Dave Ricks Statement

28.10.2020

CEO Dave Ricks über Lillys Grundsätze bei der Preisgestaltung und dem Zugang zu COVID-19 Antikörper-Medikamenten

Im Februar dieses Jahres, als das neuartige Coronavirus seinen tödlichen Marsch um die Welt begann, mobilisierten wir bei Lilly sofort unser wissenschaftliches und medizinisches Fachwissen, um diese schreckliche Krankheit zu bekämpfen. Wir haben in nur wenigen Monaten das getan, was normalerweise Jahre dauert – und uns gleichzeitig weiterhin unseren
strengen Standards für Patientensicherheit und Produktqualität verpflichtet. Und wir haben für die Forschung, Entwicklung und Herstellung für unsere potenziellen COVID-19 Medikamente keine staatlichen Gelder angenommen, sondern es selbst finanziert. Wir glauben, dass dies unsere Aufgabe als biopharmazeutisches Unternehmen ist: in die Forschung zu investieren und neue Medikamente für akute Krisen wie diese Pandemie sowie für andere lebensbedrohliche oder chronische Krankheiten zu entwickeln.

Die Monotherapie unseres neutralisierenden Antikörpers wird derzeit von Zulassungsbehörden weitweit geprüft. Dazu gehört auch die amerikanische Food and Drug Administration (FDA), die eine Notzulassung zur Behandlung von leichter bis mittelschwerer COVID-19 Erkrankung bei Hochrisikopatienten prüft. Bamlanivimab – als Monotherapie und in Kombination mit einem zweiten neutralisierenden Antikörper von Lilly – hat das Potenzial, das Risiko einer Hospitalisierung für neu mit COVID-19 diagnostizierten Patienten zu verringern. Wir hoffen, dass unsere Antikörpertherapien Teil der Lösung für eine Pandemie werden, die bislang mehr als eine Million Menschenleben gefordert hat.

Aber unsere Verantwortung endet nicht mit der Entwicklung neuer Medikamente, dem Nachweis ihrer Sicherheit und Wirksamkeit und der qualitativ hochwertigen Herstellung. Wir müssen auch weltweit mit den Gesundheitssystemen zusammenarbeiten, um einen gerechten Zugang zu unseren Medikamenten zu einem fairen Preis zu gewährleisten. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Antikörpertherapien von Lilly für diejenigen Patienten verfügbar sind, die sie benötigen, und das unabhängig davon, wo sie leben. Diese Aufgabe ist unter normalen Umständen eine Herausforderung, die angesichts des massiven Ausmaßes dieser Pandemie, ihrer sich rasch verändernden Präsenz auf der ganzen Welt und der Komplexität und Kapazitätsbeschränkungen bei der Herstellung neutralisierender Antikörper noch schwieriger ist. Unser Team hat hart gearbeitet, um beträchtliche Herstellungskapazitäten aufzubauen – darunter fünf Produktionsanlagen für Antikörper auf drei Kontinenten. Und das bevor eine Dosis definiert oder ein Wirksamkeitsnachweis erbracht wurde. Angesichts der Vorlaufzeiten für die Produktion und des Mangels an groß angelegten und weltweit verfügbaren Produktionskapazitäten für diese Art von Medikamenten wissen wir jetzt jedoch, dass die Nachfrage nach Lillys Antikörpern und all denen anderer Unternehmen, die sich derzeit in der Entwicklung befinden, deutlich höher sein wird als das Angebot.

Solange das Angebot an neutralisierenden Antikörpern begrenzt ist, glauben wir, dass die einzige Möglichkeit, einen gerechten Zugang zu gewährleisten, darin besteht, dass Lilly direkt mit Regierungen und pan-nationalen philanthropischen Organisationen Verträge abschließt. Diese Institutionen sind am besten in der Lage, unsere Antikörperbehandlungen auf die Patienten auszurichten, die sie am dringendsten benötigen.

