Pressemitteilung

Notfallhilfe bei schweren Hypoglykämien

Experten überzeugt vom Nutzen des nasalen Glukagons

Bad Homburg – Schwere Hypoglykämien bleiben eine Herausforderung für Menschen, die ihren Diabetes mit Insulin behandeln und bestimmte Risikofaktoren aufweisen. Seit nasal applizierbares Glukagon zur Verfügung steht, ist es jedoch für Ersthelfer einfacher geworden, Betroffenen in einem Notfall schnell adäquat Hilfe zu leisten. Experten für Diabetologie berichten über positive Erfahrungen aus ihrer täglichen Praxis.

Trotz intensiver Schulung und Beachtung aller Empfehlungen kann es bei Menschen mit Diabetes, die mit Insulin, Sulfonylharnstoffen oder Gliniden behandelt werden, unvorhergesehen zu Hypoglykämien kommen, die in seltenen Fällen auch schwer verlaufen können. 1 Dies gilt insbesondere für Patienten, die ein Mahlzeiteninsulin anwenden, und deren Lebensstil durch Hektik und unregelmäßige Nahrungsaufnahme geprägt ist, sowie für Menschen, bei denen es bereits wiederholt zu moderaten Hypoglykämien gekommen ist. Um diese Menschen gut auf einen möglichen Notfall vorzubereiten ist es sinnvoll, sie mit einem Glukagon-Notfallmedikament auszustatten und sie sowie ihr persönliches Umfeld über die richtige Anwendung zu informieren.

Praxiserfahrungen bestätigen positive Studienergebnisse

Die Einführung des nasalen Glukagons (Baqsimi[sup]®2,i[/sup]) hat die Ersthilfe bei schweren Hypoglykämien vereinfacht. Wie Studien gezeigt haben, gelingt es auch ungeübten Helfern, das Medikament erfolgreich über die Nase zu applizieren, während dies beim injektablen Glukagon vielfach nicht der Fall ist. 3,4 Diese Studiendaten werden nun immer mehr durch Erfahrungen aus der Praxis bestätigt. Aktuelle Berichte von Expertinnen und Experten für Diabetologie weisen auf einen großen Nutzen für Menschen mit Diabetes und ihr Umfeld hin.

Gute Wirksamkeit, einfaches Handling

„Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten auf jeden Fall mit einem Glukagonpräparat versorgt werden, bei Typ-2-Diabetes ohne Insulin-Eigensekretion gilt dies ebenfalls“, sagte Dr. Hans-Peter Kempe, Facharzt für Innere Medizin, Diabetologe DDG und LÄK, Ludwigshafen. „Das nasal verabreichte Glukagon hat bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 4 Jahren eine vergleichbare glukosesteigernde Wirkung wie Glukagon zur Injektion“, so Kempe weiter. Ein Vorteil ist aus Sicht des Experten aber, dass das nasale Glukagon überall hin mitgenommen und dort deponiert werden kann, wo sich der Patient am häufigsten aufhält – also z.B. in der Schule, an der Uni oder am Arbeitsplatz. „Es ist ein praktisches, leicht zu verabreichendes Notfallpräparat, das nicht gekühlt werden muss, sondern bequem bei Raumtemperatur bis 30 Grad aufbewahrt werden kann“, erläuterte Kempe. Das macht es für Kempe auch zu einem geeigneten Begleiter auf Urlaubsreisen.

Niedrige Hemmschwelle für Helfer

Ein Pluspunkt beim nasalen Glukagon ist außerdem, dass es sofort gebrauchsfertig und einfach zu handhaben ist. Dr. Kathrin Hake, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, MEDICLIN Müritz-Klinikum in Waren, hat dies in ihrer Praxis festgestellt: „Die Applikation ist schnell und einfach möglich und gelingt in der Notfallsituation auch mit zitternden Händen. Ich halte das nasale Glukagon für eine revolutionäre Entwicklung, sowohl für unsere Patienten als auch ihre Angehörigen.“ Zudem hat die Expertin erfahren, dass die Bereitschaft Hilfe zu leisten mit dem neuen Notfallmedikament zugenommen hat. „Eltern nehmen das nasale Glukagon gerne an, einige sagten mir, dass sie darauf lange gewartet hätten. Denn ein nasales Präparat senkt im Notfall die Hemmschwelle zu helfen: Ein fix und fertiges Nasenpulver einzusetzen ist unkomplizierter als eine Notfallspritze zu geben, die erst noch vorbereitet werden muss“, so Hake. So könnten die Chancen steigen, dass Betroffenen bei einer schweren Hypoglykämie schnell adäquat geholfen wird.

Ähnliche Beobachtungen hat Dr. Ralph Ziegler gemacht, der als Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder-Endokrinologie und -Diabetologie in Münster tätig ist: „Auch für Großeltern betroffener Kinder oder andere Betreuer ist das nasale Glukagon aufgrund der einfacheren Handhabung ein großer Fortschritt im Falle einer schweren Hypoglykämie“.

Aufgrund dieser Erfahrungen sehen die Experten im nasalen Glukagon eine gute Möglichkeit, Patienten und ihr Umfeld noch besser als bisher auf die Bewältigung schwerer Hypoglykämien vorzubereiten.

Im Detail sind die Berichte über die Erfahrungen der Expertinnen und Experten mit dem nasalen Glukagon hier zu sehen: https://web.mc.lilly.com/baqexpert















PP-GN-DE-0436 - 12.08.2021


1 DDG S2e-Leitlinie Diabetes und Straßenverkehr, 1. Auflage 2017

2 Fachinformation Baqsimi® , aktueller Stand

3 Settles JA et al. Endocrine Practice 2020;26:407-415

4 Yale JF et al. Diabetes Technol Ther 2017;19(7):423-32