1 Jahr Baqsimi® zur Ersthilfe bei schweren Hypoglykämien

Große Erleichterung für Ärzte, Menschen mit Diabetes und Angehörige

Bad Homburg – Ein Jahr nach der Einführung des nasalen Glukagons Baqsimi ® * zeigten sich Experten bei einer Pressekonferenz von Lilly überzeugt vom Nutzen des Notfallmedikaments für die Ersthilfe bei schweren Hypoglykämien. Es bietet eine mit dem injektablen Glukagon vergleichbare Wirksamkeit, 1,2,3 k ann aber von Helfern – auch ungeschulten – deutlich häufiger erfolgreich angewendet werden. 4,5 Die geringere Hemmschwelle für den Einsatz erhöht aus Sicht von Ärzten die Chance, dass Betroffenen bei einer schweren Hypoglykämie adäquat geholfen wird. 6 Entsprechend groß ist die Erleichterung bei Menschen mit insulinbehandeltem Diabetes und deren Angehörigen sowie ihrem persönlichen Umfeld.

„Unterzuckerungen sind noch immer Teil der Insulintherapie. Denn die komplexen Auswirkungen von Bewegung, Ernährung und Insulin sind schwer zu steuern – so kann es zu Hypoglykämien kommen“, erläuterte Dr. Simone von Sengbusch, Kinder- und Jugendärztin und Diabetologin DDG am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck. „Durch die Verbreitung der CGM mit Alarmfunktion sind schwere Hypoglykämien viel seltener geworden. Dennoch kommen sie weiterhin vor, und sie sind gefährlich“, so die Expertin weiter.

Einfache Anwendung als entscheidender Vorteil

„Wir Mediziner sind sehr glücklich, dass mit dem nasalen Glukagon seit einem Jahr eine einfache Applikationsform von Glukagon zur Verfügung steht“, sagte Prof. Werner Kern, Ärztlicher Leiter am Endokrinologikum Ulm. Das Präparat in Form eines Nasenpulvers ist sofort anwendbar, es muss nicht gekühlt werden und kann daher immer mitgeführt werden. 7 „Auch Diabetesberater und Patienten haben positiv auf das neue Notfall-Medikament reagiert,“ berichtete der Internist und Diabetologe. In Studien mit Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen hat sich gezeigt, dass nasales Glukagon den Blutzuckerspiegel vergleichbar wirksam und schnell stabilisiert wie injektables Glukagon. 1,2,3 „Ein entscheidender Vorteil ist, dass es einfacher anzuwenden ist“, so Kern. Eine von Kern vorgestellte Studie, in denen die Anwendung durch geschulte und ungeschulte Helfer in einer simulierten Notfallsituation untersucht wurde, belegte, dass 94 % der geschulten und 93 % der ungeschulten Helfer das nasale Glukagon korrekt verabreichen konnten, während dies nur 13 % der geschulten und 0 % der nicht geschulten Teilnehmer bei der Injektion von Glukagon gelang. 4 Diese Ergebnisse wurden in einer weiteren Studie mit ähnlichem Aufbau bestätigt. 5

Glukagon-Versorgung ausweiten

Für die Betroffenen ist eine schwere Unterzuckerung ein einschneidendes Ereignis, das in der Folge funktionale, emotionale und soziale Beeinträchtigungen hervorrufen kann. 8,9,10,11 Auch für Angehörige ist das Erleben einer schweren Hypoglykämie bei einem nahestehenden Menschen äußerst belastend, insbesondere für Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes. Bei ihnen kommt es in der Folge oft zu Ängsten und Schuldgefühlen, wie von Sengbusch erlebt hat: „Eltern vergessen eine schwere Unterzuckerung bei ihrem Kind nie. Die Gefühle von Angst und Hilflosigkeit können über Jahre anhalten und den Alltag beeinträchtigen.“ Laut von Sengbusch sollte daher jeder Mensch mit Typ-1-Diabetes und solche mit hohem Hypoglykämierisiko unter Typ-2-Diabetes, auch bei CGM-Nutzung, von Anfang an ein Notfallmedikament zur Behandlung schwerer Hypoglykämien erhalten, damit diese Notfälle gut bewältigt werden können. Hier gelte es noch nachzuarbeiten, da noch nicht alle in Frage kommenden Patienten entsprechend mit Glukagon versorgt werden, wie eine Studie zeigt. 12

Gestiegene Bereitschaft zur Notfallhilfe

Das nasale Glukagon ist in der Praxis gut angenommen worden, wie eine Umfrage unter Diabetologen und Hausärzten mit diabetologischem Schwerpunkt zeigt, die ein halbes Jahr nach der Einführung durchgeführt wurde. Als Hauptvorteil sahen beide Arztgruppen vor allem die niedrige Hemmschwelle für Helfer, das Medikament zu verabreichen, da keine Injektion erforderlich ist. 6 Die Befragten berichteten, dass die Patienten erleichtert auf das Medikament reagiert hätten, da ihnen im Notfall nun einfacher geholfen werden kann.6 Ähnliche Reaktionen hat von Sengbusch in der Klinik erfahren: „Das ist ja etwas Tolles – darauf haben wir lange gewartet, sagten mir Eltern von Kindern mit Diabetes. Die Akzeptanz ist wirklich sehr, sehr groß“. Von Sengbusch berichtete, dass nach Angaben von Eltern auch erstmals Interesse an der Notfallhilfe bei Lehrern und Trainern besteht, die zuvor Vorbehalte gegenüber dem Einsatz einer Glukagon-Spritze hatten. „Die Bereitschaft zu helfen hat durch das nasale Glukagon offenbar deutlich zugenommen,“ so die Diabetologin.

Auch Kern sieht eine Verbesserung der Situation von Patienten und Angehörigen: „Mit dem nasalen Glukagon haben wir eine neue Option, Menschen mit einer schweren Hypoglykämie sehr einfach, schnell und effektiv helfen zu können. Es kann mehr Kindern mit Typ-1-Diabetes ermöglichen, ohne Sorgen und Ängste der Eltern und Lehrer an Schulfreizeiten, Schulausflügen, Trainingslagern teilzunehmen und Erwachsenen so manche Klinikeinweisung
ersparen“.

PP-GN-DE-0354 - 01.06.2021


* angezeigt zur Behandlung von schweren Hypoglykämien bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 4 Jahren

1 Rickels MR et al. Diabetes Care 2016; 39(2):264-270

2 Suico J et al. Diabetologia 2018; 61(Suppl 1):S77–S78

3 Sherr JL, et al. Diabetes Care 2016;39(4):555-562

4 Yale JF et al. Diabetes Technol Ther 2017; 19(7):423–432.

5 Settles JA et al. Endocr Pract 2020;26:407-415

6 Umfrage DocCheck und Lilly 2020, Lilly Data on file

7 Fachinformation Baqsimi®, aktueller Stand

8 Seaquist ER et al. Diabetes Care. 2013;36(5):1384–1395

9 Bonds DE et al. BMJ. 2010;340:b4909

10 Frier BM. Nat Rev Endocrinol.2014;10(12):711–722

11 Cryer PE. Diabetes Care. 2012;35(9):1814–1816

12 Mönnig E. et al.  Exp Clin Endocrinol Diabetes 2020; DOI 10.1055/a-1310-7963