Was jedoch nicht passieren darf, ist, dass nur die wohlhabendsten Länder oder Menschen Zugang zu COVID-19 Medikamenten erhalten. Die Medikamente müssen den Patienten mit dem größten ungedeckten Bedarf zur Verfügung stehen und dürfen nicht an den Meistbietenden verkauft werden. Deshalb haben wir Rat von Wirtschaftswissenschaftlern und Ethikern eingeholt und eine Reihe von Prinzipien für den Zugang und die Finanzierbarkeit für unsere neutralisierenden Antikörper entwickelt. Diese Prinzipien basieren auf den Werten, mit denen Lilly seit 1876 fest verwurzelt ist und die uns leiten. Sie lauten wie folgt:

1. Zuteilung:
Medikamente werden auf der Grundlage des weltweiten medizinischen Bedarfs zugeteilt.

Auf der Grundlage unserer ersten Studien und weltweiten Beobachtungen dieser neuen Krankheit ist klar, dass Patienten mit bestimmten Risikofaktoren, darunter Alter und Adipositas, nach der Diagnose eine schlechtere Prognose haben. Obwohl viele Menschen sich wünschen, dass dieses potenzielle neue Medikament die Möglichkeit einer ernsthafteren Infektion verringert, geht Lilly davon aus, dass nur Hochrisikopatienten das Medikament erhalten werden, bis weitere Studien über unser Medikament abgeschlossen sind und mehr Vorräte zur Verfügung stehen.

Um die Entscheidung zu erleichtern, wohin das Medikament geschickt werden soll, verfolgen wir einen datengestützten Ansatz. Welche Länder bevorzugt mit welchen Mengen beliefert werden, wird anhand von Daten aus vertrauenswürdigen Forschungszentren wie dem Coronavirus Resource Center der John Hopkins Universität und internationalen Gesundheitsbehörden wie der Weltgesundheitsorganisation bestimmt. Da die Pandemie schnell voranschreitet, werden wir uns für jedes Land jeweils nur auf ein Angebot für einige Monate festlegen, damit wir Nachfrage und begrenztes Angebot optimal aufeinander abstimmen können. Es wird wichtig sein, dass die Regierungen diesen Ansatz unterstützen. Denn knappe Medikamente, die gehortet werden, erreichen keine bedürftigen Patienten, und wir wollen sicherstellen, dass unsere Antikörper-Medikamente denen zur Verfügung stehen, die sie benötigen.

Leider sind die USA aktuell sowohl bei den COVID-19 Fällen als auch bei den Todesfällen weltweit führend. Daher ist in den USA die Verringerung der Krankheitslast oberste Priorität. Heute hat Lilly mit der US-Regierung eine Vereinbarung über die Bereitstellung bzw. Abnahme von 300.000 Ampullen Bamlanivimab für die Monotherapie, wenn das Medikament eine Notzulassung erhält. Die Regierung entwickelt in Partnerschaft mit den Gesundheitsministerien der Bundesstaaten ein Zuteilungsprogramm für die Therapie.

2. Patientenkosten:
Unser Ziel ist es, dass den Patienten für unsere Antikörper-Medikamente nach Möglichkeit keine Kosten entstehen.

Die Kosten dürfen kein Hindernis für den Zugang sein. Unser Ziel ist es, für jeden Patienten, der ein COVID-19 Medikament von Lilly erhält, möglichst keine Kosten zu verursachen. So hat die US-Regierung beispielsweise zugesagt, dass Patienten für die Behandlung mit einem Antikörper von Lilly nichts zahlen müssen, auch wenn Gesundheitseinrichtungen für die Verabreichung des Produkts eine Gebühr erheben können.

3. Preisgestaltung für Gesundheitssysteme:
Die Preise werden basierend auf der Zahlungsfähigkeit eines Landes gerecht gestaffelt.

Wir haben uns intensiv mit der Frage beschäftigt, was wir in dieser Krise für unsere Antikörper-Medikamente verlangen können. Wir versuchen, eine Reihe von Faktoren auszubalancieren. Dazu gehört unter anderem auch der Wert, den diese potenziellen Therapien für die Gesellschaft und das Gesundheitssystem insgesamt bringen könnten. Neutralisierende Antikörper haben das Potenzial, einen bedeutenden gesellschaftlichen Wert zu schaffen, wenn sie die mit COVID-19 verbundenen Nebenwirkungen und Kosten, einschließlich der Krankenhausaufenthalte, die in den USA durchschnittlich fast 22.000 Dollar pro Person betragen, reduzieren.

Wir werden für staatliche Käufe unserer Antikörper-Medikamente eine gestaffelte Preisgestaltung verfolgen, die auf den Daten der Weltbank zum Bruttonationaleinkommen pro Kopf basiert. Die Preise werden auf der Grundlage der Zahlungsfähigkeit der Länder gestaffelt sein, wobei alle wohlhabenden Länder die gleichen Zahlungen leisten, Länder mit mittlerem Einkommen einen starken Rabatt erhalten und die ärmsten Länder nur geringfügige Kosten tragen. Wir werden unsere Arbeit mit philanthropischen Organisationen wie der Bill & Melinda Gates Foundation fortsetzen, um unsere Antikörper-Therapien auch in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen verfügbar zu machen, denn wir wollen so viele Patienten wie möglich erreichen, unabhängig davon, wo sie leben.

Eine konkrete Preisgestaltung für unsere potenzielle Kombinationstherapie ist noch nicht verfügbar. Die Monotherapie mit Bamlanivimab wird Lilly den wohlhabenden Ländern zu einem Preis von 1.250 USD pro Ampulle anbieten, sofern die Zulassungsbehörden des Landes die Behandlung genehmigen. Wichtig ist, dass mit einer Ampulle die gesamte Behandlung mit Bamlanivimab abgedeckt ist, die wir bei den Zulassungsbehörden einreichen. Wir gehen davon aus, dass bei diesem Preissniveau und angesichts der Mengenbeschränkungen alle großen Volkswirtschaften die Beschaffung über ihre Arzneimittelbudgets finanzieren können. Mit der Wahl dieses Preises für unsere Monotherapie wollen wir auch dafür sorgen, dass die Pioniere der nächsten Generation von Antikörpern – sei es für dieses oder das nächste Virus – einen Anreiz haben, mit ihren wissenschaftlichen Teams und den Mitteln ihrer Investoren ebenfalls neue wirksame Therapien zu entwickeln. Während die Preise in entwickelten Märkten über unseren Herstellungskosten für das Medikament liegen, erwarten wir bis Ende 2021 eine bescheidene finanzielle Rendite für unsere Investoren.

Zusammenarbeit ist entscheidend für einen fairen und effizienten Zugang

Heute ist die Welt mehr denn je auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Regierung angewiesen, um Medikamente so schnell wie möglich zu den Menschen zu bringen. Jedes Land hat jedoch nuancierte regulatorische Anforderungen, die möglicherweise zu Verzögerungen führen können: Überprüfungen durch Gesundheitsbehörden, Lizenzvereinbarungen, Zölle, Übersetzungen von Dokumenten, Vorbereitungen für die Lieferkette und Verwaltungsprotokolle. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Regierungen jetzt handeln, um die komplexen Prozesse zu straffen, die für eine schnelle Zulassung und Verteilung von COVID‑19 Behandlungen erforderlich sind.

Ebenso wichtig ist es, dass wir nicht zulassen, dass nationale Interessen uns im Kampf gegen COVID-19 wertvolle Zeit kosten. Wir befinden uns mitten in einer globalen Pandemie, und die politischen Führer auf der ganzen Welt müssen die Zusammenarbeit unterstützen, die erforderlich ist, um Lösungen für bedürftige Patienten zu finden, auch wenn diese Patienten außerhalb ihres eigenen Landes leben. Dieses Virus kennt keine Landesgrenzen, so dass der Fortbestand der Krankheit in einem Land ein Risiko für die Menschen aller Länder darstellt.

Weltweit gibt es über 550 Initiativen zur Entwicklung und Erprobung von Behandlungen und Impfstoffen gegen COVID-19. Der rasche Fortschritt dieser Initiativen wurde durch die Unterstützung und Partnerschaft von Regierungen ermöglicht – durch die Straffung von Regulierungsverfahren, den Austausch von Daten und Fachwissen und die Beseitigung von Hindernissen für die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Wissenschaft und öffentlichen Einrichtungen.

Wir können auf dieser Zusammenarbeit aufbauen, um künftige COVID-19 Lösungen für Patienten mit dem größten ungedeckten Bedarf rasch bereitzustellen.

Jeden Tag muss unsere Industrie den zunehmenden Zugang zu bewährten Behandlungsmethoden mit der Erforschung und Entdeckung neuer Behandlungsmethoden in Einklang bringen. Die Pandemie stellt eine historische Gelegenheit dar, beides zu tun. COVID-19 ist eine akute und drängende Bedrohung. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir sie durch die Wissenschaft besiegen und als globale Gemeinschaft gestärkt aus ihr hervorgehen werden, um die nächste Pandemie zu bekämpfen.

Dies ist eine Übersetzung des Artikels „CEO Dave Ricks Shares Lilly's Principles of COVID‑19 Antibody Therapy Pricing and Access“ auf der Website lilly.com

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